Bruhrainer Zeitung

Gefährliche Insektenpopulation Antworten auf eine Anfrage der Fraktion der Linken im Gemeinderat

Tigermücke mit Nachdruck bekämpfen

Karlsruhe.Die beiden Linken Stadträte Sabine Zürn und Niko Fostiropoulos haben bei der Stadtverwaltung nachgefragt, ob es stimme, dass es auf dem Gelände des Abfallamtes in der Karlsruher Ottostraße bereits ein Befall mit der als Krankheitsüberträgerin bekannten Tigermücke gebe. Die Verwaltung hat dazu mit Hilfe der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) und des Kries-Gesundheitsamtes einige interessante Antworten gegeben, die wir hier in Auszügen veröffentlichen.

Gibt es Erkenntnisse über die Ursachen des Vorkommens der Tigermücke auf dem Gelände?

Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine gesicherten Erkenntnisse. Denkbar ist eine Einschleppung über die unmittelbar angrenzende Autobahn A 5 durch Personenkraftwagen oder Lastkraftwagen aus Südeuropa, insbesondere Italien, wo die Tigermücke die höchste Populati-onsdichte Europas aufweist. Eine weitere mögliche Einschleppungsquelle könnte der Güterbahnhof sein, der ebenfalls unmittelbar an die Fundstellen angrenzt.

Deutet das Vorkommen darauf hin, dass weitere Standorte betroffen sind? Was unternimmt die Stadt?

Einen unmittelbaren direkten Bezug gibt es nicht. Die Tigermücken haben nach ihrer Einschleppung auf dem Gelände geeignete Brutstätten zu ihrer Vermehrung gefunden und wurden dann dort auffällig. Es besteht die Möglichkeit, dass durch die häufige An- und Abfahrt von Fahrzeugen die Tigermücken als "blinde Passagiere" weiterverschleppt werden. Auf dem Gelände, aber auch auf allen anderen Grundstücken des Industriegebietes wurden sämtliche potenziellen Brutstätten mit dem biologischen Bekämpfungsmittel Bti behandelt. Dabei handelt es sich um einen Proteinkomplex, der gezielt ausschließlich Mückenlarven abtötet und alle anderen Organismen unbeschadet lässt. Durch diese Behandlung wird erreicht, dass es in diesem Jahr zu keiner weiteren Entwicklung von Tigermücken kommen kann. Adulte Stechmücken wurden bei den Kontrollen bislang nicht entdeckt, wobei die Tigermückensaison auch zu Ende geht. Besitzer und Pächter der Grundstücke wurden persönlich und über Informationsflyer aufgeklärt, wie eine Vermehrung der Tigermücken zu verhindern ist.

Sind für das Personal besondere Schutzmaßnahmen erforderlich?

Der Betriebsärztliche Dienst hat vorgeschlagen, ein Insektenmittel mit dem Inhaltsstoff Icaridin 20 Prozent (beispielsweise Autan protection plus) empfohlen, dieses ist auch für tropische Mücken geeignet und darf sogar in der Schwangerschaft angewendet werden. Zudem muss jeder Stich einer Tigermücke im Verbandbuch dokumentiert werden, wenn er während der Arbeitszeit erfolgt ist. Es besteht das Angebot einer individuellen Beratung nach einem Mückenstich.

Die Tigermücke ist nachgewiesenermaßen Vektor für verschiedene tropische Viruserkrankungen, die auf den Mensch übertragen werden können. Bekannt sind insbesondere Denguefieber, Chikungunya und der Zikavirus. Hier besteht aus Sicht des Gesundheitsamtes jedoch aktuell in Deutschland noch keine relevante Infektionsgefahr, da derartige tropische Viruserkrankungen bisher nur sehr selten auf Reisen erworben werden. Oftmals befinden sich diese Patienten während der virämischen Phase, in der die Mücke das Virus überhaupt nur aus dem Blut des Erkrankten aufnehmen kann, noch im Ausland auf ihrer Reise oder in Deutschland in klinischer stationärer Behandlung. Damit ist die Wahrscheinlichkeit für eine Virusaufnahme durch eine Tigermücke derzeit extrem gering, so dass derzeit Infektionsrisiken für die Mitarbeitenden des Amtes für Abfallwirtschaft nicht gesehen werden.

Gibt es in der Region allgemein zugängliche Standorte, auf oder in denen besonders mit einer Besiedlung durch Tigermücken gerechnet werden muss?

Prinzipiell kann sich die Tigermücke überall ansiedeln. Die bisherigen Nachweise aus Baden-Württemberg zeigen, dass es oft suburbane Siedlungsbereiche mit hohem Gartenanteil, Kleingartenanlagen, Friedhöfe und Industriegebiete sind, die von ihr erfolgreich besiedelt werden.