Bruhrainer Zeitung

Mein Lieblingsplatz (Teil 6) Anton Kremer tut mit seinen Völkern der Umwelt etwas Gutes / Faszination schon in der Schule geweckt

Die Arbeit mit der Bienenkönigin teilen

Archivartikel

Philippsburg/Waghäusel.Meine Lieblingsplätze sind bei meinen Bienenstöcken im Bruhrain und der Bienengarten mit Lehrstand auf der Kleingartenanlage in Wiesental. Denn nach dem aktiven Berufsleben musste ich mich entscheiden, wie ich die neu gewonnene Freizeit gestalte. Im sozialen Bereich war ich schon immer engagiert. Etwas Neues sollte es aber schon sein – eine Bekannte bot mir zwei Bienenvölker ihres verstorbenen Mannes an.

Ich erinnerte mich an meinen Lehrer, der über die Ordnung im Bienenvolk unterrichtete und bei mir schon damals großes Interesse für Bienen geweckt hat. Jetzt hatte ich Zeit. Das war etwas Neues, ich sagte zu, besuchte Kurse in der Heidelberger Imkerschule und war nun für zwei Bienenvölker verantwortlich.

Bald musste ich erkennen, dass Bienen keine Haustiere sind. Sie begrüßen mich am Stock mal sanft und mal aggressiv, immer herausfordernd und voller Überraschungen. Es ist immer schön, ihnen zuzusehen, wie sie schwer beladen mit Pollen auf dem Flugbrett landen, um schnell im Stock zu verschwinden und dort ihre Last anderen Bienen zur Brutversorgung zu übergeben. Einige bewachen den Eingang, andere schleppen Tote weg, damit der Stock sauber bleibt.

Arbeitsreiches Insektenleben

Sommerbienen leben nur etwa sechs Wochen und machen in dieser Zeit alle Aufgabestationen durch, als Kindergärtnerinnen in den Brutpflege, Baumeisterinnen der Waben, Köchinnen zur Aufbereitung des Nektars in Honig, Wächterinnen vor dem Flugloch und schließlich, ihre letzte Aufgabe, als Sammlerinnen von Nektar und Pollen, um dann zu sterben und der nächsten Generation Platz zu machen. Dabei haben sie dann unzählige Pflanzen besucht und für uns Menschen die wohl wichtigste Aufgabe, die Bestäubungsleistung erbracht.

Ich brauchte einen Blick und zunehmende Erfahrung, den natürlichen Todesfall, von Krankheiten und Umweltgiften zu unterscheiden und, um dann richtig zu handeln. Dass im Volk alles funktioniert, ist aber vor allem die Leistung der Königin. Ihre Gene entscheiden über Sanftmut, Fleiß, Stockhygiene und vieles mehr. Alle Arbeiterinnen sind ihre Töchter.

Sie findet deshalb auch das höchste Interesse des Imkers. Durch Auswahl versucht er, Einfluss auf seine Bienen zu nehmen. Ein Ableger aus einem gesunden Volk ist die erste Aktion für die zukünftige Volksentwicklung. Die Sichtung und Zeichnung der Jungkönigin ist dann ein Erlebnis. Diese kann in ihrem dreijährigen Leben Mutter für bis zu 50 000 Bienen werden. Das zu beobachten macht meinen Bienenstand für mich nicht nur zum liebsten, sondern auch zum interessantesten Ort im Bruhrain und stolz, durch meine Behandlung und Pflege – von inzwischen bis zu zehn Bienenvölkern – etwas Gutes für Umwelt und Natur zu bewirken.

Daneben ist es uns im Bezirksimkerverein gelungen mit dem vergangenen Jungimkerkurs, 20 Frauen und Männer für diese schöne Aufgabe neu zu begeistern – unsere Antwort auf das Bienensterben.