Bruhrainer Zeitung

Historie Heimatvertriebene schufen 1996 eine Erinnerung an 1946 / 1600 „Neubürger“ in der Gemeinde nach dem Krieg

Ein Brunnen zum Dank für Aufnahme und Hilfe

Waghäusel.Was hat es mit dem auffälligen Brunnen an der Ecke der Kolping- und Heidelberger Straße in Kirrlach auf sich? Welche Bedeutung hat der riesige Stein inmitten des Wassers? Die jetzt 22 Jahre alte Sehenswürdigkeit ist ein Dankeschön der Heimatvertriebenen, die vor über 70 Jahren nach Kirrlach gekommen waren.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich 12 Millionen Deutsche auf der Flucht. Entweder flüchteten sie vor den Kriegsgegnern, die oft furchtbare Rache für die erlittenen Kriegsgräuel nahmen, oder sie wurden mit den wenigen Habseligkeiten aus ihrer Heimat vertrieben. Der Grund: Sie hatten deutsche Vorfahren. In dem zerstörten Restdeutschland fanden sie schließlich eine Bleibe. Noch 1947 forderte lautstark ein Politiker, die ganzen Flüchtlinge müssten hinausgeworfen werden. Sie kämen, um sich hier an den Futterkrippen zu bedienen. Die Rhetorik, die nach 1945 den Vertriebenen im Westen entgegenschlug, ist mit heute bekannten Parolen durchaus vergleichbar.

Das Allernotwendigste fehlte

Überall fehlte das Allernotwendigste, wie Nahrungsmittel, Kleidung und Wohnraum. Trotzdem waren im Laufe von wenigen Jahren gut zwölf Millionen Heimatvertriebene in dem bombenzerstörten Land zu integrieren, wodurch die katastrophale Versorgungslage der einheimischen Bevölkerung noch mehr verschärft wurde. Hinzu kam der Hungerwinter Ende 1946. Die Unterernährung führte zu einer hohen Sterblichkeitsrate. Zwischen 1946 und 1948 trafen in Kirrlach, Wiesental und Waghäusel mehr als 1600 Flüchtlinge ein – vorwiegend aus dem Sudetenland, aus Ungarn, Jugoslawien und aus dem gesamten donauschwäbischen Raum. Mit dieser Flüchtlingswelle mussten die Gemeinden zurechtkommen. Und sie schafften es.

70 Jahre sind inzwischen vergangen. 50 Jahre nach dem großen „Flüchtlingsjahr“ 1946, also 1996, machten die Kirrlacher „Neubürger“ der Bevölkerung ein Geschenk für die damalige Hilfsbereitschaft: ein Brunnen zur Erinnerung und zum Dank. Und, wie es damals hieß, „in Würdigung der gelungenen Integration nach dem Weltkrieg.“ Seit 1996 gibt es also den wohl einmaligen Brunnen beim Taglöhnerhaus, der damals im Sommer gebaut und eingeweiht wurde. Unter Leitung des Ideengebers und Initiators Rudi Lang sammelten die Heimatvertriebenen zahlreiche Spenden und ermöglichten so die damalige Finanzierung, immerhin rund 16 000 Mark. Wertvolle logistische Hilfe leistete der seinerzeitige Heimatvereinsvorsitzender Erhard Schmitteckert.

Grundstückseigentümer ist die Stadt Waghäusel. Bei der Einweihung 1996 wies Anton Holl in bewegenden Worten auf das schwere Schicksal der Heimatvertriebenen aus den verschiedenen Ländern hin, die nach langer Flucht schließlich in Kirrlach Aufnahme gefunden hatten. Damals suchten leidgeprüfte Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder, immer auf das Wohlwollen (und vielleicht auch auf das Mitleid) ihrer Mitmenschen angewiesen, eine Bleibe.

Die Inschrift des vier Tonnen schweren Monoliths lautet: „Zur Erinnerung und zum Dank für die Aufnahme der Heimatvertriebenen in Kirrlach in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg 1945/46, erstellt 1996 von den Heimatvertriebenen.“ ber