Bruhrainer Zeitung

Bergung im Rhein Spundwände zur Abstützung stehen / Spezialbagger auf Ponton hebt 3000 Tonnen Material vom Grund / Industrietaucher für Feinarbeiten

Bald taucht versunkene Lok wieder auf

Germersheim/Mainz.Ein historisches Ereignis steht bevor: Die älteste Dampflokomotive Deutschlands soll am Sonntag, 21. Oktober, aus dem Rhein geborgen werden. Seit 166 Jahren liegt sie dort begraben, mittlerweile ist sie von einer fünfeinhalb Meter dicken Sedimentschicht aus Kies und Sand bedeckt. Die Bergung des 20-Tonnen-Schatzes ist eine technische Herkulesaufgabe (wir berichteten in der Bruhrainer Zeitung am Donnerstag, 12. April). Die vorbereitenden Arbeiten haben bereits begonnen und nehmen nun an Fahrt auf.

Schließlich sind viele kleine und große Maßnahmen nötig, um die historisch und industriekulturell bedeutsame Lok mit dem schicksalhaften Namen „Rhein“ zu bergen, wie das Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“ in einer Pressemitteilung schreibt. Zunächst wurde Ende August bereits eine Buhne – ein zwei Meter hoher Steinwall – im Rhein abgetragen, unter der die Fundstelle der Lok liegt.

50 Meter vor dem Rheinufer hatten die Lok-Jäger Horst Müller, Uwe Breitemeier, Volker Jenderny und der Geophysiker Prof. Dr. Bernhard Forkmann den sechs Meter langen Eisenkörper gefunden. Nur durch modernste Magnetmessungen war das den Schatzsuchern möglich.

Eisenbalken ins Sediment

Als nächster Schritt wurde jetzt ein Ponton im Rhein verankert. Auf der schwimmenden Plattform steht ein Spezialbagger, der über der Fundstelle die Aushubarbeiten vornimmt und die Spundwände in den Flussboden geschlagen hat. 21 Meter lange Eisenbalken hat das Bergungsunternehmen OHF dafür zunächst in den Rheinboden gerammt, um anschließend die 30 Meter langen Spundwände zu errichten. 200 Tonnen Stahl kommen hier zum Einsatz. So wird der Fundort während der Bergung vor der Strömung des Flusses geschützt. Dies ist nötig, um die Industrietaucher während ihrer Arbeit zu schützen und um zu verhindern, dass die Kiesmassen nach dem Aushub zurückgespült werden, wie es weiter in der Mitteilung heißt.

Insgesamt wird der Spezialbagger 3000 Tonnen Kies, Sand und Geröll aus dem Weg schaffen, die die Lok bedecken. Mitte September wird die Kuhle bereits eine Tiefe von vier Metern erreicht haben. „Wir wissen noch nicht, was wir bei den Baggerarbeiten genau finden. Es besteht die Gefahr, dass große Steine, Bäume oder Ähnliches das Vordringen zur Lok erschweren“, sagt Wolfhard Neu vom Bergungsunternehmen.

Kiesreste wegsaugen

An die Feinarbeiten geht es dann Ende September: Industrietaucher legen die Lok mit Kiessaugern behutsam frei, um sie nicht zu beschädigen – rund 2000 Tonnen müssen sie bewegen. Danach steht ein besonders spannender u Moment bevor: Der erste Sichtkontakt mit der Lok wird aller Voraussicht nach die eindeutige Identifikation ermöglichen. „Aktuell basiert die Annahme, dass es sich tatsächlich um die Lok ‚Rhein‘ handelt, allein auf den Magnetresonanzbildern. Eine Überraschung beim Freilegen ist also noch möglich“, sagt Tobias Bartenbach, Leiter des Projektbüros. Volker Jenderny, Mitinitiator vom Eisenbahnmuseum Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein, ergänzt: „So ein Projekt macht man einmal in seinem Leben, ich bin gespannt wie Bolle, was wir da nun wirklich aus dem Wasser holen werden.“

Nach der Identifikation muss das Bergungsunternehmen entscheiden, wie der massige Metallkörper unbeschädigt aus dem Wasser gehoben werden kann. „Wir werden die Lok mit Gurten heben oder eine Palette darunter schieben. Dabei müssen wir beachten, dass die Lok nicht abrutschen und zurück in den Rhein fallen kann“, sagt Wolfhard Neu. zg

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