Bruhrainer Zeitung

Kundgebung Rund 480 Anhänger feiern Gastredner und AfD-Politiker Björn Höcke in Bruchsal / Menschenkette und Gegendemo ab dem Morgen größtenteils friedlich

Kurzer Höcke-Auftritt, langer Protest

Archivartikel

Bruchsal.Bei einer Kundgebung der AfD mit dem wegen rechter Äußerungen umstrittenen thüringischen Politiker Björn Höcke in Bruchsal hat es am Samstag einige Festnahmen und Leichtverletzte gegeben. Rund 1000 Gegendemonstranten standen nach Polizeiangaben 480 Anhängern der AfD gegenüber. Zehn Personen wurden vorübergehend festgenommen.

Kurz vor Ende der Veranstaltung kam es zu einer Auseinandersetzung, teilte die Polizei mit. Dabei habe ein AfD-Anhänger einem Teilnehmer des linken Spektrums Pfefferspray aus der Hand gerissen und versprüht, nachdem linke Demonstranten zuvor die AfD-Teilnehmer bedrängt haben sollen. Fünf herbeieilende Polizisten erlitten leichte Verletzungen. An anderer Stelle hatte zuvor ein Demonstrant versucht, eine Polizeiabsperrung zu überwinden. Die Beamten setzten Pfefferspray ein. Dabei wurden ein AfD-Teilnehmer und ein Polizist leicht verletzt.

Zehn Personen festgenommen

Insgesamt wurden laut Polizei sieben Platzverweise ausgesprochen. Wegen Straftaten wie Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Verstößen gegen das Vermummungsverbot wurden insgesamt zehn Personen, darunter neun Personen des linken Spektrums, festgenommen. Alle Beschuldigten kamen später wieder auf freien Fuß, müssen sich aber laut Polizei auf entsprechende strafrechtliche Konsequenzen einstellen.

AfD-Politiker Björn Höcke sprach sich bei der Veranstaltung unter dem Motto „Deutschlands Zukunft sichern“ gegen Zuwanderung von Flüchtlingen aus und forderte, „dass die Asylindustrie stillgelegt wird“. Deutschland befinde sich angesichts der Flüchtlingspolitik in einem absurden Zustand.

Während Höckes Rede machten die Gegendemonstranten mit Trommeln, Trillerpfeifen und Sprechchören ihren Protest deutlich. Immer wieder riefen sie: „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda.“ Rund 800 Beamte von Landes- und Bundespolizei waren nach Angaben eines Polizeisprechers im Einsatz. Auch sechs Hundeführer, acht Reiter und zwei Wasserwerfer standen bereit, um die beiden Lager zu trennen. Sie mussten aber nicht eingesetzt werden. „Das Konzept der Polizei, insbesondere die weiträumige Absperrung der Versammlungsörtlichkeit, ging auf“, so das Fazit des zuständigen Polizeidirektors Ralf Gerber.

Nur 20 Minuten unterwegs

Ein breites Bündnis „Wir für Menschlichkeit“ aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Künstlern und anderen gesellschaftlichen Gruppen hatte zu einer Menschenkette vor der Veranstaltung aufgerufen. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich mehr als 900 Frauen, Männer und Kinder daran. Bereits am Morgen versammelten sich die Teilnehmer der Menschenkette ausgehend vom Otto-Oppenheimer-Platz über die Kaiserstraße zur John-Bopp-Straße. Auch die vier weiteren Parallelversammlungen vor der AfD-Kundgebung mit insgesamt etwa 400 Teilnehmern verliefen störungsfrei, so die Polizei.

Begleitet von der Polizei setzte sich der Zug der AfD-Anhänger um kurz nach 17 Uhr auf der vorgegebenen Strecke in Bewegung. Bereits nach rund 20 Minuten kehrten die Teilnehmer zum Friedrichsplatz zurück, wo die Veranstaltung nach einer Abschlusskundgebung um 17.25 Uhr beendet wurde, teilte die Polizei mit. beju/lsw/pol