Bruhrainer Zeitung

Energiewende: 2 Dem Start-up Ineratec ist es gelungen, synthetische Kraftstoffe in kleinen Anlagen herzustellen / Klimakiller COwird im chemischen Prozess verwertet

Gründerpreis für Reaktor im Container

Karlsruhe/Berlin.Synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Energiequellen preiswert herzustellen, ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende. Zur Herstellung von synthetischem Benzin, Kerosin, Diesel oder Gas sind riesige Anlagen nötig. Die Firma Ineratec, ein Spin-off des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), baut chemische Reaktoren, die so kompakt sind, dass die fertig montierte Anlage in einen Schiffscontainer passt und überall eingesetzt werden kann. Am Mittwoch wurde das junge Unternehmen in Berlin mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet, wie das KIT in einer Mitteilung schreibt.

„Synthetische Kraftstoffe sind ein wichtiger Schritt hin zum Wirtschaften in einem geschlossenen CO2-Kreislauf“, sagt der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka. „Mit dem Klimawandel und der Energiewende geht das KIT nicht nur zwei der aktuell drängendsten gesellschaftlichen Probleme an, regenerative Kraftstoffe können entlang der gesamten Wertschöpfungskette zukünftig auch ganz neue Geschäftsfelder eröffnen. Dafür ist Ineratec ein hervorragendes Beispiel.“

Wissenschaftliche Erkenntnisse in Anwendungen zu überführen, von denen Wirtschaft und Gesellschaft profitieren, gehöre zu den Kernaufgaben der Hochschule, sagt Professor Thomas Hirth, Vizepräsident des KIT für Innovation und Internationales. Deshalb unterstütze das KIT unternehmerisches Denken und Handeln auf vielfältige Weise, etwa durch Gründerförderung für Studierende und Forschende oder Büro- und Laborflächen in Innovationshubs sowie Beratung und Vernetzung. „Regelmäßig gute Platzierungen in Rankings zur Gründerförderung und jetzt der Deutsche Gründerpreis sind Ausdruck dieser Innovationskultur“, so der Professor.

„Für die chemischen Verfahren, mit denen etwa aus dem Klimakiller CO2 und regenerativ erzeugtem Wasserstoff synthetisches Erdgas oder künstliche Kraftstoffe hergestellt werden, sind normalerweise extrem teure, großtechnische Chemieanlagen nötig“, sagt Ineratec-Geschäftsführer Tim Böltken. Die Karlsruher Gründer haben nicht nur die Großanlagen auf Miniaturformat geschrumpft, die für den Herstellungsprozess benötigte Energie kann obendrein aus regenerativen Quellen wie Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft kommen. „Sie wird so in chemischen Energieträgern gespeichert“, erläutert der Alumnus des KIT.

Im Baukastensystem konzipiert

Die fertig montierten, modularen Kompaktanlagen sind nach dem Baukastensystem konzipiert, so dass sich die Kapazität ganz nach Bedarf erweitern lässt. Mehrere Anlagen sind bereits ausgeliefert und in Betrieb: Eine Power-to-Liquid-Anlage, welche erneuerbare flüssige Kraftstoffe herstellt und mobil eingesetzt werden kann, wurde nach Finnland verkauft. Im katalonischen Sabadell steht eine Power-to-Gas-Anlage, die aus Klärschlamm stammendem Kohlenstoffdioxid synthetisches Methan-Gas produziert, das direkt ins spanische Netz gespeist werden soll.

Am KIT selbst, wo mit dem Energy Lab 2.0 gerade ein Anlagenverbund aufgebaut wird, der unterschiedliche Technologien zur Erzeugung und Nutzung elektrischer, thermischer und chemischer Energie verknüpft, baut Ineratec eine Pilotanlage für die Erzeugung von erneuerbarem Kerosin aus Kohlendstoffdioxid und Wasserstoff.

Windsonden für die Formel 1

Unter den drei Finalisten des Deutschen Gründerpreises ist noch ein weiterer KIT-Alumnus: Florian Wehner stellt mit seiner Firma Vectoflow 3D-gedruckte Sonden her, die auch in der Formel 1 eingesetzt werden. Rennsportteams, Flugzeughersteller, Airlines – sie alle wollen wissen, woher der Wind weht. Die Sonden werden individuell für den Kunden gefertigt und messen die Strömung von Luft, Wasser oder Öl präzise. So ist unter der Nase jedes Formel-Eins-Boliden eine Sonde angebracht, die im Rennen Geschwindigkeit und Richtung der Strömung misst. Einige davon wurden von Vectoflow entwickelt, wie es in der Mitteilung weiter heißt.

Vor seiner Zeit als Unternehmer studierte Florian Wehner am KIT Maschinenbau mit Vertiefung Produktentwicklung und Leichtbau. Auch war er Mitglied der Hochschulgruppe KA-RaceIng, dem Formula Student Team des KIT, das jedes Jahr erfolgreich unterschiedliche Rennwagen entwickelt. zg