Bruhrainer Zeitung

Kernkraftwerk Fünf Behälter sollen radioaktiven Müll aus den Wiederaufbereitungsanlagen in den Bruhrain zurückbringen / Am Samstag gibt es dazu einen Infotag

Rücknahme der Castoren erregt die Gemüter

Bruhrain/Philippsburg.Die EnBW spricht von der "Erfüllung vertraglicher Pflichten" sowie der "Umsetzung des Konzepts der Bundesregierung" zur Einlagerung von radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich im Standort-Zwischenlager des Kernkraftwerks Philippsburg, als sie in der vergangenen Woche bekannt gab, den Antrag auf Einlagerung von fünf Castoren beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) einzureichen.

Zur Rücknahme der heimischen Abfälle aus der Wiederaufbereitung sind die Energieversorgungsunternehmen (EVU) laut Atomgesetz tatsächlich verpflichtet. Bis zum Inkrafttreten des Standortauswahlgesetzes 2014 war das zentrale Zwischenlager in Gorleben Anlaufstelle für aus Frankreich und England zurück zu nehmende Abfälle. Seither haben die Unternehmen selbst dafür Sorge zu tragen, dass "die aus der Aufarbeitung bestrahlter Kernbrennstoffe im Ausland stammenden verfestigten Spaltproduktlösungen (HAW1- und MAW2-Glaskokillen) zurückgenommen und in standortnahen Zwischenlagern aufbewahrt werden", wie Landesumweltminister Franz Untersteller erst jüngst im Bericht über die Entsorgung von radioaktiven Abfällen und abgebrannten Brennelementen aus Baden-Württemberg verdeutlichte.

Kretschmann hat es angeboten

In den Verhandlungen über das Standortauswahlgesetz zur Endlagersuche bot der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Zwischenlager Philippsburg übrigens selbst als Standort für die Castoren aus den französischen La Hague an. Dieses überraschende und nicht abgesprochene Angebot sorgte seinerzeit für kontroverse Diskussionen in Philippsburg, Oberhausen-Rheinhausen und den umliegenden Gemeinden.

Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus kündigte "zivilen Ungehorsam gegen die Einlagerung" an. Die EnBW als Betreiberin des Zwischenlagers wollte zunächst die gesetzliche Regelung und auch die Kostenfrage geklärt wissen. Denn der Castorentyp für die verglasten Abfälle war für die Lagerung in Philippsburg nicht vorgesehen und somit gibt es am Standort bisher auch keine technischen Einrichtungen zur Handhabung derselben, zum Beispiel im Reparaturfall.

Ein im Juni 2015 vorgelegtes Gesamtkonzept des Bundesumweltministeriums regelt sowohl die Standorte für die Rücknahme, unter anderem in Philippsburg, als auch die gesetzlichen Grundlagen. Demnach verfügt das Zwischenlager im KKP bereits über die Genehmigung "zur Aufbewahrung von Kernbrennstoffen", jedoch nicht über die Aufbewahrung verglaster Abfälle. Dies könne jedoch im Zuge einer Änderungsgenehmigung erfolgen.

Bund übernimmt Verantwortung

Das Bundesministerium verpflichtet sich in dem Vertrag, dass die Anträge "rechtzeitig beschieden werden". Mittlerweile konnte mit den Betreibern der Wiederaufbereitung in La Hague und im britischen Sellafield ein Aufschub vereinbart werden: statt 2017 würden die Castoren dann erst 2019 zurück genommen. Im Juni 2017 folgte dann das "Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung". Demnach gehen sämtliche Zwischenlager ab 1. Januar 2019 in die Verantwortung und Zuständigkeit des Bundes über, "so dass das Lager bereits in der Verantwortung des Staates liegen wird, wenn die Anlieferung erfolgt.

Weitere Eckdaten für den Transport stehen noch nicht fest.", teilt die EnBW in ihrer Pressemitteilung mit. Infolge des Kernenergieausstiegs reiche die Kapazität des Zwischenlagers für diese zusätzliche Einlager-ung aus, so die EnBW weiter. Das Standort-Zwischenlager in Philippsburg verfügt über 152 Stellplätze für Behälter mit verbrauchten Brennelementen. Davon werden jedoch, als Folge des vorzeitigen Ausstiegs aus der Kernenergie, nach aktueller Schätzung nur etwa 100 Plätze für die Zwischenlagerung der Brennelemente aus den beiden eigenen Kraftwerksblöcken benötigt. Die Unterbringung der voraussichtlich fünf Castoren aus Frankreich sei somit möglich. Aktuell befinden sich im Zwischenlager 60 beladene Behälter, so die EnBW abschließend.

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