Bruhrainer Zeitung

Mordprozess Verwandte des Mannes ermorden sechsfache Mutter

Fünf Iraker und die Frage der Familienehre

Bruchsal/Wuppertal.Im April 2015 verschwindet Hanaa S. aus Solingen. Ein Jahr später wird bei Bruchsal die Leiche der sechsfachen Mutter gefunden. Nun nähert sich der Prozess dem Ende. Auf der Anklagebank in Wuppertal sitzen fünf Angehörige der ermordeten Irakerin. Sie sollen die Irakerin getötet haben, „um die Familienehre wieder herzustellen“, wie es in der Anklage heißt. Die 35-Jährige hatte sich von ihrem Mann getrennt. Der Prozess gegen die fünf Verwandten von Hanaa S. – darunter ihr Mann und ein Sohn – begann am 27. Juni 2016.

Erst nach 69 Verhandlungstagen hatte ein angeklagter Schwager der Ermordeten seine Mitverantwortung an dem Verbrechen eingeräumt. Der Prozess wurde unterbrochen, und der 26-Jährige führte die Ermittler zu einem Waldstück bei Bruchsal.

Nach tagelanger Suche – auch mit Hubschraubern – konnten dort die sterblichen Überreste des Opfers geborgen werden. Die Leiche war in einen Teppich gewickelt. Anhand der Zähne der Toten und einem Abgleich mit den Unterlagen ihres Zahnarztes ergab sich, dass es sich „mit großer Wahrscheinlichkeit“ um Hanaa S. handelt.

Die Polizei hatte schon direkt nach ihrem Verschwinden am 21. April 2015 mit großem Aufwand nach der sechsfachen Mutter gesucht. Einsatzhundertschaften, Polizeitaucher und eine Fliegerstaffel überprüften Gewässer und Waldstücke auch in Baden-Württemberg.

Bei den Ermittlungen geriet schnell die Familie der Verschwundenen ins Visier. Alle fünf Angeklagten sind Iraker: der Ehemann und der Sohn der Verschwundenen sowie zwei Brüder und eine Schwester des Ehemanns.

Nachdem die Leiche gefunden worden war, redeten nach und nach auch einige der anderen Angeklagten. Reinen Tisch machten sie mit ihren Einlassungen aber bis heute nicht. Sie wiesen sich eher gegenseitig die Schuld zu.

Weitere Beweisanträge gestellt

Schon am Dienstag sollten eigentlich die Verteidiger und die Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers halten. Dazu kam es dann aber nicht, weil die Verteidiger noch eine ganze Reihe von Beweisanträgen gestellt haben. Einige wurden vom Gericht gleich zurückgewiesen und eigentlich sollte gestern die Verhandlung fortgesetzt werden. Aber auch da öffneten sich die Gerichtstüren nicht, es wurde hinter verschlossenen Türen über die Anträge gesprochen. Man darf also gespannt sein, ob es dieses Jahr noch zu einem Urteil kommt. dpa