Zwingenberg

Vortrag Über die Leidenschaften der Landgrafen

Teure Jagdlust ruinierte fast den Staatshaushalt

Archivartikel

Zwingenberg.Der Zwingenberger Förderkreis für Kunst und Kultur lädt erneut geschichtsinteressierte Bürger aus Zwingenberg und Umgebung zu einem Vortrag ein. Das Thema lautet dieses Mal „Auf den Spuren der Landgrafen und Großherzöge“, Referent ist Gernot Scior (Ober-Ramstadt). Veranstaltungsort ist am 25. Oktober, Freitag, ab 19 Uhr der Saal des Alten Amtsgerichts (Obertor 1). In einer Pressemitteilung der Veranstalter heißt es:

Über 100 Jahre hatten die Darmstädter Landgrafen die Nutzung weiter Gebiete des stadtnahen Waldes fast ausschließlich der Befriedigung ihrer Jagdleidenschaft untergeordnet. Die Unsummen an Kosten, die die höfische Jagd über die Jahre verursachte, führte neben anderer kostenintensiver Neigungen der Fürsten in der Mitte des 18. Jahrhunderts fast zum Ruin des Staatshaushaltes. Mit dem Regierungsantritt des Landgrafen Ludwig IX. im Jahre 1769 wurde daher die aufwändige höfische Jagd verboten, Personal entlassen, Jagdhäuser und Jagdanlagen ihrem Verfall preisgegeben.

Mit der aufkommenden Romantik entwickelte sich neben einem wiedererwachenden Interesse an Vergangenem auch eine Naturschwärmerei. Diese Bewegung erfasste auch die Großherzöge, die sich ihrem zahlreichen historischen Erbe im Darmstädter Wald wieder zuwandten. Damals entstanden an historischer Stelle vereinfachte Nachbauten ehemaliger Jagdanlagen. Der Wald wurde der Allgemeinheit als Erholungswald geöffnet und zunehmend mit befahrbaren Wegen erschlossen. Es entstanden zahlreiche Rastplätze und auf den noch weitgehend waldfreien Bergen teils aufwändig gestaltete Anlagen mit Aussichtspunkten, Spazierwegen, Tempeln, an den bedeutendsten Plätzen sogar mit Grillplatz und Toilettenanlage. Der spätere Großherzog Ludwig III. entwickelte noch als Erbprinz den Plan, den gesamten stadtnahen Wald in einen der Öffentlichkeit zugänglichen Waldpark zu verwandeln. Planerische Unterstützung fand Ludwig in dem Oberforstrat Johannes Hieronymus Zamminer, der 1842 eine den Darmstädter Wald im Osten und Süden abdeckende Waldkarte herausgab, die dem an der Natur Begeisterten das nötige Kartenmaterial an die Hand gab.

Referent Gernot Scior beschreibt in seinem mit vielen Bildern begleiteten Vortrag diese Epoche und stellt dabei wesentlichen Anlagen und die Waldkarte in der Originalgröße vor. Das Vortragsthema weist auch Bezüge zum ältesten Bergstraßenstädtchen auf: Landgraf Ludwig IX. ließ drei Jahre später, im Jahr 1772, den Aussichtsturm auf dem Zwingenberger „Hausberg“, dem Malschen, später „Melibokus“ genannt, erbauen, der im März 1945, kurz vor der Befreiung der Stadt durch amerikanische Truppen, von abziehenden deutschen Truppen gesprengt wurde. Und noch etwas verbindet Zwingenberg mit dem Landgrafen: Im Jahr 1779 kaufte der landgräfliche Finanzminister Freiherr von Moser das ,,Schlösschen“, das heutige Zwingenberger Rathaus.

Gäste sind willkommen. Der Besuch ist kostenlos. Über eine Spende würden sich die Veranstalter freuen. red

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