Zwingenberg

Kultur „Acoustic Blues Community“ gab im Kellertheater großartiges Konzert vor wenigen Zuschauern

Wie in einer Südstaaten-Bar

Zwingenberg.Die dunkle Bühne erscheint in schummrigen Magenta- und Blautönen. Nebel hüllt die Instrumente ein – links steht ein majestätischer Kontrabass, rechts stehen drei schmuckvolle Gitarren. Der Anblick erinnert an schwüle Sommernächte in den Bars des Mississippi-Deltas. Und das Konzert, das folgt, könnte man wohl auch dort in ähnlicher Form erleben: Die „Acoustic Blues Community“, die an diesem Abend im Theater Mobile in Trio-Besetzung auftritt, stammt zwar tatsächlich aus dem deutschen Südwesten, spielt aber authentische amerikanische Blues- und Country-Musik von ihren historischen Wurzeln bis in die Gegenwart.

Die Gitarren gehören Jürgen „Mojo“ Schulz, den Bass nennt Petra Arnold-Schulz ihr Eigen. Hinzu tritt Albert Koch, der mit seiner Bluesharp zwischen den beiden Saitenkünstlern in Stellung geht. Alles wird mit rein akustischen Instrumenten gespielt. Fürs Singen sind die drei abwechselnd zuständig. Urwüchsiger Delta-Blues ist nur eine Facette im Repertoire der Band. Beispielhaft dafür sind Stücke wie Robert Johnsons „Stones In My Passway“, Fred McDowells „Write Me a Few Lines“ oder Jimmy Reeds „Where Can You Be“. Weitaus mehr Songs sind späteren Phasen der Bluesgeschichte entnommen. Den Chicago-Blues vertritt Willie Dixons „I Just Want To Make Love To You“, das er 1954 für Muddy Waters schrieb. Das nur ein Jahr später entstandene „Ain’t Got No Home“ von Clarence Henry ist schon der schnelleren Spielweise des Rhythm and Blues zuzurechnen.

Auch der Blues-Shuffle „Big Boss Man“ zählt zu den flotteren Stücken, mit denen die „Acoustic Blues Community“ die Stimmung im Mobile aufheizt. Immerhin wurde der Song 1967 in einer Rock’n’Roll-Version durch Elvis Presley zum Hit. Ansonsten halten besonders eine Reihe Country-, Bluegrass- und Folk-Songs das Tempo beständig hoch. Zu nennen wären „Easy Come, Easy Go“ von George Strait, Patsy Clines „Walkin’ After Midnight“, „Rad Gumbo“ von der Band Little Feat, „Mean to Your Queenie“ von Point Blank oder „Ramblin’ Man“ von den Allman Brothers.

Zahlenmäßig prominentester Musiker im Set der Band ist J.J. Cale, von dem die „Acoustic Blues Community“ im Laufe des Abends vier Stücke präsentiert: „After Midnight“, „Call Me The Breeze“, „Magnolia“ und „Low Down“. Die Gruppe Canned Heat ist mit immerhin drei Songs vertreten: „Going Up The Country“, „On The Road Again“ und „Talk To Me Baby“.

Die riesige Bandbreite der Setlist umfasst weiterhin die Rockbands Status Quo („Sweet Caroline“), die Beatles („Get Back“) und die Rolling Stones („No Expectations“), sowie den britischen Blueser John Mayall und mit Lead Belly einen weiteren Altmeister des amerikanischen Blues, um nur einige zu nennen.

Sattelfeste Musiker

Koch und die „Schultzes“ sind nicht nur der Vielfalt der Bluesmusik kundig, sondern auch absolut sattelfeste Musiker. Mit technischer Finesse, blindem Verständnis füreinander sowie dem gehörigen Temperament liefert das Trio eine Performance, an der nicht nur sie selbst großen Spaß haben. Koch und Schulz schmettern reihenweise Soli, die nicht nur vor Virtuosität strotzen, sondern auch jede Menge Spielfreude versprühen. Die Bassistin hält dabei einen unermüdlichen, soliden Groove am Laufen. Zur Überraschung des Publikums fegt dann auch noch bei zwei Songs ein dynamisches Tanzpaar über das Parkett, das offensichtlich mit den Musikern im Bunde ist. Fast drei Stunden vergehen, bis sich das Konzert allmählich dem Ende zuneigt. Vier Songs als Zugabe vollenden ein rundum großartiges Konzert – vor wenig Besuchern.

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