Zwingenberg

Kultur Theaterverein Mobile offen für neue Sparten / Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden Leo Ohrem

Zugpferde für Kino und Kindertheater gesucht

Archivartikel

Zwingenberg.Die Sommerpause des Theaters Mobile ist (fast) vorbei. Ein erstes „Lebenszeichen“ der Kulturschaffenden nach den Ferien gab’s bereits Ende August mit der Kino-Premiere „Dreiunddreißig“ (wir haben berichtet). So richtig los geht’s mit dem „klassischen“ Spielplan am 29. September, Samstag, mit zwei bekannten Gesichter: Evelyn Wendler und Peter Hoffmann, den Zwingenbergern besser bekannt als Kabarett-Duo „Kabbaratz“ aus Darmstadt, gastieren ab 20 Uhr mit ihrem Programm „Wo wir hinkamen war es voll!“ im Kellertheater unter dem Alten Amtsgericht (Obertor 1). Es handelt sich um „die Ansichten einer (geburten-)starken Generation)“. Den Ausblick auf die neue Spielzeit nutzte der Bergsträßer Anzeiger zu einem Gespräch mit Leo Ohrem, dem Vorsitzenden des Mobile-Vereins.

Kürzlich haben die Mobilisten erstmals zu einer Filmvorführung eingeladen. Wollen sich die Theater-Macher ein neues Standbein als Kinobetreiber aufbauen?

Leo Ohrem: Nicht wirklich. Der Saal und das Ambiente wären allerdings ideal für ein Programmkino. Bei der Filmvorführung handelte es sich erst Mal um eine einmalige Sache. Wir hatten die Gelegenheit, eine Eigenproduktion von vor fünf Jahren, von der ausnahmsweise ein vollständiger Filmmitschnitt existiert, anlässlich eines besonderen Gedenktages zu zeigen Zumal wir jüngst in eine Projektionstechnik investiert haben, um auf einer halbtransparenten Leinwand in Schauspiel- oder Tanzproduktionen ein Bühnenbild von hinten projizieren zu können. Doch um auf die Kinofrage zurückzukommen: Man müsste diese Leinwand in der Tat nur nach vorne ziehen und könnte dann auch großflächig Filme zeigen oder einen Vortrag mit Bildprojektion ermöglichen.

Wenn die technischen Voraussetzungen derart gut sind: Warum macht das Mobile nicht mehr aus seinen Lichtspielhaus-Qualitäten?

Ohrem: Wir sind ein Verein und kein Wirtschaftsunternehmen. Alles was geschieht, das lebt von der Initiative und dem Engagement einiger Menschen, die sich auf ehrenamtlicher Basis für ihre Idee einsetzen. Wenn sich ein paar Filmfreunde auf Dauer für ein Filmangebot in Zwingenberg engagieren wollen, dann könnte auch so etwas natürlich im Theater Mobile ausprobiert werden.

Wann könnte das denn noch stattfinden? Das Programm ist doch jetzt schon mit zwei Veranstaltungen pro Wochenende gut gefüllt.

Ohrem: Ja, das ist richtig. Zu bedenken ist auch, dass eine solche Aktivität nur in der kühlen Jahreszeit Sinn machen würde, zumal im Sommer das Freilichtkino in Jugenheim seine Zeit und sein Publikum gefunden hat. Man könnte sich dafür jedoch zum Beispiel den Donnerstag als Termin vorstellen. Das Wochenende wollen wir auf jeden Fall der live dargebotenen Kultur der verschiedenen Genres vorbehalten. Aber Film ist schon auch eine sehr schöne und beliebte Form der Kunst.

Apropos verschiedene Genres: Man sieht kaum Angebote für Kinder in Ihrem Programm. Will das Theater Mobile hier nicht aktiv werden?

Ohrem: Das „Wollen“ ist überhaupt keine Frage. Wir haben jedoch die ernüchternde Erfahrung gemacht – und da geht es anderen Veranstaltern sicher ähnlich – dass die Theaterangebote für Kinder von Seiten der Künstler gleich viel Kosten erzeugen, die sich jedoch nicht durch vernünftige Eintrittspreise finanzieren lassen. Für ihre Kinder erwarten Eltern einen deutlich reduzierten Eintritt und binden sich nur sehr ungern im Voraus durch Kauf einer Karte. So kam es, dass wir in der Vergangenheit bereits gebuchte Kindertheater-Aufführungen absagen mussten, weil es keinen Vorverkauf gab. Stattdessen haben wir uns aber gerne in Zusammenarbeit mit der Melibokusschule und den Kindergärten Zwingenbergs dafür engagiert, so dass wir – wie in den letzten beiden Jahren – auch dieses Jahr wieder für praktisch jedes Zwingenberger Kind Theateraufführungen anbieten können. Durch diese Kooperation sind die Aufführungen jeweils voll besetzt mit begeisterten Kindern. Und mit Hilfe weitere Sponsoren konnte der Eintritt für jedes Kind auf weniger als fünf Euro reduziert werden.

Plant das Mobile auch in diesem Jahr wieder so eine Zusammenarbeit?

Ohrem: Ja – und wir wagen in diesem Jahr sogar einen weiteren Schritt. Wir bieten im Advent eine Kinderaufführung auf eigenes finanzielles Risiko an. Am 17. Dezember, Montag, 16 bis 17 Uhr, gastiert das Kindertheater Altmann mit seinem Programm „Im Land der Zauberer und Hexen“ im Mobile. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Und wie wäre es mit Kindertheater-Workshops?

Ohrem: Eine gute Idee, die uns sehr willkommen wäre! Aber wer macht’s? Dafür gäbe es zwei Modelle: Entweder als Vereinsaktivität in ehrenamtlicher Form, oder als Angebot eines professionellen Anbieters, der davon lebt und entsprechend verdienen muss. Beide Modell können wir zurzeit nicht realisieren. Aber wenn sich jemand in diesem Bereich engagieren möchte, kann auch das ganz schnell anders werden.

Bleibt bei so viel Aktivitäten denn noch Platz für die Mobile-typischen Eigenproduktionen?

Ohrem: Aber sicher doch – mehr denn je! In diesem Jahr hatten wir neben dem Schauspiel noch die Aufführungen des Musicals von Gunter v. Stritzky „Ein große Herz“ und eine spontan ins Programm genommene Werkschau des Tanztheaters. Für das kommende Jahr haben wir gleich zwei professionelle Regisseure für Eigenproduktionen im Schauspielsektor engagiert und uns damit finanziell außerordentlich engagiert.

Das klingt spannend. Wer sind die Akteure und warum gleich zwei?

Ohrem: Mit Michel Klemm wird ein erfahrener Regisseur, der seine allerersten Gehversuche auf der Bühne übrigens mit dem Theater Mobile gemacht hat, mit einem Ensemble von zehn Akteuren eine Boulevardkomödie im März 2019 auf die Bühne bringen.

Und wer ist der zweite „Neue“?

Ohrem: Mit Danilo Fioriti haben wir einen Regisseur engagiert, der sich dem Volkstheater verschrieben hat und schon seit fünf Jahren mit Erfolg die Eigenproduktionen der „Heppenheimer Gassensensationen“ führt. Er ist geübt darin, eine große Zahl von Mitspielern in seine Produktionen zu integrieren und sie über Jahre zu begeistern. Davon erhoffen wir uns für die kommenden Jahre die Entwicklung eines „Gesichtes“ der Eigenproduktionen – neudeutsch würde man von „Image“ sprechen – und die Anziehung neuer und aktiver Mitglieder.

Und wenn sich jetzt jemand für das Kinoprojekt oder da Kindertheater engagieren möchte?

Ohrem: Wer Kontakt zu uns sucht, dem empfehle ich unsere Homepage. Das gilt für alle Fragen rund ums Theater Mobile. Ideen und Engagement sind uns immer willkommen – Ideen ohne Engagement haben es dagegen sehr schwer. Wie jeder Verein lebt auch das Theater vom unentgeltlichen Engagement. Die Ehrenamtlichkeit bei uns mag zwar viele Grenzen und Einschränkungen mit sich bringen, macht aber eigentlich auch die Faszination aus. Das positive Feedback aus dem Kreis der Künstler und Gäste belohnt uns immer wieder. red/BA-Archivbild: Funck

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