Bruhrainer Zeitung

OGA Bruchsal Die Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft arbeitet mit 250 landwirtschaftlichen Produzenten zusammen / Bei allen deutschen Handelskonzernen gelistet

Logistik für die Früchte unserer Region

Archivartikel

Bruhrain.Angefangen hat alles im Jahr 1935 als kleiner städtischer Obstmarkt, der den Kleinerzeugern der Region einen zentralen Absatz ihrer Produkte schaffen sollte. Heute gehört die Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft (OGA) Nordbaden am Standort Bruchsal mit ihrer Vertriebsorganisation OGV zu den großen Erzeugergenossenschaften für Obst und Gemüse in Deutschland. Dem Unternehmensverbund gehören insgesamt 250 Erzeugerbetriebe - viele liegen im Bruhrain - an, der Gesamtumsatz beläuft sich auf etwa 70 Millionen Euro.

Im Jahr 2008 hat das Unternehmen den Erzeugergroßmarkt Heidelberg-Bergstraße GmbH übernommen, ist dadurch noch weiter gewachsen. Besonders stolz ist Geschäftsführer Hans Lehar auf das neue Logistikzentrum in der Industriestraße in Bruchsal. In die neuen und hellen Räumlichkeiten ist das Unternehmen im Jahr 2015 umgezogen, in dem auch das 75-jährige Firmenjubiläum gefeiert wurde.

Hans Lehar ist seit dem Jahr 2000 Geschäftsführer des Unternehmens. Seine Erfahrungen im Vertrieb und Marketing hat er in verschiedenen Unternehmen der Markenartikelindustrie gesammelt. Er selbst ist auf einem landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb mit Beerenobstanbau aufgewachsen. Einen besonderen Bezug zur Obst- und Gemüseproduktion hat er deshalb schon von klein auf. Er kennt das mühsame Geldverdienen in der Landwirtschaft und sagt selbst: "Man muss das Produkt und seine Herstellung kennen, dann kann man sich auch damit identifizieren."

Regelmäßig bei den Erzeugern

Die Nähe zur Praxis hat er in den letzten Jahren nicht verloren, regelmäßig besuchen er und seine Mitarbeiter die Erzeugerbetriebe in der Region, um sich vor Ort auf den Höfen einen Überblick zu verschaffen. "Vor allem nach den Frostnächsten im Frühjahr war es uns wichtig, uns bei den Landwirten direkt vor Ort darüber zu informieren, wie schlimm die Situation tatsächlich ist", sagt Hans Lehar.

Das wichtigste Standbein der OGA ist der Absatz direkt an den Lebensmitteleinzelhandel. Die OGA Bruchsal beziehungsweise die angeschlossene Vertriebsorganisation OGV beliefert alle großen deutschen Handelskonzerne. Sie ist bundesweit als Lieferant gelistet. "Der Lebensmitteleinzelhandel ist unser Hauptabnehmer", erklärt Hans Lehar. "Außerdem vermarkten wir über den Obst- und Gemüsefachhandel und beliefern die städtischen Großmärkte." Die dritte Schiene der Genossenschaft ist die Vermarktung in die Verarbeitungsindustrie, dieses Standbein verliert allerdings nach und nach an Bedeutung.

Zwar ist Deutschland für die OGA der wichtigste Absatzmarkt, dennoch geht ein Teil des deutschen Obst und Gemüses auch in die Benelux-Staaten, nach England, Frankreich oder in die Schweiz. Und, die ein oder andere Nachfrage kommt hin und wieder auch aus Übersee. "Das betrifft vor allem den Spargel", berichtet Hans Lehar. "Oft fragen Köche aus großen Hotels an und dann schicken wir das Königsgemüse per Luftfracht." Überhaupt hat der Spargel bei der OGA eine große Bedeutung, knapp die Hälfte des Jahresumsatzes mache die Genossenschaft mit Spargel, erklärt der Geschäftsführer.

Von Rastatt bis nach Hessen

Die Betriebe der Landwirte, die Obst und Gemüse an die OGA liefern, erstrecken sich von Rastatt entlang des Rheins bis nach Oberhausen-Rheinhausen und weiter bis an die hessische Grenze. "Wie alle Erzeugergenossenschaften haben wir ein Stammeinzugsgebiet", erklärt Hans Lehar. "Daneben haben wir seit vielen Jahren auch große, spezialisierte Betriebe mit denen wir zusammenarbeiten, außerhalb Baden-Württembergs, in Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen." So könne die OGA ihre Kundschaft regional mit Ware beliefern.

In welcher Form und in welchem Gebinde die Erzeuger an die OGA selbst liefern, wird von der Genossenschaft bzw. den Kunden vorgegeben. Dafür bekommen die Landwirte Verpackung und Kartonage an die Hand. Bei Anlieferung erfolgt beim Wareneingang eine Qualitätskontrolle. Die Ware kommt entweder verkaufsfertig an den Standorten in Bruchsal und Heidelberg an oder wird nach Kundenwünschen in einer hochmodernen Packstation umgepackt. An insgesamt 19 Rampen können Lkw andocken, um Ware ein- oder auszuladen. Das Tor an der Laderampe macht den Weg frei zu einer riesigen, gekühlten Lagerhalle, in der die Umrisse von Lkw-Ladeflächen auf dem Boden eingezeichnet sind.

Hier wird die bestellte Ware vorbereitet, damit sie beim Eintreffen des LKW nur noch verladen werden muss. Oder, andersherum, für die weitere Lagerung. Das neue Logistikzentrum hat eine Größe von 40 000 Quadratmetern. Auf einer überdachten Fläche von 20 000 Quadratmetern finden Verwaltung, Kühlzonen, Packstationen und Lagerbereiche Platz.

"Wir haben hier im neuen Zentrum insgesamt 35 Kühlhäuser, alle auf dem neuesten technischen Stand", sagt Hans Lehar. "Wir können kühlen, befeuchten und CA-Lagerung durchführen." Die Buchstaben CA stehen für "controlled atmosphere". Eine Lagerung unter gesteuerter Atmosphäre, also niedriger Temperatur, hoher Luftfeuchte, niedrigem Sauerstoff- und erhöhtem Kohlenstoffdioxid-Gehalt, verzögert das Altern verderblicher Ware. Vor allem Äpfel kommen nach der Ernte oft in ein CA-Lager.

Die Äpfel sind auch die letzten Produkte der Saison, die das Lager in Bruchsal verlassen. Über Winter wird es für die 90 Mitarbeiter und die 60 bis 80 Aushilfen an den Standorten Heidelberg und Bruchsal dann etwas ruhiger, denn Wintergemüse hat die OGA derzeit noch nicht im Programm. Dafür alles andere, was in Deutschland so wächst und gedeiht, sagt Hans Lehar.

Umweltbewusst und nachhaltig

Besonderen Wert legt man auf die umweltbewusste und nachhaltige Unternehmensausrichtung. Neben Erzeugnissen aus überwiegend konventionellem Anbau werden auch Bio-Produkte angeboten - in den Produktbereichen, in denen es wirtschaftlich vertretbar ist. "Die Kühltechnik im Neubau wird ausschließlich mit umweltfreundlichen Kältemitteln betrieben. Mit Nutzung der entstehenden Abwärme aus den Kühlaggregaten, dem Einsatz energiesparender LED-Beleuchtungstechnik, der Erzeugung von Strom über die hauseigene Photovoltaikanlage sowie der generellen Verwendung von Ökostrom, leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt", sagt Hans Lehar.