Bruhrainer Zeitung

Theater Weihnachtsfrustschutz gilt es zu erklären / Manche können das bestens, wie an diesem Abend die Nessi / Lachtüte gefragt

Schönheit glänzt mit Hinterwitz

Philippsburg.Nessi Tausend-schön, die vor 54 Jahren als Annette Maria Marx in Hannover geboren wurde, entpuppte sich auf Leos Bühne in der Philippsburger Jugendstilfesthalle als Diseuse und Kabarettistin mit Hintersinn und tiefgreifendem Inhalt. Kongenial unterstützt wurde sie in ihrem Programm „Weihnachtsfrustschutz“ von dem Bonner Pianisten Markus Schinkel. Tausendschön verknüpfte bekannte Weihnachtsmelodien mit eigenen, teils sozial- und gesellschaftskritischen Untertönen. Voller Komik und dennoch mitunter mit versteckter politischer Brisanz wirbelte sie mit reichlich Schauspieltalent über die Bühne. Zu Beginn versprach sie einen „Parforce-Ritt durch die Weihnachtszeit“ - und hielt Wort. Die über 300 Besucher zeigten sich begeistert und forderten nach über zwei Stunden mit den Füßen stampfend weitere Zugaben. Sie hinterfragte, weshalb Weihnachten vor über zweitausend Jahren erfunden wurde und sich die Menschen heute noch daran erinnern können. Das Jesuskind wurde damals mit Myrrhe und Weihrauch beschenkt, wobei Nessi Tausendschön diesen Mythos mit der heutigen Zeit verglich. Sie übersetzte die Weihnachtsgeschichte in die Neuzeit und glänzte mit gesanglichen Interpretationen des bekannten Weihnachtslieds „Jingle Bell“ in unterschiedlichen Genres. Ob in der Haevy-Metal-Version oder als russische Volksweise - Nessi Tausendschön begeisterte das Publikum durch ihre spontane, musikalische Vielseitigkeit.

Nach der Pause entpuppte die Trägerin des Deutschen Kabarettpreises sowie des Deutschen Kleinkunstpreises als alkoholsüchtiger Schutzengel ihr schauspielerisches Talent und bekannte: „Ich habe versucht, meine Sorgen im Alkohol zu ertränken, aber die Sorgen konnten schwimmen“.