Zwingenberg

Stadtentwicklung Verein stellte im Sozial-Ausschuss sein Konzept für generationenübergreifendes Wohnen vor

Wohn-Vision bietet sich als Partner für Nutzung des Bauhofs an

Archivartikel

Zwingenberg.Noch kann auf dem ehemaligen Bauhofgelände der Stadt Zwingenberg nichts Neues entstehen: Der interkommunale Bauhof-Betrieb hat sein neues Domizil in Alsbach-Hähnlein zwar längst bezogen, aber für den noch an der Ecke Melibokusstraße/Wiesenstraße befindlichen Recyclinghof des Zweckverbands Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) gibt es zurzeit keinen anderen bezugsfertigen Standort. Und einen rechtskräftigen Bebauungsplan für das 2615 Quadratmeter große Areal gibt es ebenfalls noch nicht.

Was es allerdings bereits seit geraumer Zeit gibt, das sind Ideen, was dort entstehen könnte: Sowohl in einem von der Stadt in Auftrag gegebenen „Städtebaulichen Entwurf für den ehemaligen Güterbahnhof, den Bauhof und das Umfeld“ als auch im Laufe der kommunalpolitischen Debatte über mögliche Nutzungen wurde die Schaffung von – bezahlbarem, generationenübergreifendem – Wohnraum vorgeschlagen. Dieses Ziel verfolgt auch der Verein Wohn-Vision Bergstraße, der sich selbst sowie sein Konzept für das Bauhof-Gelände im Sozial-, Kultur- und Sportausschuss der Stadtverordnetenversammlung präsentierte.

Bis zu 24 Wohneinheiten möglich

Die beiden Zwingenberger Gerhard Vetter, Vorsitzender des Vereins, und Thomas Nöll, beratender Architekt, bewerten das Gelände als „geeigneten Standort für ein gemeinschaftliches und generationenübergreifendes Wohnprojekt mit maximal 20 bis 24 Wohneinheiten“. Zielgruppen aus Vereinssicht sind junge Familien, „die sich etwas nachbarschaftliche Hilfe erhoffen“, ältere Menschen, „die ihre Erfahrungen und Begabungen in die Hausgemeinschaft einbringen können“, sowie Singles und Paare, „die Gemeinschaft mit anderen pflegen wollen“.

Vorbild für eine Zusammenarbeit mit der Stadt Zwingenberg, die das Grundstück besitzt, könnte das aktuell im Bau befindliche – erste – Projekt von Wohn-Vision Bergstraße in Bensheim sein.

Dort errichtet der Verein in Kooperation mit der Genossenschaft Wohnbau Bergstraße eG, die als Bauträger und Vermieter agiert, insgesamt 18 Wohneinheiten in zwei Gebäuden. An der Vogelbergstraße 2/4 und 10/12 entstehen barrierefreie Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern (60 bis 100 Quadratmeter), Gemeinschaftsräumen sowie Appartements, in denen Gäste sowie Pflegekräfte wohnen können.

Einziehen werden dort Mitglieder von Wohn-Vision Bergstraße – und damit „eine ausgesuchte statt einer zufälligen Nachbarschaft“, wie Gerhard Vetter den Kommunalpolitikern im Sozial-Ausschuss erläuterte. Der Verein entscheidet mit Blick auf das „generationenübergreifende Unterstützen“, wer überhaupt Mieter werden kann: „Egozentriker scheiden aus!“ Gibt’s trotz des Auswahlverfahrens dann im Zusammenleben Konflikte – Vetter: „Unser Verein ist nicht weltfremd!“ – setze man auf Mediation.

Nach dem Bensheimer Vorbild würde Gerhard Vetter, Initiator und Gründer von Wohn-Vision Bergstraße, seinen Verein gerne mit Blick auf die Umnutzung des Bauhofgeländes zum Partner der Stadt machen. Die Ziele des Vereins passen laut Vetter hervorragend zu den Zielen, die sich die Kommune durch ihre Zertifizierung als Cittaslow – als „lebenswerte Stadt“ – gesteckt habe:

„Im Europäischen Manifest Cittaslow, dem sich auch die Stadt Zwingenberg und ihre Bürger verpflichtet fühlen, heißt es in Abschnitt Nr. 8: ,Eine Cittaslow ist eine Gemeinde mit sozialem Zusammenhalt.‘ Das bedeutet: ,In erster Linie ist Cittaslow eine Gemeinschaft von Bürgern, die sich umeinander kümmern.‘“ Gerade ein gemeinschaftliches und generationenübergreifendes Wohnangebot könne diesen bürgerlichen Gemeinschaftssinn in hervorragender Weise festigen.

Zwar verfüge Zwingenberg nur über eine sehr kleine Gemarkung und biete insofern auch nur sehr begrenzte Möglichkeiten für neue Bautätigkeiten. Andererseits verpflichte diese besondere Situation gerade eine Cittaslow-Kommune zu einer sehr sorgfältigen Stadtplanung, die vor allem das Bauen im Bestand im Blick behalten und für die Schonung der begrenzten räumlichen und landschaftlichen Ressourcen sensibilisiert sein müsse.

Die Mitglieder des Sozial-, Kultur- und Sportausschusses nahmen die Ideen-Präsentation des Vereins Wohn-Vision Bergstraße interessiert zur Kenntnis. Entschieden wurde nichts.

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