Zwingenberg

Vortrag Marc Grellert referiert am 14. Juni beim Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge

Zerstörte Synagogen am Computer rekonstruiert

Archivartikel

Zwingenberg.Am 14. Juni, Donnerstag, 19.30 Uhr, wird Dr.-Ing. Marc Grellert seinen Film-Vortrag „Synagogen in Deutschland – eine virtuelle Rekonstruktion“ im Saal des Alten Amtsgerichts halten. Der Spezialist auf dem Gebiet der digitalen Wiederherstellung zerstörter Architektur lehrt am Fachbereich Architektur, Fachgebiet Digitales Gestalten, der TU Darmstadt und ist Mitbegründer und Geschäftsführer der Firma Architectura Virtualis. Veranstalter des Vortrags ist der Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge.

Im November 1938 wurden mehr als 1400 Synagogen in Deutschland durch die Nationalsozialisten zerstört. Viele von ihnen waren erst im 19. und 20 Jahrhundert im orientalischen, neo-romanischen, neo-gotischen oder zeitgenössischen Stil erbaut worden. Nach einer langen Zeit der Verfolgung und Diffamierung der Juden standen sie in dieser Periode für ein wachsendes Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinden, aber auch für ein tolerantes Miteinander von Juden und Christen. Während der Reichspogromnacht wurden allerdings nicht nur viele von der jüngeren, sondern darüber hinaus auch Jahrhunderte alte Synagogen Opfer des NS-Judenhasses, so auch die Synagogen in Worms, Darmstadt und Mannheim.

Erinnerung an den Holocaust

1994 hatte Marc Grellert eine Idee: Durch virtuelle dreidimensionale Rekonstruktionen am Computer wollte er in Zusammenarbeit mit Prof. Manfred Koob und weiteren Mitarbeitern an diese herausragenden kulturellen Stätten jüdischen Lebens in vielen Städten und Gemeinden erinnern und sie wieder anschaulich machen. Es ging ihnen hierbei nicht nur um die verlorenen Gebäude, sondern auch um die Menschen, deren kulturelle Zentren zerstört wurden, und letztendlich auch um die Erinnerung an den Holocaust und die Ermordung von sechs Millionen Juden. Mittlerweile haben über 60 Studierende der TU Darmstadt unter der Leitung von Dr. Grellert und Prof. Koob an diesen Rekonstruktionen gearbeitet.

Mühevolle Kleinarbeit

In vielen Fällen war und ist eine virtuelle, möglichst detailgetreue Rekonstruktion nicht einfach. In mühevoller Kleinarbeit müssen zunächst viele Informationen über die zerstörten Gotteshäuser zusammen getragen werden: Alte Entwurfs- und Baupläne, Angebote und Rechnungen der durchführenden Handwerker und historische Schwarz-Weiß-Fotos, manchmal auch Ruinenreste, liefern viele Details. Aber genau so wichtig sind Berichte von Zeitzeugen über die Außen- und Innengestaltung der Synagogen, ihre Einrichtungsgegenstände, Einzelheiten wie Farbgestaltung, verwendete Materialien und vieles mehr. Interpretationen, Ergänzungen und Absicherungen dieser Informationen durch die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern verschiedener anderer Fachdisziplinen wie Historiker, Archäologen, Sachverständige für Kunstgeschichte sollen letztendlich zu einer möglichst realistischen historischen Darstellung führen.

Als Ergebnis dieser Rekonstruktionen kann man mittlerweile unter anderem die früheren Synagogen in Worms, Speyer, Mannheim und die orthodoxe Synagoge in der Darmstädter Bleichstraße virtuell besichtigen und dabei über die prächtige Ausstattung dieser ehemaligen Gotteshäuser staunen. Etliche Beispiele solcher virtueller Rekonstruktionen wird Dr. Marc Grellert in seinem etwa einstündigen Vortrag vorstellen. Er wird dabei auch ausführlich über die Details und Probleme der virtuellen Rekonstruktion berichten. red

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