Bruhrainer Zeitung

KIT Tsunamis kosten Tourismusbranche 200 Millionen Euro jährlich

Höchstes Risiko herrscht auf Hawaii

Wien/Karlsruhe.Immer häufiger reisen europäische Touristen an Orte mit erheblichem Tsunamirisiko – das fanden Forscher nun heraus. Bei der Jahreskonferenz der European Geosciences Union (EGU) in Wien haben sie einen Tsunami-Risikoindex für Reiseziele auf der ganzen Welt vorgestellt. Die von Andreas Schäfer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) geleitete Studie untersuchte alle bedeutenden Reiseziele weltweit in Bezug auf mögliche Verluste der Tourismusbranche in Folge von Tsunamis.

Wie das KIT in einer Pressemitteilung schreibt, machte Schäfer deutlich, dass jährlich rund 200 Millionen Euro an Verlusten für die Tourismusbranche in Strandnähe zu erwarten sind. Sein Team untersuchte mehr als 24 000 Strände und ihre wirtschaftliche Relevanz für mehr als 1000 Reiseziele weltweit, um das Risiko für jedes Ziel in Bezug auf die strandbezogenen Geschäftsanteile zu berechnen.

„In absoluten Werten zeigt Hawaii das mit Abstand größte Risiko für den Tourismus durch Tsunamis. Dies liegt daran, dass Hawaii durch seine Lage mitten im Pazifik umringt ist von vielen möglichen Tsunamiquellen, etwa aus Richtung Japan, Alaska, Südamerika und anderen Regionen“, berichtete der Ingenieursgeophysiker vom KIT. „Der Großteil der Schäden ist allerdings dank ausreichender Frühwarnsysteme vor Ort rein wirtschaftlich“, so Schäfer. Den berühmten Strandorten von Hawaii bereiteten vor allem Schäden an Infrastruktur und Erosion enorme Probleme. Der letzte größere Tsunami erreichte die Inseln 1960, in Folge eines gewaltigen Erdbebens vor der Küste von Chile.

Innerhalb von Minuten

Es gebe viele Orte auf der Welt, wo zerstörerische Tsunamiwellen die Strände und Küstenortschaften innerhalb von Minuten erreichen können, erläuterte Schäfer. In Folge des Tsunamis im Indischen Ozean von 2004 starben mehr als 226 000 Menschen, davon mehr als 550 Deutsche. Darüber hinaus hatte der Tsunami mehr als zehn Milliarden US-Dollar an Schäden zur Folge.

Auch im Mittelmeerraum um Griechenland und die Türkei gab es schon größere Tsunamis, wie in den Jahren 365 oder 1303 vor Kreta und Rhodos. Dort sind sie deutlich seltener als etwa in Chile, dennoch finden sich mehrere Reiseziele in der Region – wie Kreta oder Antalya – in der Top 100 des Risikoindexes wider.

„Das Beste, was Unternehmen und Gemeinden in der Nähe von Stränden tun können ist, sich angemessen vorzubereiten – zum Beispiel durch Notfall- und Evakuierungspläne“, sagte Schäfer. Er hoffe, dass der entwickelte Risikoindex einen ersten Schritt darstellt, „um die Wahrnehmung von möglichen Tsunamirisiken in einigen Orten zu stärken.“ zg