Bruhrainer Zeitung

Naturkundemuseum Sonderausstellung zeigt älteste bislang gefundene Figuren und Musikinstrumente / Aus Mammutelfenbein und Vogelknochen geschnitzt

„Eiszeitkunst“ gibt Einblicke in frühe Kreativität

Archivartikel

karlsruhe.Ein Mammut, eine Frauenfigur, ein Mischwesen aus Mensch und Löwe wie auch einige Knochenflöten sind die ältesten bislang entdeckten figürlichen Kunstwerke und Musikinstrumente der Menschheit. Sie stehen im Zentrum der Wanderausstellung „Eiszeitkunst“, die im Naturkundemuseum Karlsruhe von Donnerstag, 27. September, bis Sonntag, 27. Januar, zu sehen ist. Eröffnet wird die Ausstellung bereits morgen um 18 Uhr. Der Eintritt ist an diesem Tag frei.

Als erste figürliche Darstellungen von Tieren und Menschen sowie Musikinstrumente markieren die zirka 40 000 Jahre alten Objekte einen gewaltigen Sprung in der Entwicklung hin zum modernen Menschen, wie es in einer Pressemitteilung des Naturkundemuseums heißt. Sie stammen alle von der Schwäbischen Alb, wo Grabungen in verschiedenen Höhlen des Ach- und Lonetals eine bislang einzigartige Anhäufung von frühen Spuren kulturellen Schaffens zum Vorschein brachten.

Neben formvollendeten Figürchen aus Mammutelfenbein wurden auch Schmuck und Musikinstrumente aus dieser Zeit gefunden. Zu den bekanntesten Funden gehören Skulpturen wie der Löwenmensch aus dem Hohlenstein, die Venus und der Wasservogel aus dem Hohle Fels und das Mammut aus dem Vogelherd, die allesamt aus den Stoßzähnen der urzeitlichen Dickhäuter geschnitzt wurden.

Hochwertige Repliken

Die ältesten Musikinstrumente sind Flöten aus Vogelknochen oder ebenfalls aus Mammutelfenbein. Unter der Federführung von Alb-Donau-Kreis, Landkreis Heidenheim und der Stadt Ulm, haben sich Politik, Wissenschaft und Ehrenamt zur Dachmarke „Weltkultursprung“ zusammengeschlossen, um die „Wiege der Kunst“ bekannter zu machen, wie das Naturkundemuseum weiter in der Mitteilung schreibt.

Die von ihnen entwickelte Wanderausstellung zur eiszeitlichen Kunst, die nun in Karlsruhe zu sehen ist, präsentiert hochwertige Repliken dieser Kunstwerke und Musikinstrumente. Sie stellt außerdem die dazugehörigen Fundstellen und die Ausstellungsorte vor, an denen die originalen Fundstücke zu bestaunen sind.

Die eiszeitlichen Jäger und ihre Familien, denen wir diese einzigartigen Zeugnisse früher Kunst verdanken, bewohnten unter anderem die Höhlen im Ach- und Lonetal. Die wichtigsten Fundorte sind die Höhlen Hohle Fels, Geißenklösterle und Sirgensteinhöhle (Achtal) sowie Bocksteinhöhle, Hohlenstein und Vogelherdhöhle (Lonetal). Aufgrund ihrer Bedeutung wurden diese Höhlen und die sie umgebende Landschaft im Juli 2017 zum Unesco-Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ ernannt.

Die Wanderausstellung wird im Naturkundemuseum durch eine eigene kleine Präsentation ergänzt, die Repliken faszinierender Eiszeitkunst aus weiteren Teilen der Welt zeigt. Gefördert wurde die Wanderausstellung durch die Stiftung Baden-Württemberg und das Landesministerium für Finanzen und Wirtschaft. zg