Zwingenberg

Vortrag Michael Meister, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, referierte über Chancen und Risiken der Digitalisierung

Wenn die App den Hausschlüssel ersetzt

Archivartikel

Zwingenberg.Digitalisierung ist ein komplexes Thema, das praktisch jeden Lebensbereich betrifft und den Umgang miteinander verändert. Zu Zeiten der Faxnachrichten konnte es schon mal eine Woche dauern, bis der Absender eine Antwort bekam. Heute, in Zeiten von Mobilfunk, Apps und E-Mail, wird eine sofortige Reaktion erwartet. Und diese Entwicklung von der analogen in die digitale Welt geht „mit extrem hoher Geschwindigkeit voran“, stellt Michael Meister (CDU) im Alten Amtsgericht fest.

Auf Einladung der Zwingenberger Frauen-Union sprach der Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Einzelnen und die Gesellschaft sowie über Pläne und Ziele der Bundesregierung, die allerdings nur den Rahmen setze, der dann von den Ländern ausgestaltet werde. Diesen Part übernahm die Landtagsabgeordnete Birgit Heitland, wobei der Schwerpunkt hier insbesondere bei der Bildung.

Halbwissen beseitigen

Denn wie auch die anschließende Diskussion im Amtsgerichtssaal zeigte, ist neben der Bereitstellung der Infrastruktur (flächendeckender Netzausbau) vor allem das Wissen um den Umgang mit der neuen Technologie wichtig. Da gibt es noch viel Halbwissen und das macht anfällig für Missbrauch.

Denn der Staat kann in einem freiheitlich, demokratischen Land mit freier Marktwirtschaft nicht alles verbieten. So bietet beispielsweise „Smarthome“ Chancen und Risiken und jeder Nutzer muss selbst entscheiden, welches Risiko er eingehen will, vergleicht Meister das mit dem Zweitschlüssel, der für den Notfall gerne mal unter den Blumentopf an der Tür gelegt wird. Da sich der Einzelne des Risikos dieses Zweitschlüssel aber eher bewusst als das einer App, ist das Wissen um die digitalen Möglichkeiten so wichtig.

Gleiches gilt auch in der Kommunikation. Gab es früher bei zwei öffentlich-rechtlichen Sendern ein ziemlich identisches Informationsniveau, verfügt heute jeder über sein eigenes, oft auch geschlossenes Informationsportal. „Das verändert die Diskussionskultur“, so der Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Prinzipiell sollte Digitalisierung dem Einzelnen wie der Gesellschaft Nutzen bringen und die Chancen, die in dieser Technologie stecken, sollten auch genutzt werden. Das gelte nicht nur für die Wissenschaft und Forschung, für die Arbeitswelt, im Gesundheitswesen oder in der Bildung, auch der Staat müsse digital werden. Ziel der Bundesregierung sei der Aufbau eines Portals, über das alle staatlichen Dienstleistungen auf jeder Verwaltungsebene von der Steuererklärung bis zum BaFög-Antrag digital verfügbar sind, so Meister.

Auch solle man nicht alles den USA oder China überlassen, spricht sich der Bundestagsabgeordnete für den Aufbau eines europäischen Betriebssystems für das Internet der Dinge sowie für eine europäische Cloud aus: „Wir sollten wissen, wer Zugriff auf die Daten hat“.

Voraussetzung für die digitale Nutzung ist aber eine flächendeckende Netzverfügbarkeit. Dort, wo private Netzbetreiber aus Gründen der Rentabilität nichts tun muss der Staat aktiv werden und die Grundversorgung sicherstellen. Aus diesem Grund seien bei der Versteigerung des neuen Mobilfunknetzes 5G die Netzbetreiber verpflichtet worden, das 4G-Netz flächendeckend bis 2024 auszubauen.

Allerdings, so Meister, benötige das 5G-Netz 40 Mal so viele Masten wie das 4G-Netz, weswegen den Betreibern auch empfohlen wurde, Masten gemeinsam zu nutzen.

Schulen ans Netz

Thematisiert wurde auch der DigitalPakt Schule, bei dem der Bund die kommunalen Schulträger bei der Ausstattung ihrer Schulen mit IT-Infrastruktur mit insgesamtfünf Milliarden Euro unterstützt. Dazu müssen sich die Länder mit mindestens zehn Prozent beteiligen. Für Hessen sind das 372 Millionen Euro an Bundesmitteln. Dieses Programmvolumen wird in Verbindung mit einem Darlehensprogramm der WIBank durch Eigenbeteiligung der Schulträger (25 Prozent) auf rund 500 Millionen Euro erhöht. 50 Prozent der Zinszahlung und der Tilgung übernimmt das Land. Ziel ist es, bis 2022 alle Schulen an das Glasfasernetz angeschlossen zu haben.

Neben dem vom Bund unterstützten Ausbau der IT-Infrastruktur geht es aber auch um Inhalte und die Lehrerausbildung. So verfügen aktuell mehr als die Hälfte der Schulen über ein Medienbildungskonzept und etwa 450 Schulen arbeiten bereits mit einer landesweiten digitalen Lernumgebung (Schulportal). Das soll bald für alle Schule gelten.

Medienbildung für Lehrer

Ein weiterer Baustein ist die Qualifizierungsoffensive für die Lehrkräfte. Seit 2017 ist Medienbildung ein Prio-Thema bei Beratung und Fortbildung. Rund 830 Fortbildungen mit etwa 8500 Lehrkräften gab es im vergangenen Jahr. Diese Angebote sollen aufgestockt werden und alle Lehrkräfte an mindestens einer Fortbildung in Medienbildung teilnehmen.

Zum Abschluss der Zusammenkunft, bei der seitens der Frauen-Union auch für einen kleinen Imbiss gesorgt war, dankte FU-Vorsitzende Patrizia Germann mit einem kleinen Tee-Paket dem Bundestagsabgeordneten für die interessanten Ausführungen.

Außerdem gab es noch eine offizielle Verabschiedung von Trupti Dave. Die Schriftführerin und langjähriges Vorstandsmitglied „bricht zu neuen Ufern auf“ und zieht nach Berlin. In kleiner Runde im FU-Vorstand war sie schon verabschiedet werden, jetzt wurde es offiziell und war mit einem schönen Geschenk verbunden. Über das Jahresabonnement für alle staatlichen Museen in Berlin freute sich Trupti Dave sehr.

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