Bruhrainer Zeitung

Sportler aus Waghäusel (Teil 2) Bei der Borussia Mönchengladbach als Kapitän und jetzt sogar im Nationalmannschaftskader / Der Wiesentaler Lars Stindl ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere

Über die WM denkt er noch gar nicht nach

Wiesental.Lars Stindl geht für Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga auf Torejagd und hat sich jüngst im Trikot der deutschen Nationalmannschaft beim Confed-Cup in die Herzen der Fußball-Fans geschossen. Der 29-Jährige führt die Gladbacher derzeit als Kapitän aufs Feld, für die er in 63 Ligapartien bis dato 18 Mal traf und 19 Assists beisteuerte. Die Bruhrainer Zeitung stellte dem berühmten Sohn der Stadt Waghäusel, der in Wiesental aufwuchs und mit zwölf Jahren zum Karlsruher SC wechselte, einige Fragen.

Herr Stindl, als Jungnationalspieler im zarten Alter von damals noch 28, der beim Confed-Cup in Russland drei Tore erzielte - darunter das Siegtor beim 1:0-Finalsieg gegen Chile: Welchen Stellenwert hat die Nationalmannschaft für Sie?

Lars Stindl: Allein die Nominierung war für mich etwas Besonderes. Es ist sicher nicht das Normalste, in meinem Alter noch sein Debüt für die Nationalmannschaft zu geben. Das war eine große Sache und Riesenehre für mich. Dass ich beim Confed Cup eine so entscheidende Rolle spielen durfte, darüber bin ich sehr glücklich. Wenn man als Neuling zu einer so renommierten Mannschaft dazu stößt, kann man im Vorfeld nicht damit rechnen, dass es auf Anhieb so gut läuft. Ich freue mich einfach, dass ich dabei sein durfte und mit meinen Toren einen entscheidenden Beitrag leisten konnte, die Truppe für ihren Aufwand zu belohnen.

Wie sehen Sie Ihre Chancen, bei der Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Russland dabei zu sein?

Stindl: Bis zur WM ist noch ein Jahr Zeit, darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken. Ich habe in der Zeit beim DFB-Team versucht, mich gut zu präsentieren und zu zeigen, was mich als Fußballer ausmacht. Das werde ich auch versuchen, in Zukunft zu tun. Bei dem Pool an Spielern, die Bundestrainer Jogi Löw zur Verfügung hat, ist es keine Selbstverständlichkeit, erneut dabei sein zu dürfen. Ich habe immer gesagt, dass die Nationalmannschaft für mich ein Bonus ist in meiner Karriere.

In Ihrer Heimat Wiesental wird Ihre Karriere natürlich ganz genau verfolgt. Was bedeutet Heimat für Sie - ein Stück Heimat haben Sie mit Ihrer Frau Tanita, die aus Kirrlach stammt, ja mit ins Rheinland genommen?

Stindl: Meine Heimat wird immer Wiesental bleiben. Ich habe noch viel Kontakt zu meiner Familie undzu den Freunden in meiner Heimatstadt, obwohl ich schon mit 20 von zu Hause ausgezogen bin. Ich sehe den harten Kern regelmäßig, das bedeutet mir sehr viel.

Zuletzt ist Ihr Marktwert durch Ihre guten Leistungen für Mönchengladbach und die Nationalelf gestiegen. Wie beurteilen Sie aber Summen wie beim Transfer von Neymar, der für 222 Millionen von Barcelona nach Paris wechselte?

Stindl: Ich glaube, dass derzeit das Gesamtgefüge im Profifußball nicht mehr stimmt. Ausnahmespieler und Ausnahmeablösen hat es in jeder Dekade gegeben. Dass inzwischen aber auch horrende Summen für die nicht absolut hochkarätigen Spieler bezahlt werden, halte ich für bedenklich.

Was ist diese Saison für Borussia Mönchengladbach drin? Sieht man 2018/19 wieder Stindl-Tore auf internationalem Parkett, in Europa oder sogar in der Champions League?

Stindl: Unser Ziel ist natürlich schon, wieder in Europa zu spielen. Alle lechzen nach solchen Fußballabenden. Dabei haben uns auch die Tiefs, die wir in der vergangenen Saison hatten, reifen lassen. Allerdings ist die Bundesliga extrem ausgeglichen, die Hälfte aller Mannschaften kämpft um die internationalen Plätze - und da möchten wir auch gerne mitmischen.

Für Gladbach haben Sie bis dato 18 Liga-Tore in 61 Partien erzielt. Welches war Ihr wichtigstes Tor und von welchem Torerfolg träumen Sie?

Stindl: Jedes Tor ist für mich auf seine Art wichtig. Besonders emotional war natürlich das Europa League-Rückspiel in Florenz in der vergangenen Saison, als wir einen 0:2-Rückstand noch in ein 4:2 gedreht haben und mir mein erster "Dreierpack" für Borussia gelungen ist. Von einem bestimmten Tor träume ich nicht, aber natürlich wäre es schön, vielleicht irgendwann einmal ein Tor zu einem Titelgewinn mit der Borussia beizusteuern.