Zwingenberg

Wegzeichen Wer Neues beginnen möchte, der tut gut daran, sich darauf zu konzentrieren

Sich sammeln, bevor es zur Sache geht

Der Redner sammelt noch einmal seine Gedanken, bevor er ans Pult tritt. Die Mannschaft sammelt beim Wettbewerb ordentlich Punkte. Eine Person sammelt vor Antritt einer neuen Aufgabe Erfahrungen und neue Kräfte. Der Politiker sammelt eine Mehrheit hinter sich, um seine Ziele umzusetzen. Und Gläubige sammeln sich zum Gebet.

Wer etwas sammelt, der versucht etwas zusammenkommen zu lassen, von dem er überzeugt ist, dass es zusammengehört und vereinigt werden sollte, um Neues hervorzubringen.

Das Wort geht auf das germanische „samen“ zurück und steht schlicht für das, was von gleicher Beschaffenheit ist. Es hat sich im Wort „Samen“ erhalten, mit der wir die „entsendete“ Grundlage für eine neues Leben und damit auch Ausbreitung bezeichnen. Eine Pflanze lässt ihre Samen meist im Innern einer Kapsel reifen, bis der günstigste Zeitpunkt für den Auswurf gegeben ist. Es scheint ein natürliches Prinzip zu sein, etwas zu „sammeln“, bevor es zur Sache geht.

In den Tagen nach „Christi Himmelfahrt“ bereiten sich die Kirchen auf das Pfingstfest vor, das den Abschluss der 50-tägigen Osterzeit bildet. Das Wort „Pfingsten“ kommt vom griechischen Wort „Pentekoste“. Auf Deutsch bedeutet dies „der fünfzigste Tag“. Die Juden feiern an diesem Tag – 50 Tage nach dem Pessach-Fest – das Schawuot oder Wochenfest. Ursprünglich war es ein reines Erntefest. 7×7+1 steht in der Zahlensymbolik für Überfülle. Die Erstlingsfrüchte wurden bei dem Fest zusammengetragen und dem Schöpfer für die Gaben gedankt. Nach der Apostelgeschichte der Bibel waren die Jünger Jesu vor dem Pfingstfest mit Maria und anderen Frauen im Abendmahlssaal zum Gebet versammelt. Mit dem Pfingstfest kam der „Heilige Geist“ auf sie herab. Die zuvor eher ratlose und resignierte Gemeinschaft erkannte ihre Sendung und der von ihnen nun kraftvoll verkündete Glauben breitete sich fruchtbar aus. Das Bisherige wurde auf den Kopf gestellt: Es wurde eingefahrene Ernte nicht wie üblich zusammenzutragen – damit gesammelt – und diese dankend gefeiert. Für die Jüngerschaft hieß es vielmehr nach den bereits erfolgten Tagen innerer Sammlung nun den neuen Samen des Glaubens nach außen zu bringen und damit neues Leben zu wecken.

Wer Neues beginnen möchte, der tut gut daran, sich zuvor zu sammeln. Das gilt in vielen Lebensbereichen. Bevor es zum Einsatz kommt, soll es innerlich zumindest gedanklich noch einmal zusammengetragen und einheitlich, auf das Ziel hin gebündelt werden. Auch das Gebet gilt über alle Religionen hinweg als Sammlung. Wahrnehmungen, Gedanken und Anliegen werden vereinigt und auf das Göttliche hin gerichtet. In der Meditation werden das schweigende Sitzen und die ständige Konzentration auf Eines als Sammlungsübung bezeichnet. Wer sich auf das Wesentliche, das Neue konzentriert, ist eher dazu bereit, Bisheriges loszulassen. Und wo Neues entstehen soll, muss Altes dafür weichen.

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