Bruhrainer Zeitung

Botanischer Garten Im Kalthaus zeigen André Wischnewski und Jochen Hautzdorf zwei Installationen

Natur mit Kunst verzweigen

Archivartikel

Karlsruhe.Junge künstlerische Positionen in einem der Glashäuser des Botanischen Gartens Karlsruhe: In Kooperation der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg mit der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Karlsruhe sind jetzt zwei großformatige Werke von Jochen Hautzdorf und André Wischnewski in der ungewöhnlichen Umgebung des Kalthauses zu sehen. Die Ausstellung mit dem Titel „Brunnen umspielende Vegetation“ ist bis Sonntag, 7. Oktober zugänglich.

Dass moderne Kunst und historische Gebäude sich gut ergänzen, ist in den Schlössern und Klöstern des Landes immer wieder zu erleben: Regelmäßig bieten die historischen Mauern den Rahmen für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. „Wir suchen immer wieder diesen Dialog von Gegenwartskunst und Geschichte“, erklärt Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Zeitgenössische Kunst in der historischen Umgebung eines traditionsreichen Gartens, eines Klosters oder Schlosses – die spannungsreiche Kombination zieht sich durch das Programm: 2016 etwa gastierte die eindrucksvolle Installation „Silverio Rabbit“ von Natalja Ribovic, die monumentale Figur eines spiegelnden Hasen, im Ahnensaal von Schloss Rastatt und in weiteren Schlössern. In Schloss Ludwigsburg oder Kloster Schussenried bieten die barocken Ausstellungsräume regelmäßig Platz für zeitgenössische Kunst.

Pflanzen machen Platz

Der Ausstellungsort in Karlsruhe ist bezwingend: Das Kalthaus, einer der historischen Glasbauten des Botanischen Gartens, bietet im Sommer freie Flächen. Denn hier überwintern die zahlreichen exotischen Kübelpflanzen, die während der warmen Monate im Freien die Akzente setzen. Zum ersten Mal wird jetzt nach der in diesem Frühjahr abgeschlossenen Sanierung der Gewächshäuser des 19. Jahrhunderts (BZ berichtete) der eindrucksvolle Raum genutzt: Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und die Kunstakademie haben sich dafür zu einer Kooperation zusammengefunden.

Zu sehen sind ab sofort zwei großformatige Arbeiten, die sich mit der besonderen Situation des Raumes und der Gewächshäuser auseinandersetzen und sich in die Architektur des historischen Glasbaus perfekt einfügen. Die beiden Künstler, André Wischnewski und Jochen Hautzdorf, studieren aktuell an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Harald Klingelhöller, Fachbereich Bildhauerei.

Wischnewski greift die besondere akustische Situation des durchsichtigen Glashauses auf, das die Außenwelt zeigt und zugleich ihre Geräusche ausschließt. Er schafft akustische Diagramme aus Plexiglas, das er zu transparenten Formationen stapelt. Ästhetisch besonders reizvoll ist dabei, wie der Künstler die Transparenz des Glashauses im Plexiglas seiner Lautskulpturen aufnimmt. Und auch Hautzdorf greift Materialien und Formen des Gewächshauses auf: Metall und Pflanzen. Ein überdimensioniertes umgekehrtes Hufeisen aus Stahl wird zum Gerüst für Schlingpflanzen. zg