Zwingenberg

Kirchweih Verschönerungsverein setzte mit Gottesdienst und Frühschoppen den Schlusspunkt des Festwochenendes

Weil Leben nicht nur Arbeit ist, feiern Rorrer Kerb

Archivartikel

Zwingenberg.Wenn die Rodauer Kerb feiern, dann richtig. Bereits am Freitag fiel der Startschuss für die vier tollen Tage (wir haben berichtet). Mit ihrer Frauenquote bei den Traditionsfiguren der „Rorrer Kerb“ waren die Rodauer top aufgestellt. Alle „Führungskräfte“ waren weiblich. Nach Hippie- und Westernparty, Kerweumzug und Kerwespruch stand der Montag dann im Zeichen von Gottesdienst und Frühschoppen. Der Verschönerungsverein Rodau als Veranstalter der Kirchweih begrüßte dazu mit Pfarrer Hans-Joachim Greifenstein die Besucher im Dorfgemeinschaftshaus.

Vor dem traditionellen Verzehr von deftigen Haxen beim sich anschließenden gemütlichen Beisammensein hatte erst einmal der Seelsorger der Evangelischen Kirchengemeinde Schwanheim, zu der auch Rodau gehört, das Wort. Greifenstein betonte in seiner Ansprache, dass das Leben nicht nur aus Arbeit bestehen dürfe – und spielte dabei auch auf das Feiern der Kerb an.

„Wer ist schon einmal geflogen?“, überraschte er zu Beginn seiner Predigt. Nachdem etliche Zuhörer aufgezeigt hatten, wollte Greifenstein wissen, was denn das Gefährlichste bei einem Flug sei. „Der Weg zum Flughafen“, kam es spontan aus den Reihen der Besucher. „Richtig!“, so Pfarrer Greifenstein, der damit die Bücke zum Thema Wahrnehmung schlug.

Wenn es beispielsweise Probleme mit der Wasserversorgung gebe und der Tankwagen kommen müsse, dann sei die menschliche Wahrnehmung dieser misslichen Situation eine ganz andere, als wenn alles normal verlaufe und damit so, wie es die Menschen gewohnt sind. Greifensteins Appell: Das Selbstverständliche wieder wahrzunehmen und es zu schätzen, zum Beispiel auch die vermeintlich selbstverständlichen Grundlagen des Lebens und des Zusammenlebens. Dinge, die den Menschen wichtig seien, die pflegten sie, belegte Pfarrer Greifenstein seine These mit einer persönlichen Beobachtung: „Ich hatte einmal einen Nachbarn, der sein Motorrad stundenlang geputzt und auf Hochglanz gebracht hat.“ Auch dieses Beispiel sollte dazu dienen, wieder mehr auf die Dinge zu achten, die im Leben selbstverständlich geworden sind und die doch nicht in dem Maß gepflegt werden, wie das Motorrad des Nachbarn.

Negatives werde wiederum von den Menschen besonders stark wahrgenommen, und oft habe man dabei das Gefühl, dass die Schilderung eines Ereignisses die Realität noch übertreffe. „Auch reißerische Schlagzeilen in den Medien tragen dazu bei, dass wir Dinge anders wahrnehmen“, erinnerte er. Die Predigt des Pfarrers stimmte die Gemeinde nachdenklich. Greifenstein, der mit seinem mittlerweile aus dem Pfarrdienst ausgeschiedenen Kollegen Clajo Herrmann auch als „Erstes Allgemeines Babenhäuser Pfarrerkabarett“ auftritt, sprach mit hessischem Dialekt. Und nicht nur das: Auch die Art seiner Predigten und wie er darin den direkten Dialog mit seinen Zuhörern suche, sei einzigartig, war aus den Reihen der Besucher zu hören. Die spendeten ihm am Ende viel Applaus. Und vom Verschönerungsverein gab’s ein „Rorrer Kerbsche“als Dankeschön. cf

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