Zwingenberg

Jubiläum PSG feierte ihre Wiedergründung vor 50 Jahren

Schützenverein zollte Gründern Respekt

Zwingenberg.Wer das alljährliche Pokalschießen bei der Privilegierten Schützengesellschaft (PSG) Zwingenberg kennt, der weiß, dass die Siegerehrung der beteiligten Einzel- und Mannschaftsschützen Zeit in Anspruch nimmt. Kommt dann noch das Jubiläum anlässlich der 50-jährigen Wiedergründung dazu, muss man sich auf einen längeren Abend einstellen. Das war auch am vergangenen Freitag so, als der Schützenverein zur Jubiläumsfeier in den Adlersaal eingeladen hatte.

Nach etwa zwei Stunden hatten die Organisatoren mit dem Ende des offiziellen Teils gerechnet, doch da hatte man sich um gut eine Stunde vertan. Erst nach 23 Uhr konnten sich die Gäste am Büfett bedienen. Bis dahin gab es neben drei Siegerehrungsrunden und Ehrungen verdienter Mitglieder und Schützen, auch lobende Grußworte und musikalische Beiträge.

Die Odenwälder Jagdhornbläser eröffneten die Jubiläumsfeier und waren auch später noch einmal zu hören, und auch die Getwinc-Singers des örtlichen Sängerkranzes erfreuten unter der Leitung von Vorsitzendem Andreas Mayer die Festgesellschaft.

PSG-Vorsitzender Bernd Beyer freute sich, neben der Kommunalpolitik mit Stadtverordnetenvorsteherin und Landtagsabgeordneten Birgit Heitland, Bürgermeister Holger Habich und Stadträtin Ingrid Germann auch den stellvertretenden Bezirksschützenmeister Stefan Spahl sowie einige der damaligen Gründungsmitglieder begrüßen zu können. Neben Liesel und Willi Marquard, der den Verein über Jahrzehnte geleitet hatte, nannte Beyer auch Karl Klein, Helmut Germann, Klaus Elgert, Gerald Diefenbach und den durch Ehefrau Annerose vertretenen Norbert Krezdorn.

Der Vorsitzende erinnerte daran, dass der Schützenverein eine deutlich längere Historie hat – seine Existenz ist seit 1578 urkundlich belegt. Nach der Auflösung etwa um 1835 wurde das Schützenwesen in Zwingenberg im Herbst 1965 als neue Sparte im Turn- und Sportverein (TuS) Zwingenberg wiederbelebt. 1969 entstand aus der Schützenabteilung dann der eigenständige Verein.

Etwa zehn Jahre lang war der Adlersaal Heimat der Schützen, bis 1980 die eigene Schießanlage im Untergeschoss des neuen Feuerwehrgerätehauses am Gießer Weg eingeweiht wurde.

Abschließend erinnerte Beyer an das verstorbene Ehrenmitglied Knud Hansen und zitierte dessen Gedanken zum Schießsport, der mehr erfordert, als eine ruhige Hand und ein sicheres Auge, aber auch Befriedigung und Entspannung bis ins Alter gibt.

Für den verhinderten Landrat Christian Engelhardt verlas Birgit Heitland eine Grußbotschaft. Die PSG sei nicht nur ein Traditionsverein, sondern auch fester Bestandteil des sportlichen Zwingenberg. Auch sei Tradition nicht das Bewahren der Asche, sondern die Weitergabe der Flamme würdigte der Landrat das „goldene Jubiläum“.

Startschuss im Wortsinn

Für Bürgermeister Habich ist der Schützenverein mit der Zeit verbunden, als er als Schüler für die damaligen „Zwingenberger Nachrichten“ unterwegs war und auch über die PSG geschrieben habe. Während das im 17. Jahrhundert entwickelte Schützenwesen die Verteidigung der Stadt zum Ziel hatte und vom Großherzog gefördert wurde, gehe es heute um den sportlichen Wettstreit. Aber die PSG beteilige sich auch am Gemeinwesen, freute sich Habich wieder auf den „Startschuss“ der Schützen für das bevorstehende Zwingenberger Weinfest. Auch an der Kerb beteilige sich der Verein regelmäßig. Ganz abgesehen vom jährlichen Vereinspokalschießen, an dem sich alle Zwingenberger Vereine beteiligten. Leider sei es ihm bisher noch nicht gelungen, auch die Rathaus-Mitarbeiter zu motivieren, mit einem Team mitzumachen.

Für Bezirksschützenmeister Florian Keil überbrachte sein Stellvertreter Stefan Spahl die Glückwünsche des Schützenbezirks Starkenburg und gratulierte dem „ganz aktiven Schützenverein“, der nicht nur sportlich große und qualifizierte Leistungen erbringe, sondern auch das gesellige Leben in der Stadt bereichere. In Anerkennung und Würdigung dieser Aktivitäten in den vergangenen 50 Jahren überreichte er die Ehrenscheibe des Hessischen Schützenverbandes.

Birgit Heitland verband ihre Ansprache mit kleinen Hinweisen auf weitere bedeutende 50. Geburtstage wie das Internet, der Jungfernflug der Boeing 747 oder die Apollo 11-Mission. Ohne die Leistungen der im Laufe des Abends geehrten Mitglieder schmälern zu wollen, würdigte sie insbesondere das Engagement von Willi Marquard, der als Leiter der Schießsportabteilung des TuS und dann als Vorsitzender der PSG über Jahrzehnte das Gesicht der Zwingenberger Schützen war. Neben diesem vielfältigen Engagement dankte Heitland auch im Namen der Stadtverordnetenversammlung ebenso für dessen Aktivität für die Gesellschaft. Über 40 Jahre habe er als Schöffe am Ortsgericht in Zwingenberg so manchen Angehörigen und Hinterbliebenen gute Ratschläge gegeben und so manches Verfahren mediativ begleitet. Das nicht nur mit seiner Fachkompetenz als Bauingenieur und technischer Amtsrat, sondern vor allem „mit gesundem Menschenverstand, Herzlichkeit und Menschlichkeit“, so die Stadtverordnetenvorsteherin. Im Hinblick auf den 90. Geburtstag von Willi Marquard in wenigen Wochen werde diesbezüglich noch mit einer weiteren Würdigung zu rechnen sein, so Heitland. Unter Bezug auf die Ursprünge des Schützenwesens sah sie Parallelen zwischen Schützen und Politikern. Nicht nur, weil diese „auch schon mal ihr Ziel verfehlen“, sondern weil sie sich ebenso als Schützen ihrer Städte und Gemeinden sehen, um deren Lebensqualität und die Förderung des Zusammenhalts bemüht seien.

Der Schutz der Stadt obliege heute nicht mehr den Schützen, diese Aufgabe sei delegiert worden. Auch lebe man heute seit 70 Jahren in Frieden und Freiheit. Bei den Schützen stehe heute das Sportliche im Vordergrund, ohne den Schutz des Brauchtums und der Tradition zu vergessen. Dieses ehrenamtliche Engagement unterstütze auch die hessische Landesregierung, beispielsweise durch das Investitionsprogramm „Sportland Hessen“, so die Landtagsabgeordnete.

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