Bruhrainer Zeitung

OSZE-Mission Karlsruher Stadtrat Tom Høyem fährt nach Zenica in Bosnien-Herzegowina / Einsatz im Auftrag der dänischen Regierung

Er setzt sich für faire Wahlen ein

Archivartikel

Karlsruhe/Bosnien-Herzegowina.Tom Høyem, Karlsruher Stadtrat und ehemaliger Grönlandminister in Dänemark, reist im Auftrag der dänischen Regierung am morgigen Mittwoch, dem Tag der Deutschen Einheit, als Wahlbeobachter nach Bosnien-Herzegowina. In dem Vielvölkerstaat wird am Sonntag, 7. Oktober, ein neues Parlament gewählt.

Für Høyem ist es bereits der 30. ehrenamtliche Einsatz als Wahlbeobachter, wie es in einer Pressemitteilung des Stadtrates heißt. Im Jahr 1997 war der gebürtige Däne, der seit 2015 auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, erstmals überhaupt als OSZE-Wahlbeobachter für Dänemark in Bosnien-Herzegowina aktiv. Von den insgesamt 30 Wahlbeobachter-Missionen hat Høyem, der auch Vorsitzender der FDP-Fraktion in Karlsruhe ist, 24 im Auftrag der dänischen Regierung geleistet. Bei den sechs anderen Einsätzen war er für das Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland unterwegs.

Der frühere Vorsitzende des Verbands aller Wahlbeobachter Dänemarks war schon in vielen Ländern – in Albanien, Bosnien, Ukraine, Montenegro, Georgien, in der Demokratischen Republik Kongo, in Palästina (Gaza) und in Russland – im Einsatz. Erst im April war er als Wahlbeobachter bei den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen in Aserbaidschan dabei. Im Juni beobachtete Høyem bei den vorgezogenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen den Urnengang in der Türkei.

Wenn Tom Høyem von morgen bis Mittwoch, 10. Oktober, in Bosnien ist, wird er wieder gemeinsam mit anderen Engagierten genau beobachten, ob die Abstimmung frei und fair verläuft. Sein Teampartner vor Ort ist dieses Mal eine Frau aus den USA. „Ich werde in Zenica, 70 Kilometer von Sarajevo entfernt, eingesetzt sein“, sagt Høyem über die viertgrößte Stadt des Landes. Zenica sei eine typisch gemischte Stadt mit rund 115 000 Einwohnern.

Die meisten Einwohner seien Bosniaken (55,2 Prozent), Kroaten gebe es dort 15,6 Prozent und Serben 15,5 Prozent. „Bosnien-Herzegowina kann sich nicht entscheiden, multi-ethnisch zu sein, es ist multi-ethnisch“, betont der Wahlbeobachter. Die Grenzen ethnisch zu ändern, wäre unmöglich und eine Katastrophe, gibt er zu verstehen.

Geschenk eines Soldaten

„Das erste Mal überhaupt als Wahlbeobachter war ich 1997 in Tusla, in Bosnien-Herzegowina, kurz nach dem grausamen Balkankrieg, 1992 bis 1995. Das ganze Land war noch von dem Krieg geprägt, mit Ruinen, verlassenen Häusern und Hass. Seitdem habe ich auf meinem Schreibtisch ein hässliches ‚Souvenir‘, einen Blechnapf für Essen, den ich von einem bosnischen Soldat bekommen habe, liegen. Es soll an Krieg, aber auch an Hoffnung erinnern.“

In Deutschland gebe es mehr als 200 000 bosnische Einwohner und in Karlsruhe mehr als 1000 Bürger mit bosnischen Wurzeln. „Viele sind wegen des Krieges vor mehr als 20 Jahren geflüchtet“, weiß Høyem und sagt weiter: „Leider ist die Stabilität auf dem Balkan auch heute nicht gesichert und leider sind die Spannungen und die Unsicherheit dort nicht verschwunden, werden aber in Europa und in Deutschland oft verdrängt.“

Die internationalen Akteure seien heute andere. „Russland engagiert sich mehr und mehr und USA und EU weniger und weniger“, meint der Wahlbeobachter in der Pressemitteilung. Zwischen Serbien und Kosova habe man angefangen, ein Thema zu diskutieren, das sonst in Europa Tabu sei: Grenzänderungen nach Ethnizität. „Grenzänderungen auf dem Balkan könnten gefährliche Auswirkungen auch für Bosnien-Herzegowina haben. Auch für die Ukraine und viele andere ehemalige Sowjetstaaten.“

Auf dem Balkan sei der einzige Weg für Hoffnung und Stabilität „demokratische, freie und faire Wahlen“, macht Høyem auf die Bedeutung seiner Beobachter-Mission aufmerksam. Viel Zeit bleibt dem Politiker nach dem Einsatz nicht. Wenn er an seinem 77. Geburtstag wieder zurück nach Karlsruhe kommt, geht es für ihn nur einen Tag später weiter. Dann steht in Lissabon ein Treffen mit ehemaligen Europaschuldirektoren an, heißt es in der Mitteilung abschließend. zg