Zwingenberg

Wegzeichen Vom Lockdown zur Lockerung

Nur nicht verkrampfen

Archivartikel

„Mach dich doch locker!“, tönt es immer wieder, wenn sich andere verkrampfen. Der Jäger lockt seine Beute an, um einen großen Fang zu machen und in so manchen frommen Geschichten frohlocken am Ende die Scharen der Engel im Himmel. „Lockdown“ wird wahrscheinlich das Wort des Jahres und nachdem die Sperren nun nach und nach aufgehoben werden, sprechen alle von Lockerungen.

Neue Räume erschließen

Die Wörter Locken, Lücke oder lockern haben wahrscheinlich die gleiche Wurzel. Sie beziehen sich auf die „Luke“ als Ausdruck für ein Loch oder eine Öffnung. Sie unterbricht das Vorhandene und ermöglicht, sich neue Räume zu erschließen. Wer die Luke nicht öffnet, bleibt beim Alten, beim Festen und Bewährten. Aber es reizt, bestehende Öffnungen zu finden, wenigstens durch sie zu blicken und damit auch den eigenen Horizont zu erweitern.

Noch mehr verlocken sie dazu, hindurchzugehen. Vielleicht dienen verborgene Zugänge nur dazu, geeignete Schlupflöcher zu haben. „Luken“ stärken auch in anderer Form der Sicherheit. Einmal durch sie hindurchgeschlüpft und neuen Raum betreten, sollen sie ja offen bleiben, um bei Bedarf wieder in das Bisherige zurückkehren zu können.

Öffnung bedeutet Freiheit - ein hoher Wert. Es befreit die Menschen, wenn sich strenge Vorschriften, Bestimmungen oder Sitten lockern. Auch persönlichen Beziehungen tut es gut, wenn sich das Verhältnis nach starrem Umgang miteinander plötzlich wieder lockert und man Zugang zu einander findet.

Flucht vor der Realität

Aber in Lockerungen steckt auch eine Gefahr. Öffnungen werden auch gerne dazu genutzt, vor der Realität zu flüchten oder sich zu verstecken. Manchmal dienen sie auch nur der Verlockung und werden letztlich zur Falle. Was sich auftut, sollte daher gut geprüft werden. Die „Luke“ muss groß genug sein, damit ich durch sie gehen kann und nicht stecken bleibe; ich muss prüfen, was mich erwartet, wenn ich die mir bisher verschlossen gebliebene Öffnung nutzte. Und ich sollte auch prüfen, ob mir der Weg zurück dann mir selbst und auch anderen nicht einfach versperrt bleibt. Wer das berücksichtigt, darf trotz manchem auch verordneten „Lockdown“ dann auch in Zukunft locker bleiben.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel