Zwingenberg

Freizeit Im evangelischen Gemeindehaus trifft sich zweimal im Monat ein Handarbeitskreis

„Woll-Lust“ als gemeinsame Leidenschaft

Zwingenberg.Auch Herren wären willkommen. Aber bislang sind es nur etwa zehn bis zwölf Damen, die sich alle zwei Wochen freitags im evangelischen Gemeindehaus versammeln, um gemeinsam der „Woll-Lust“ zu frönen, wie es der programmatische Name des fleißigen Zirkels verheißt. „Wir nehmen jeden, der stricken kann oder der es lernen will,“ sagt Doris Rhein. Sie hat vor bald drei Jahren die Idee für die gesellige Runde gehabt.

Inzwischen gibt es sogar eine eigene „Woll-Lust-App“, mittels derer nicht nur organisatorische Fragen gelöst, sondern zum Beispiel aus dem Urlaub auch Fotos von besonderen Wollläden oder kuriosen Handarbeiten gepostet werden können. In den Zeiten zwischen den Treffen steht man sich per App mit Rat und Tat zur Seite oder fragt vielleicht, ob noch jemand ein Knäuel hellblauer Wolle übrig hat.

Gemeinsame Leidenschaft

Bei den Treffen wird auch viel gealbert, doch steht die gemeinsame Leidenschaft immer im Mittelpunkt. Da geht es zum Beispiel um die technischen Grundlagen einer „Pfeilraupe“: 300 Maschen müssen auf der Rundstricknadel angeschlagen werden, um dann in Portionen von sechs Maschen abgestrickt zu werden. An den richtigen Stellen abgekettet und wieder angeschlagen ergibt sich aus den Tausenden von Maschen – viele Stunden später – ein langgestrecktes Dreieck mit großen Löchern, das in vielen Variationen äußerst dekorativ und wärmend um den Hals geschlungen und ineinander gesteckt werden kann.

Und wie strickt man eigentlich ein Kaffeebohnenmuster? Ganz einfach: Immer nur zwei rechts, zwei links und alle vier Reihen ein Umschlag, der dann in der nächsten Reihe wie bei einem Zopfmuster abgehoben wird. Solches und anderes Wissen wird bei „Woll-Lust“ gern weitergeben. Ein schier unerschöpfliches Thema ist zum Beispiel das Strümpfestricken. Manche Mitstreiterin hat es hier erst gelernt, andere sind Expertinnen für Spezialitäten wie verstärkte Fersen oder „Glückssocken“, die auf den ersten Blick wie ein buntes Gewurschtel aussehen und sich am Fuß als hübsche Socke entpuppen.

„Nur mit der Anleitung aus einem Buch hätte ich das nie gelernt,“ bekräftigt eine der Damen, wie wertvoll die gegenseitige Unterstützung ist. Sie ist gerade dabei, eine lange Halskette aus winzigen Glasperlen zu häkeln. Zuvor musste sie die verschiedenfarbigen Perlen geduldig auf drei Meter Filetgarn fädeln, und zwar in einer exakt vorgegebenen Reihenfolge. Ein Fehler in der Farbfolge macht das gesamte Muster zunichte. Konzentration ist gefragt.

„Woll-Lust“ umfasst also bei weitem nicht nur Pullover, Socken und andere Klassiker aus Wolle. Auch fransig zerzauste Synthetikfasern werden verarbeitet – „aber da stoßen wir schon an unsere Grenzen“ – oder Spezialgarne, aus denen lustige Topfkratzer entstehen. Neben den großen Projekten wie Kleidungsstücken für Erwachsene gibt es auch viele kleine Prachtstücke. Etwa dekorative Häubchen für Marmeladengläser, eine ganze Puppenausstattung samt Schühchen und Unterhose oder eine knallblaue Babydecke im anspruchsvollen „Bubble“-Muster. Zu Anfang gab es auch gemeinsame Projekte, wie etwa eine ganze Armada von gestrickten Osterhasen. Meist aber wirkt man individuell, „für Bedürftige“, wie es schmunzelnd heißt – gemeint ist der Bedarf der eigenen Familie.

Freigiebig sind die „Woll-Lüstigen“ nicht nur mit ihrem Wissen, sondern auch mit den Ergebnissen ihrer Nadelarbeit. Ein kuscheliges Umschlagtuch hat dessen Produzentin einer ihrer Mitstreiterinnen geschenkt – „es hat ihr doch so gut gefallen“. Eine andere sucht sich gerade eine schöne Farbe für eine Perlenkette aus, die ihr schon versprochen wurde.

Ab 19 Uhr treffen sich die Gruppenteilnehmerinnen. Zwei bis drei Stunden später, je nach Lust und Laune, trennt man sich wieder. Zwischendurch ist manche Masche gefallen und die eine oder andere Nadel über den Boden gerollt, es wurden Knoten entwirrt und Tricks ausgetauscht, gefachsimpelt und Erinnerungen ausgetauscht – und alle hatten zusammen eine Menge Spaß.

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