Bruhrainer Zeitung

3. Fußball-Liga KSC-Präsident Ingo Wellenreuther sieht andere Traditionsclubs als Aufstiegsfavoriten

Rückkehr ist (noch) kein Thema

Archivartikel

Karlsruhe.Das Wort „Aufstieg“ fiel auf der gestrigen Jahrespressekonferenz des Karlsruher SC nicht ein einziges Mal. Ganz im Gegenteil. „Wir wollen eine gute Saison spielen“, lautete die bescheidene Aussage von Sportdirektor Oliver Kreuzer. Der Fußball-Drittligist, der zum ersten Mal in seiner Geschichte ein zweites Jahr in der chronisch einkommensarmen Spielklasse überleben muss, sieht sich in der kommenden Saison im Wettbewerb mit den finanzstarken Auf- und Absteigern eher als Außenseiter. „Braunschweig, Kaiserslautern, 1860 München, Cottbus oder Uerdingen haben allesamt finanzkräftige Unterstützung im Rücken“, sagt KSC-Präsident Ingo Wellenreuther.

In Fabian Schleusener hat der KSC zudem seinen Top-Torjäger an den Zweitligister SV Sandhausen – den früheren Verein von Trainer Alois Schwartz – verloren, in Eigengewächs Marcel Mehlem noch einen weiteren Hoffnungsträger. Mit einem Etat von 4,5 Millionen Euro zählt der ehemalige UEFA-Pokal-Halbfinalist auch in Sachen Gehälter nicht zu den Spitzenteams der 3. Liga. Anders als noch im Vorjahr wird die Rückkehr in die 2. Bundesliga daher diesmal nicht öffentlich angepeilt. „Wir müssen uns alles hart erkämpfen“, räumt Wellenreuther ein: „Wir haben uns darauf geeinigt, in dieser Saison kein konkretes Ziel auszugeben.“

Neun Neuzugänge integrieren

Trainer Alois Schwartz, der seinen Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2020 verlängert hat, musste neun Neuzugänge plus drei Spieler aus der eigenen Jugend in sein Team integrieren. Am Ende der fünfwöchigen Vorbereitung fand er aber nur lobende Worte. „Was mir Freude macht, ist, wie schnell wir eine Mannschaft geworden sind. Mir ist nicht bange. Ich habe in den vergangenen Wochen ein sehr gutes Gefühl gehabt“, sagte er. Das bittere Aus in den beiden Aufstiegs-Relegationsspielen gegen Erzgebirge Aue scheinen er und die Mannschaft weggesteckt zu haben. Für Schwartz wird es nun darauf ankommen, neben der gewohnt stabilen Defensive auch ein zielstrebigeres Angriffsspiel zu entwickeln.

Der Versuch, den badischen Traditionsclub neu zu strukturieren und fit für die modernen Fußballzeiten zu machen, erhielt unlängst einen Dämpfer. Geschäftsführer Helmut Sandrock, der dieser Aufgabe seit rund einem Jahr nachging, reichte überraschend seine Kündigung ein. Den Weg, den der ehemalige DFB-Manager eingeschlagen hat, will die Führung des KSC aber nicht mehr verlassen. Das Präsidium reagierte schnell und installierte umgehend den bisherigen Marketingleiter Michael Becker als Nachfolger. Der ist der Sohn des ehemaligen KSC-Trainers Ede Becker. dpa