Zwingenberg

Musik im Kulturdenkmal US-amerikanischer Liedermacher Kevin Ray eröffnete das Herbstprogramm im Café Piano

Wechselspiel an Klavier und Keyboard

Zwingenberg.Mit dem Herbst kommt die Gemütlichkeit. Besonders kuschelig wurde es am Samstagabend im Zwingenberger Café Piano: Der US-amerikanische Singer-Songwriter Kevin Ray eröffnete das Herbstprogramm des Kulturcafés und spielte vor vollem Haus.

Zwischen dem hauseigenen Klavier und einem mitgebrachten Keyboard hatte sich der Musiker in der vorderen Ecke der kleinen Schankstube eingerichtet und wechselte während seines Auftritts zwischen beiden Instrumenten. So saß Ray dem Publikum jeweils mit dem Keyboard zugewandt, beim Klavierspiel dann wieder den Rücken kehrend.

Und irgendwie passte das zu seiner Art, zugleich für das Publikum und für sich selbst zu spielen, sich voll und ganz der Musik hinzugeben, aber gleichzeitig auch mit ihr zu unterhalten. Aus der Kombination beider Neigungen ergaben sich Ausdruckskraft und Abwechslungsreichtum.

Von warmherzig bis verbittert

Die Songs des aus Los Angeles stammenden Solokünstlers sind persönlich und tiefsinnig, beschreiben die Höhen und Tiefen des eigenen Lebens und handeln dabei meist von gegenwärtigen oder früheren Beziehungen. Fast immer gibt es ein „Du“ in ihnen, das für wechselnde Adressaten – oft Adressatinnen – steht, die er in wandelnden Stimmungen bald warmherzig, bald spielerisch, aber auch sorgenvoll, sehnsüchtig oder gar verbittert besingt. Gelegentlich gibt sich Ray auch humorvoll. Mit seinen politischen Texten wiederum meint er es sehr ernst. In einem seiner neusten Songs, „Across the River“, betrachtet er bewegend und aus der Perspektive eines mexikanischen Immigranten die, wie er findet, „tragische Situation an der Grenze“.

So kontrastreich wie die Gefühle und Themen sind auch die Stile, deren er sich bedient. Im Mittelpunkt stehen Pop- und Rockballaden, hinzukommen Rhythm and Blues, Jazz und – unter Einsatz klassischer Synthie-Sounds – auch mal eine Prise Soul. Als Vorbilder benennt Ray unter anderem Elton John, Bob Dylan oder Elvis Costello.

Ständige Tempowechsel

Auch bemerkt man den Einfluss des Musicals in seinen Kompositionen. Neben der Solomusik hat Ray in New York, wo er zeitweise lebt, schon ein eigenhändig komponiertes Musical zur Aufführung gebracht und damit mehrere Preise gewonnen. Derzeit schreibt er in seiner Wahlheimat Berlin an seinem zweiten Bühnenwerk mit dem Titel „Maquiladora“, das von Fabrikarbeitern im mexikanischen Juarez handelt.

In Gesang und Tastenbehandlung durchläuft Ray weite dynamische Wandlungen und ständige Tempowechsel, immer präzise dem Gestus des aktuellen Songs folgend. Am Keyboard bleibt er meist leise und nachdenklich, die akustische Fülle des Klaviers dagegen erlaubt ihm, sich in regelrechte Ausbrüche musikalischer Energie hineinzusteigern. Zwischendurch wirkt Ray ruhig und bedächtig. Hin und wieder spricht er ein paar Takte zum Publikum, entweder über die Inhalte der Songtexte oder um Werbung für sein neues Album „Radio Silence“ zu machen, das er bei diesem Konzert vorstellt.

Seit einem Jahr lebt der Künstler abwechselnd in New York und Berlin, zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls Musikerin ist. Sein Deutsch ist noch etwas unsicher, aber immerhin reicht es für Sätze wie „Schön, dass ihr da seid und danke fürs Zuhören!“ Das meiste sagt er dann aber doch lieber auf Englisch.

„Radio Silence“ ist Rays viertes Soloalbum, das Debüt „RadioFriendly“ erschien im Jahr 2002. Mit der Musik angefangen hat Ray nach eigener Aussage aber schon vor ungefähr 30 Jahren.

Folk-Musik am nächsten Samstag

In der Pause ging Piano-Inhaber Olaf Dietz mit dem Spendenhut herum, um die Gage für den Musiker einzusammeln. Der Eintritt zum Konzert war kostenlos. Zum Schluss kündigte Dietz weitere Gäste der Veranstaltungsreihe an, die unter dem Motto „Klein aber fein – Musik im Kulturdenkmal“ noch bis Mitte Dezember läuft.

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