Bruhrainer Zeitung

Ab in den Weltraum

Archivartikel

Im Vergleich zu anderen Kulturen gilt die deutsche doch eher als zurückhaltend, schlicht und konservativ. Das zeigt sich auch in der Art und Weise, wie wir die letzte Ruhe finden. Von den 860 000 Menschen, die in Deutschland jährlich sterben, entscheiden sich nach Angaben des Bundesverbandes der Bestatter 45,5 Prozent für eine Erdbestattung und 54,4 Prozent lassen sich einäschern.

Durch den sogenannten „Friedhofszwang“ haben die Angehörigen nur wenige Möglichkeiten, die Asche des Verstorbenen an anderen Orten beizusetzen. Nur fünf Prozent entscheiden sich für eine Seebestattung in der Nord- oder Ostsee und noch viel weniger lassen sich in einem extra dafür freigegeben Waldgebiet bestatten.

Immer beliebter werden dabei Baumbestattungen, bei den zum Gedenken an den Verstorbenen ein solcher über der Grabstätte angepflanzt wird. Wer seinen Angehörigen auch nach dessen Tod bei sich haben möchte, kann die Asche zu einem Diamanten pressen lassen und diesen dann eingebettet in einer Kette oder Ring täglich bei sich tragen. In anderen Ländern ist es dagegen nicht unüblich, die Urne eines Verwandten im Haus aufzubewahren oder die Asche an dem Lieblingsort des Verstorbenen zu verstreuen, was in Deutschland allerdings verboten ist.

Aber es geht noch viel skurriler – jedenfalls aus deutscher Sicht beurteilt: In England bieten einige Vereine „Fanbestattungen“ auf dem „Heiligen Rasen“ im Stadion an, wo die Asche verstreut oder hinter der Torlinie beigesetzt werden kann. Im afrikanischen Ghana sind die Särge nicht braun, weiß oder schwarz und auch keinesfalls rechteckig. Oft repräsentiert der Sarg einen wichtigen Aspekt im Leben des Verstorbenen – beerdigt wird man zum Beispiel in Kisten im Flugzeug-, Flaschen- oder Fruchtdesign.

Wer es richtig extravagant möchte, kann sich wie der „Star Trek“-Schöpfer Gene Roddenberry und „Scotty“-Darsteller James Doohan beim „Memorial Spaceflight“ auf eine letzte Reise ins Weltall schießen lassen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen dabei von einer Ruhestätte im Erdorbit hin zur Beförderung auf die Mondoberfläche oder sogar der Voyager-Sonde hinterher in die weiten des Alls hinaus. Bei Preisen zwischen 5000 bis 25 000 Dollar wäre das doch eigentlich eine Überlegung wert. Im Himmel ist man dann auf jeden Fall schonmal.