Zwingenberg

Das geistliche Wort Reisen gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen – aber in Corona-Zeiten?

Unterwegs im Bewusstsein der Gefahren und mit Gottes Segen

Archivartikel

Hurra, wir dürfen wieder reisen! In fast ganz Europa. ‚Auf in den Flieger und ab nach Süden!’, möchte man ausrufen. Doch schon drängt sich ein Fragezeichen dazwischen. Fliegen? Nach Süden? Sollen wir das riskieren? Was Urlaub so schön macht ist doch, den Alltag mit all seinen Pflichten und Belastungen hinter sich zu lassen. Aber diesmal muss ich so viele drückende Sorgen mitnehmen. Das Virus kann überall lauern. Auch im Urlaubsland werde ich wahrscheinlich Maske tragen müssen, Abstand zu anderen Menschen halten. Mit meinen begrenzten Sprachkenntnissen muss ich mich vielleicht anmelden, ehe ich ein Museum besuchen oder eine Liege am Strand haben kann. Und was, wenn dann doch ein Familienmitglied ernstlich erkrankt, wenn wir im fremden Land in Quarantäne müssen?

Es bleibt ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ist es das alles wert? Wir könnten es uns doch auch zu Hause so richtig schön machen, Urlaub in „Balkonien“.

Aber ach, zu Hause sind wir nun schon so lange! Die Sehnsucht nach Luftveränderung ist fast überwältigend, nach einer frischen Meeresbrise, einem mediterranen Obstmarkt oder Almglocken und Quellwasser in den Bergen.

Reisen gehört scheinbar doch zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Über Jahrhunderte war es vielfach normaler als Sesshaftigkeit. Wenn ich in die Bibel schaue, begegnen mir ständig Reisende. Wie der Apostel Paulus, der zu Land und zu Wasser kreuz und quer um das östliche Mittelmeer unterwegs war. Oder Pilger, die aus allen Himmelsrichtungen nach Jerusalem strömten.

Die Menschen der Bibel reisten oft auf Gottes Geheiß hin. Sie reisten, weil das Leben immer ein Unterwegssein ist, stete Veränderung, Loslassen und neuer Aufbruch. Und sie reisten im vollen Bewusstsein der Gefahren und möglichen Hindernisse. Die Rückkehr war ungewiss. Sie reisten deshalb nicht ohne die Bitte, Gott möge mit ihnen sein und ihren Weg segnen.

So heißt es im Psalm 121, einem alten Pilgergebet:

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.“

Egal ob in der Ferne oder daheim: Diesen Sommer lässt sich der Gedanken an uns umgebende Gefahren nicht aus dem Lebensreisegepäck verbannen. Umso mehr ist es gut, die Hände zu falten und mit den Menschen der Bibel fest zu vertrauen: Wohin ich auch gehe, Gott ist bei mir. Bild: Roman Laudeley

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