Bruhrainer Zeitung

Fünfte Jahreszeit Im Bruhrain wird die närrische Kampagne mit zahlreichen Veranstaltungen eröffnet / KaGe Narhalla macht die Arbeitsplatzvernichtung in der Stadt zum Ordensthema

Volker Ceh regiert jetzt Philippsburg

Philippsburg/Wiesental.Drei Arten von Blutsaugern gibt es in Philippsburg: Schnaken, Finanzbeamte und ab sofort auch Vampire. Das streng gehütete Geheimnis um den neuen Philippsburger Prinzen der KaGe Narhalla ist gelüftet: Volker Ceh regiert die Fasnachtskampagne 2017/18 als Prinz Philipp LXX. (der 70.) das lichtscheue Narrevolk. Stets unterstützt von seinen Pagen Jule Baumann und Rebecca Weis - Lietztere musste ihren Amtsantritt leider krankheitsbedingt verschieben. Wie überall im Bruhrain wurde am Samstag in Philippsburg die Kampagne mit viel Trara eröffnet - die Bruhrainer Zeitung war überall live dabei (weitere Berichte auf den nächsten Seiten).

Sabine Renkert ("die Allerscheenste") und Narhalla-Präsident Harald Weis ließen das Publikum zappeln: Der Neue ist ein Philippsburger aus der Kernstadt, er kraxelt gern in den Bergen und fährt sowohl Motorrad als auch Ski. Als KSC-Fan ist er selbst aktiver Fußballer gewesen und beruflich als Ingenieur erfolgreich. Die Prinzgemahlin Michaela Ceh war es, die ihren Frosch, vielmehr Vampir, vor acht Wochen zum Prinzen küsste, verriet der Präsident. 1989 auf dem Altweiberball in Wiesental hatte das Paar sich kennengelernt. Fasnacht steckt Beiden im Blut. Seit 2.2.2002 ist das hübsche Paar verheiratet. Mit Sohn Fabian als Trommler der KaGe und Tochter Annina bricht die Familie die Tradition der "Nicht-Fasnachter" endgültig.

Prinzgemahlin aus Wiesental

Unter den Gratulanten am Abend der Inthronisation waren weit angereiste Abordnungen von Karnevalsvereinen aus Weinheim, Oberöwisheim, Hambrücken und Rheinhausen. Außerdem die Rhosemer Stockriewe, die Philippsburger Geese und die Vorgänger-Prinzen. Besonders geehrt fühlen sich die Narren des Kienholzclubs Wiesental, wie Elferrat Kevin mit Blick auf die Prinzgemahlin, die aus Wiesental stammt, erzählt.

Bürgermeister Stefan Martus beglückwünschte den nun amtierenden Prinzen Volker Ceh. Er selbst habe unwissend die Urkunde zur Ernennung unterschreiben dürfen - wohl wissend, dass eine Blanko-Unterschrift alles hätte bedeuten können. So war Martus selbst in die Spekulation als Prinz-Anwärter geraten. Vorgänger Thomas Odenwald hatte in seinen Abschiedsworten nicht nur einen geheimen Umschlag mit seinem Tipp präsentiert, sondern auch einen Umriss seiner vergangenen Kampagne. So habe er sieben Premieren erlebt: die eigene Ehefrau fungierte als Page, es fand der erste Fasnachtsumzug in Philippsburg nur mit Fußgruppen statt und er wurde beim Rathaussturm zu Hause vergessen. Dafür hat Bürgermeister Martus diesen Tag nicht vergessen. So wurde er fast mit dem Prinzenzepter erschlagen. Damit dies nie wieder passiert, vermachte Odenwald dem Bürgermeister einen Schutzhelm. Dazu meinte Klaus Umstadt: "Jedem Narr sei Kapp, jedem Schelm sein Helm". Und damit er damit nicht alleine bleibt, versprach Martus die gesamte Elferratsriege mit dieser sinnvollen Kopfbedeckung auszustatten.

Tanzmariechen und Partymusik

Umstadt als Sitzungspräsident führte witzig durchs Programm. Fürs Auge waren die vier Garden der Narhalla mit ihren Tanzmariechen zu sehen und zu hören gab es Ballermann-Songs - seit 30 Jahren unterhält das Duo Guttenbacher das närrische Volk musikalisch. Eine wachsende Fangemeinde hat die Band "Tobbmaster Fitsch and the fabulous Fernando Horns" aus Wiesental. Gegründet am 11.11.2015 tobt die Stimmung bei jedem ihrer Auftritte. Bevor die Badner Schalmeien den kurzweiligen Abend gewohnt stimmungsvoll beendeten, wurde es gruselig: das Männerballett der KaGe Narhalla kroch mit dem Tanz der Vampire aus seinen Gräbern.

Der Wermutstropfen der Stadt ist auf dem Orden der Kampagne zu finden: "Wo sind unsere Arbeitsplätze?! heißt es bezogen auf die Schließung der Salm-Kaserne vor Jahren, des Goodyear-Reifenwerkes jetzt und auf den Rückbau des Kernkraftwerk Philippsburg in naher Zukunft.