Bruhrainer Zeitung

3. Fußball-Liga Einnahmen aus TV-Geldern zu gering / Verein muss bei Sach- und Personalkosten 2,5 Millionen Euro einsparen

Unruhige Zeiten beim Karlsruher SC

Karlsruhe.Der Schreibtisch am Eingang der Geschäftsstelle des Karlsruher SC ist verwaist. Früher begrüßte eine Empfangsdame die Besucher, in diesen unruhigen Tagen steht einfach ein Telefon auf einem Tischchen. Der Gast meldet sich selbst an. Die Szene wirkt bizarr, steht aber sinnbildlich für den Zustand des Fußballvereins. Der Verein muss Kosten einsparen, auch beim Personal.

Finanzielle Problemfelder sind aber derzeit nicht die einzigen Themen, mit denen sich die Badener beschäftigen müssen. Es ist kurios, dass der Deutsche Fußball-Bund die Begegnung mit dem SV Wehen Wiesbaden für Montag, 22. Oktober, 19 Uhr, angesetzt hat – den Abend der Mitgliederversammlung. Noch wehrt sich Oliver Kreuzer dagegen, die Versammlung zu verschieben. „Wenn ich jetzt einen Anruf kriege, dass wir an diesem Montag spielen müssen, dann können wir nicht anders“, sagte der Sportdirektor am Donnerstag. Er habe aber Signale bekommen, dass das Spiel verlegt werden könne.

„Nicht gut gestartet“

Der Start in die Drittliga-Saison erfreut die KSC-Fans mit nur einem Sieg in sechs Spielen und Rang 14 gar nicht. „Wir sind nicht gut gestartet, dazu stehen wir auch. Natürlich hatten wir uns viel mehr erhofft“, räumte Kreuzer ein und forderte mehr Effizienz. In der ersten Partie nach der Länderspielpause beim VfL Osnabrück am morgigen Samstag um 14 Uhr will es der frühere Erstligist besser machen. „Wir haben die Pause gut genutzt. Wir wollen wieder stabiler stehen“, kündigte Trainer Alois Schwartz an. „Das wird für uns wichtig sein.“ Schon in der vergangenen Saison wollte der KSC den Aufstieg schaffen, scheiterte aber in der Relegation. Deswegen fehlen dem Verein mindestens für ein weiteres Jahr etliche Millionen im Haushalt.

Deshalb muss der Traditionsclub rund 2,5 Millionen Euro an Sach- und Personalkosten in dieser Saison einsparen. Hierbei ist das Präsidium um Präsident Ingo Wellenreuther nach eigenen Worten den Vorschlägen seines ehemaligen Geschäftsführers Helmut Sandrock gefolgt, der sich nach nur einem Jahr wieder verabschiedet hat.

Rund 10 Millionen Euro jährlicher Einnahmen aus TV-Geldern wie in der 2. Liga stehen nur noch rund 800 000 Euro gegenüber. Mit der Hilfe von Vize-Präsident Günther Pilarsky und 2,7 Millionen Euro Einnahmen aus Transfers wurde der Verlust der vergangenen Saison ausgeglichen und soll nach Club-Angaben nun bei rund 85 000 Euro liegen.

Doch immer weniger Menschen im Umfeld des Vereins scheinen die enge Bindung an den 80 Jahre alten Milliardär Pilarsky und dessen klare Festlegung auf KSC-Präsident Wellenreuther als zukunftsträchtige Lösung anzusehen. „Zeit, dass sich was dreht. Zeit, dass Ingo geht“, sangen Fans zuletzt in Anlehnung an ein Lied von Herbert Grönemeyer.

Präsidiumswahlen stehen erst in einem Jahr an. Dennoch hat Rolf Dohmen bereits seine Ambitionen angekündigt. Der ehemalige KSC-Manager wurde noch zu Bundesligazeiten von der Fanszene zur Persona non grata erklärt, schon aus diesem Grund taugt er wohl kaum als Visionsgeber für die Zukunft.

Ein Lichtschimmer, an den sich der KSC langfristig klammern kann, ist die Hoffnung auf das neue Wildparkstadion. Der Bau soll nach jahrzehntelangem Tauziehen im Herbst 2019 beginnen. dpa