Bruhrainer Zeitung

Heimatstube Handwerkliche Vorführungen zum „Tag des offenen Denkmals“ kommen gut an / Ehepaar Dümchen sorgt für eine fünfstellige Zahl von Historienfreunden

10 000 Besucher zeigen Interesse an der Historie

Archivartikel

Waghäusel-Wiesental.Der inzwi-schen 10 000. Besucher ist ermittelt und mit einem Geschenk des stolzen Heimatvereins Wiesental bedacht worden. Über die überraschende Auszeichnung freute sich jetzt das Ehepaar Heike und Thomas Dümchen. In die 1984 eingerichtete Heimatstube an der Ecke der Wagbach-/Lerchenstraße waren zum Tag des offenen Denkmals wieder zahlreiche Interessierte gekommen, die das Wohnhaus im Einrichtungsstil um das Jahr 1900 herum, besichtigten wollten. Dümchens waren die ersehnten Besucher Nummer 10 000 und 10 001 in diesem putzigen Fach-werkhäuschen. Der Vorsitzende Hans-Peter Hiltwein begrüßte sie herzlich.

Wer weiß schon, wie die Wohnhäuser vor 220 Jahren aussahen und die Vorfahren noch vor 120 Jahren wohnten? Und in welchen armseligen Verhältnissen man im Bruhrain so lebte? Das alles ließ der „Tag des offenen Denkmals“ gegenwärtig werden, zu dem zahlreiche Besucher aus der Stadt und der Umgebung herbeiströmten. Wer wollte, der konnte eines der ältesten Fachwerkhäuser in Wiesental, im Jahre 1795 erbaut, in Augenschein nehmen und sich die Wohn- und Lebensqualität im wilhelminischen Kaiserreich vor Augen führen. Kann eine kinderreiche Familie auf weniger als 50 Quadratmeter ihr Dasein fristen? Aber klar!

Ein Beispiel, dass so etwas möglich war, liefert die Heimatstube. Die Wände sind in Fachwerkbauweise ausgeführt, die Balken aus Eichenholz gehauen. Errichtet wurden die Häuschen in den Jahrzehnten nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg. Aus der großen Armut der Bewohner erklärt sich die einfache, schmucklose und kostengünstige Bauweise. Auf 50 Quadratmetern lebten zeitweise sieben Personen. Die Gemeinde erwarb 1965 die Immobilie, restaurierte sie und schuf ein kleines Heimatmuseum. Bald nach der Gründung 1981 übernahm der Heimatverein die Verwaltung des Häuschens und stattete es mit Einrichtungsgegenständen im Stil um 1900 aus. Direkt neben der Staffel ist noch ein uralter Pumpbrunnen zu bewundern.

Niedrige und kleine Zimmerchen

Hochgewachsene Besucher müssen sich schon mächtig ducken, wenn sie in die „gute Stube“ mit dem auffallenden samtüberzogenen Kanapee eintreten. Und auch in der eher depressiv stimmenden Schlafkammer und in der beengten Küche fällt die Zimmerhöhe niedrig aus. Im „Schlafgemach“ befindet sich, anders als früher, kein Ehebett, sondern nur ein Einzelbett, das Bett von Pater Felix Sälzler. Über dem Ofen hängt die wenig reizende Unterwäsche zum Trocknen. Das putzige Kinderbettchen und die Wiege machen die Enge des Raums vollkommen. Heute würde der Kinderschutzbund Sturm laufen: Doch vor 120 Jahren waren die fünf Kinder im zugigen Speicher unter den nackten Ziegeln untergebracht: auch im eiskalten Winter.

Überall war der Satz zu vernehmen: „Oh ja, des gedenkt mir noch.“ Auf großes Interesse stießen die handwerklichen Vorführungen. So zeigte der bekannte Maler Robert Mayer eigenhändig, wie einst, als es noch keine Tapeten gab, bunte Muster an die Wand kamen, wie geweißelt und gewalzt wurde. Zu bestaunen waren auch Werkzeuge und Utensilien aus alter Zeit, beispielsweise ein Modler, den es bereits um 1700 gab, und ein sogenannter Schläger. Sein Geschick stellte der heimatvereinliche „Spinnkreis“ unter Beweis. Wer wollte, der konnte erfahren: Spinnen ist eine der ältesten Techniken der Menschheit. Heute gilt es als fantastisch entspannendes Hobby.