Zwingenberg

Das geistliche Wort Gedanken darüber, wie der Heilige Abend in Corona-Zeiten gefeiert werden kann

Schon an Weihnachten denken?

Archivartikel

Vor kurzem fiel mir ein Katalog von einem katholischen Verlag in die Hände, der mitten in den heißen Augusttagen schon Adventskalender, Nikoläuse und Weihnachtsschenke propagierte. „Na, fangen die jetzt auch schon so früh an?“, dachte ich etwas unangenehm überrascht. Von den Supermärkten ist man das ja eher gewohnt.

Ein systemrelevantes Fest

Aber dann kam mir der Gedanke: Weihnachten? Wie wollen und können wir dieses Fest überhaupt in diesem Jahr feiern. Die Corona-Pandemie stellt grundsätzlich alles in Frage – gesellschaftlich und kirchlich. Eine Familienchristmette mit tausend Mitfeiernden oder die volle Krippenfeier für kleinere Kinder und die Mitternachtsmette, wie ich sie früher in St.Peter in Heppenheim erlebt und gefeiert habe, geht ja dieses Jahr am Heiligen Abend gar nicht.

Aber Weihnachten findet statt – so oder so, das Fest der Geburt Christi. Glaube findet statt und muss gefeiert werden, nicht nur in der Familie. Weihnachten ist systemrelevant für alle Christen und vermutlich sogar für viele Menschen, die keiner Kirche angehören. Bei diesen Überlegungen kam mir ein Interview des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf in den Sinn, in dem er die Leserschaft mit einem unerwarteten Vorschlag überraschte: „Wir überlegen, ob und wie wir in großer Öffentlichkeit Weihnachten durchaus auch ökumenisch feiern können. Anders als zu Ostern können wir jetzt besser planen. Und ich fände es gut, wenn beide christliche Kirchen gemeinsam in die Öffentlichkeit treten. Natürlich wird es auch Messfeiern in unseren Kirchen geben oder vielleicht Hausgottesdienste. Aber dass es in Mainz eine ökumenische Weihnacht im Freien geben wird, halte ich für sehr wahrscheinlich. Und das wünsche ich mir auch an anderen Orten in der Diözese.“

Gut für Seelen und Kehlen

Wenn vor Jahren eine Karnevalssitzung im Freien auf dem Mainzer Domplatz stattfinden konnte, dann geht an gleicher Stelle sicher auch ein ökumenischer Weihnachtsgottesdienst – ohne Anmeldung, natürlich mit Abstand und dennoch verbunden, warm angezogen und im Freien möglicherweise mit „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“, etwas leiser als sonst. Das wäre doch wunderbar. Was täte das unseren Seelen und Kehlen gut! Und was wäre das für ein unübersehbares Zeichen der Verbundenheit aller Christen über die Konfessionsgrenzen hinaus. Nicht zuletzt sogar eine großartige Einstimmung auf den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt im Mai 2021!

Die Ökumene im Blick

Ach ja, es gibt doch vor den meisten Kirchen in unserem Dekanat große Plätze, z.B. den Marktplatz mit „Schorschblick“ in Bensheim oder den „Open-Air-Platz“ vor St. Peter bzw. die Freilichtbühne in Heppenheim oder den Benediktinerplatz in Lorsch und viele andere in den umliegenden Gemeinden. Ob es auch dort Ökumenische Feiern von Weihnachten geben wird?

Man darf gespannt sein. Aber wir leben und entscheiden zu Zeit und in den nächsten Wochen nur auf Sicht. Allerdings sollten wir dabei die Sicht der weihnachtlichen Botschaft nicht außer achtlassen:

„Fürchtet euch nicht, denn siehe ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.“

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