Zwingenberg

Sportstätten Die neue Anlage wurde mit einem bunten Fest für die ganze Familie am Samstag eingeweiht

Spaß-Fußball und knallhartes Work-out

Zwingenberg.Samstagmittag in Zwingenberg: Das Rahmenprogramm bei der offiziellen Eröffnung der neuen Zwingenberger Sportanlage hat gerade Fahrt aufgenommen, da baut sich ein sehr junger Fußballer an der Mitmachstation des SV Eintracht auf. Er müsse jetzt nach Hause und wolle seinen gewonnenen Ball mitnehmen, sagt der kleine Mann mit großer Selbstverständlichkeit.

SV-Funktionär Reinhold Geierhaas, der Herr der Preise, schaut zunächst einigermaßen überrascht und erklärt dann, dass erstens der Wettbewerb noch nicht vorbei sei und zweitens nur die drei Punktbesten jeder Altersklasse nach Slalom-Dribbeln, Zielschießen und Passübung einen WM-Ball als Lohn erhalten würden. Und jetzt? Die beiden Verhandlungspartner einigen sich darauf, dass der Junge später noch mal vorbeikommt, um seine Pille (oder eventuell einen anderen, kleineren Gewinn) abzuholen.

Erste Idee im Jahr 2007

Nachdem das geklärt ist, kann es losgehen mit der Eröffnungszeremonie. Stadtverordnetenvorsteherin Birgit Heitland und Bürgermeister Holger Habich bestreiten den offiziellen Part der Veranstaltung. Heitland zeichnet den langen Weg der Sportanlage nach – von der ersten Idee 2007 über den endgültigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung 2014 bis zum Baubeginn im April 2017. Sie bezeichnet die Sportanlage als Treffpunkt für alle Generationen und Sport als beste Vorsorge gegen Zivilisationsschäden. Habich erläutert die Möglichkeiten, die die moderne Anlage bietet. Fußball auf Kunstrasen (Großfeld) und Naturrasen (kleinere Ausführung), Leichtathletik auf der vier- bzw. sechsspurigen Kunststoffbahn, Weitsprunggrube, Kugelstoß-/Boule-Bahn, Volleyball, Beachvolleyball, Basketball, Fitnessgeräte. Fast alles da, was das Sportlerherz begehrt – und das zu einem Preis, der circa 196 000 Euro unter den prognostizierten Gesamtkosten liegt.

Insgesamt hat die Stadt ihre Sportstätten in Zwingenberg und Rodau (neuer Kunstrasen-Trainingsplatz) nun für rund 2,6 Millionen Euro (ohne Planungs- und Baunebenkosten) auf Vordermann gebracht.

Erst Aufwärmen, dann kicken

Mit dem symbolischen Durchschneiden des roten Bandes übergeben Heitland und Habich das noch namenlose Areal (über Melibokus-Stadion) wird nachgedacht, seiner Bestimmung. Anschließend führen Schüler der Melibokusschule mehrere Tänze auf – und danach beginnen die „Probleme“ für Holger Habich an diesem glutheißen Tag. Nicht nur, dass er bei Backofentemperaturen mit einer Promi-Elf, gebildet aus Mitgliedern des Magistrats und Stadtverordneten, gegen ein Allstar-Team des SV Eintracht auf dem neuen Kunstrasenplatz ran muss.

Dem Kick vorgeschaltet ist ein Power-Warm-up für die Fußballer mit TuS-Vize- und -Trainerin Sandra Gerhard. Und Übungseinheiten mit Sandra Gerhard sollen, so ist zu hören, durchaus fordernd sein. Der Rathauschef fürchtet daher das Aufwärmen mehr als das Duell mit den SVZ-Profis, verkündet er über Mikro.

Wird das Eingrooven mit Sandra tatsächlich so hart? „Ja“, sagt der Coach, der sich am TuS-Stand auf seinen Einsatz vorbereitet, und kündigt auf Nachfrage augenzwinkernd ein kurzes, knackiges Warmmachen im Bootcamp-Stil an. Übrigens bietet der Turn- und Sportverein demnächst ein Freilufttraining mit Sandra Gerhard auf der neuen Sportanlage in seinem regulären Programm an. Im Bootcamp-Stil? „Nein, das wird ein ganz normales Work-out-Training“, meint TuS-Vorsitzende Anette Klüber-Meyer beschwichtigend.

Die SVZ-Crew hat das Anschwitzen unter Anleitung von Sandra besser verkraftet und dominiert die erste Halbzeit des Spaß-Kicks, dessen Gesamtdauer von Moderator Harry Hegenbarth von ursprünglich geplanten zweimal drei Stunden großzügig auf zweimal 20 Minuten reduziert wird. Als Referee der Partie fungiert Landrat Christian Engelhardt, nach eigener Aussage ein Ahnungsloser in Sachen Fußballregeln. Im Wissen um seine Defizite parkt der Schiri sein Auto etwas weiter weg vom Sportplatz.

Großzügige Spielleitung

Engelhardt fällt durch eine großzügige Spielleitung und eine besondere Spielkleidung auf: ziemlich grüne Basecap, knallgelbes Trikot, schwarze Sporthose und Stutzen, grellblaue Sportschuhe. Nach dem ersten Abschnitt führen die Vereinskicker mit 4:0.

Die Pause bietet Gelegenheit, bei den Leichtathleten des VfL vorbeizuschauen, die wie Tennis-Club und Schlappekicker mit einem eigenen Stand bei den Feierlichkeiten am Start sind. „Traumhaft“, findet VfL-Vize Petra Thobe die Bedingungen für die Leichtathleten im neuen Stadion und hofft mit diesem Pfund im Rücken auf regen Zulauf für den Verein.

Zurück auf den Platz. Im zweiten Abschnitt ist deutlich mehr Rock ‘n’ Roll in den Aktionen der Promis. Das könnte an der Kabinenpredigt von Gustav Brücher, der SVZ-Präsident coacht das Promi-Team, oder der deutlich fetzigeren Begleitmusik der zweiten Hälfte liegen. Jedenfalls drehen die Promis zu den Klängen von AC/DC oder Steppenwolf mächtig auf und kommen durch Tore unter anderem von Holger Habich (2) und dessen zehnjährigem Patenkind Benedikt sowie mit Unterstützung des nun etwas kleinlich pfeifenden Unparteiischen zum 6:6.

Das nötig gewordene Neun-Meterschießen wird auch irgendwie über die Bühne gebracht. Am Ende verlieren, wohl hitzebedingt, alle den Überblick. Christian Engelhardt verteilt plötzlich Rote Karten, setzt bei einer strittigen Szene statt des Videoassistenten den Publikumsjoker ein. Harry Hegenbarth vergisst, die Tore zu zählen und erfindet einfach ein finales Resultat, das ihm gefällt: 9:9. Wo hat Harry eigentlich sein Auto geparkt?

Info: Weitere Bilder von der Einweihung der Sportstätten und dem Fußballspiel in der digitalen Zeitung und im Internet unter www.bergstraesser-anzeiger.de

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