Zwingenberg

Freizeit Bäcker, Bienenzüchter und Kunsthandwerker gaben sich beim Zwingenberger Geschichtsverein ein Stelldichein

Muskelkraft machte Museum lebendig

Zwingenberg.Das war echte Schweißarbeit! Unermüdlich und unverdrossen schlug Rüdiger Smolka im Innenhof des Zwingenberger Heimatmuseums einen Liter pure Sahne solange per Hand, bis die Flüssigkeit fest und zu Butter wurde. „Normalerweise braucht man dazu etwa 25 Minuten“, erklärte Smolka. Aber am Sonntag war es schwül-heiß, und entsprechend länger dauerte die Prozedur. „Da brauchst du für deine Muckis wenigstens kein Fitnessstudio.“ Sätze wie diesen und ähnliche Kommentare musste sich der Smolka immer wieder anhören. Und nahm die Frozzelei mit Humor.

Rüdiger Smolka vom Geschichtsverein war nicht der Einzige, der beim Aktionstag „Lebendiges Museum“ in der Scheuergasse interessierten Besuchern demonstrierte, wie zeit- und kraftaufwendig Handwerk in früheren Zeiten war. Harald Germann beispielsweise war schon seit 7.30 Uhr am Morgen auf den Beinen, um die ersten Vorbereitungen zum Brotbacken zu treffen und den Holzofen zu befeuern.

Mitgebracht hatte er Sauerteig, aus dem er nach und nach rund 40 Brotlaibe abwog, formte und in den Ofen schob. Die Reste verarbeitete er zu leckerem Riwwelkuchen. Bauernbrot und Süßes wurden Germann wie immer förmlich aus den Händen gerissen.

Marion Thiel aus Lampertheim hatte ein großes Sortiment aus 19 verschiedenen Sorten und Farben handgemachter, biologisch abbaubarer Seifen ohne synthetische Zusatzstoffe mit ins Zwingenberger Museum gebracht. Bei einer Mitmachaktion konnten Kinder – und auch Erwachsene – Seifen ihrer Wahl herstellen. Zunächst wurden die Stücke geraspelt, anschließend mit Duftöl vermischt, mit Wasser besprüht und daraus eine hochwertiges Peelingprodukt gefertigt. Auch Sabine Schramek, Vorsitzende des Hobby-Künstlervereins Viernheim, die sich selbst als Tüftlerin bezeichnete und immer für Experimente zu haben ist, bot den Besuchern einen einfachen Workshop an.

Zwar hat sie ein ausgesprochenes Faible für selbst gegossene Kerzen jedweder Art – klare Favoriten sind Miniatur-Tiere vom Dalmatiner bis zum Elefanten –, für das „Lebendige Museum“ allerdings hielt sie hübsche Pflanzenstecker aus Gips parat. Die noch unbehandelten Figürchen konnten die Kinder nach eigenem Geschmack bemalen und anschließend lackieren. Mit wenigen Handgriffen etwas Schönes schaffen. Wie das funktioniert zeigte Melanie Konsack ihren gelehrigen „Schülern“, die mit verschiedenen Knoten und Makramee-Knüpftechnik praktische Schlüsselanhänger herstellten und diese mit Perlen verzierten.

2019 ist kein gutes Bienenjahr

Interessantes und Wissenswertes rund um die Biene erzählte Hobby-Imker Hendrik Steinack den Museumsbesuchern und demonstrierte zudem an einem Anschauungsobjekt, wie es in einem echten Bienenstock zugeht. Achtzehn Völker hat der Zwingenberger im Kreis Bergstraße, vornehmlich in seinem Heimatort und in Alsbach, positioniert. „2019 war kein gutes Bienenjahr und die Honigernte äußerst schwierig. Im Frühjahr war es zu kalt, im Sommer zu trocken, so dass kein Nektar auf den Blüten angekommen ist“, beantwortete er diesbezügliche Fragen. Steinack, auf dessen Initiative hin erst kürzlich der Zwingenberger Bienenlehrpfad eingerichtet wurde, widersprach auch dem Gerücht vom Bienensterben: „Den Honigbienen geht es im Gegensatz zu den Wildbienen gut.“

Die letzten Gläser des selbst produzierten Bienenhonigs von der Bergstraße aus dem Vorjahr gabs übrigens am Sonntag im Museum zu kaufen. „Unsere Reserven sind aufgebraucht“, so Hendrik Steinack. Im Gegensatz zu dem gesunden Naturprodukt wurden Kaffee und Kuchen ausschließlich gegen Spenden abgegeben. Das Angebot kam wie immer gut an, und das Mitarbeiterteam des Geschichtsvereins hatte alle Hände voll zu tun.

Die nächste und letzte Veranstaltung 2019 im „Lebendigen Museum“ findet gegen Saisonende an einem Septemberwochenende statt. Dann werden die Ehrenamtlichen vom Geschichtsverein nach Rezepten der Rodauer Landfrauen das köstliche Pflaumenmus, hierzulande als Ladwerge bekannt, zubereiten. gs

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