Bruhrainer Zeitung

Naturkundemuseum Große Landesausstellung führt in wechselvolle Vergangenheit des Klimas / „Daxlandener Nashornschädel“ ist zu sehen / Interaktive Stationen

Als Flusspferde den Oberrhein bevölkerten

Karlsruhe.Flusspferde im Rhein? Aber ja, die gab es – vor mehr als 115 000 Jahren, wie zahlreiche Knochen- und Zahnfunde belegen. Dass es in einem Eiszeitalter nicht immer kalt ist, belegt das Naturkundemuseum Karlsruhe in seiner Großen Landesausstellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ von Donnerstag, 21. Juni bis Sonntag, 27. Januar.

In dieser Ausstellung führt das Naturkundemuseum auf eine Zeitreise in die wechselvolle Vergangenheit des Klimas am Oberrhein und eröffnet mit eindrucksvollen Objekten einen neuen Blick auf die damalige Tier- und Pflanzenwelt. Wie das Museum in einer Pressemitteilung schreibt, veranschaulichen auf einer Gesamtfläche von fast 700 Quadratmetern geologische Belege, Tier- und Pflanzenpräparate, Originalfossilien und eigens angefertigte Modelle, wie es in der Zeit von vor etwa 126 000 bis vor 11 700 Jahren in dieser Region aussah. Darüber hinaus erklärt die Ausstellung, wie Eiszeiten generell entstehen, und geht auf die Besonderheiten des Oberrheingebiets ein. Bio- und geowissenschaftliche Aspekte ergänzen sich zu einer umfassenden Schau zum Thema.

Seit 2,6 Millionen Jahren leben wir in einem Eiszeitalter. Das heißt, beide Polkappen sind mit dicken Eisschichten bedeckt. Dabei ist das Wetter jedoch nicht durchgängig eisig kalt. Vielmehr stehen Kalt- und Warmzeiten in einem ständigen Wechsel.

Die letzte abgeschlossene Warmzeit, das Eem, begann vor etwa 126 000 Jahren und endete vor etwa 115 000 Jahren. In dieser Zeit waren die Jahresmitteltemperaturen mehrere Grad höher als heute. Die darauffolgende Kaltzeit, das Würm, dauerte von vor 115 000 Jahren bis vor 11 700 Jahren und war deutlich kälter als heute. In der Kaltzeit zogen Mammuts, Wollhaarnashörner, Steppenbisons und Riesenhirsche durch die Steppen am Oberrhein. Während der Warmzeit dagegen lebten hier mächtige Waldelefanten, Waldnashörner sowie Wasserbüffel – und eben auch Flusspferde.

Belege aus der Natur

Aber woher wissen die Forscher, wie das Klima in der Vergangenheit war? Welche Informationen gibt es über die Tier- und Pflanzenwelt? Und wie entstehen Eiszeitalter überhaupt? Mit interaktiven Stationen, anschaulichen Grafiken und außergewöhnlichen Exponaten wird diesen Fragen im ersten Bereich der Ausstellung nachgegangen. Dazu werden unterschiedliche Klimazeugen vorgestellt, die Auskunft über die Entwicklung des Klimas und dessen Einfluss auf die Ökologie des Oberrheingebiets geben: Spuren in der Landschaft, im Boden und in Gesteinen, Bodenprofile und Pollendiagramme zur Bestimmung der damaligen Pflanzenarten und andere Belege eiszeitlichen Lebens.

Der zweite Ausstellungsbereich zeigt mit raumfüllenden Dioramen in einer stimmungsvollen Inszenierung typische Pflanzen und Tiere aus Warm- und Kaltzeit. Originalfunde, Präparate und eigens angefertigte lebensgroße Modelle von Waldnashorn, europäischem Wasserbüffel und Flusspferd vermitteln auf eindrucksvolle Weise ein Bild der damaligen Tierwelt. Herausragende Einzelobjekte wie beispielsweise das mächtige Geweih eines Riesenhirsches und der „Daxlander Nashornschädel“, der im Jahr 1802 bei Arbeiten am Rheinufer entdeckt und zunächst für den Schädel einer Meerjungfrau gehalten wurde, ergänzen die Dioramen. Er ist einer der besterhaltenen Schädel eines Waldnashorns weltweit.

Werkzeuge früher Menschen

Auch frühe Menschen haben ihre Spuren hinterlassen. Vermutlich vor rund 200 000 Jahren tauchten die ersten Neandertaler in Europa auf, vor etwa 40 000 Jahren erreichte dann der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens) unseren Kontinent. Steinwerkzeuge, Fossilien und Schädelabgüsse zeugen in der Ausstellung von ihrer Existenz.

Ergänzend zu den Exponaten bieten einzelne „Wissensinseln“ zusätzliche Informationen. Hör- und Riechstationen lassen die Ausstellung mit allen Sinnen erleben. Mit Tastbildschirmen können die Besucher selbst aktiv zu werden und einzelne Themenschwerpunkte genauer erkunden.

Info: Informationen zu den Begleitveranstaltungen gibt es unter www.smnk.de.