Bruhrainer Zeitung

Ver.di Arbeitsniederlegung im Südwesten / Zur Kundgebung kommen 3500 Menschen / Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn

Warnstreiks treffen ins Mark

Region.Mehrere tausend Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes im Südwesten haben für mehr Geld ihre Arbeit in Krankenhäusern, Kindergärten oder beim Nahverkehr niedergelegt. Besonders betroffen waren am Dienstag der Großraum Karlsruhe, Südbaden, der Schwarzwald und die Bodenseeregion. Vor allem Pendler mussten sich nach Alternativen umschauen.

Annullierte Flüge, Straßenbahnen im Depot und geschlossene Kitas: In dem Konflikt sind bis Donnerstag bundesweit die Angestellten des öffentlichen Dienstes aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Im Südwesten beteiligten sich am Dienstag laut ver.di etwa 4000 Menschen an den Ausständen, die Polizei sprach von etwa 3500 bei einer Kundgebung in Karlsruhe.

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske verteidigte die Ausstände. „Mit der massiven Ausweitung der Streiks setzen wir in dieser Woche deutliche Signale an die Arbeitgeber“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Arbeitgeber sprachen von einer Schädigung der Volkswirtschaft. An sie gerichtet sagte Bsirske: „Wir erwarten, dass sie in der dritten Verhandlungsrunde ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen und damit eine gute Lösung am Verhandlungstisch ermöglichen.“ Die Gespräche für die 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen stehen am kommenden Sonntag und Montag, 15. und 16. April, in Potsdam an. Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro pro Monat.

800 Flüge gestrichen

Auch am heutigen Mittwoch sind im Südwesten Arbeitsniederlegungen in der Rhein-Neckar-Region, Reutlingen, Tübingen, Heilbronn und Ulm angekündigt, am Donnerstag in Stuttgart und Umgebung. In Baden-Württemberg betrifft der Tarifstreit rund 316 000 Beschäftigte in mehr als 800 Kommunen. Wegen der Warnstreiks strich die Lufthansa für Dienstag rund 800 Flüge. 90 000 Passagiere sollten von den Ausfällen betroffen sein. Auch Reisende am Stuttgarter Flughafen bekamen den Arbeitskampf zu spüren. Am Airport selbst wurde zwar nicht gestreikt, dafür aber an denen in Frankfurt, München, Köln und Bremen.

Der kommunale Arbeitgeberverband VKA hatte den Gewerkschaften vorgeworfen, weniger die Arbeitgeberseite als die Bevölkerung unter Druck zu setzen. Der Arbeitgeberverband BDA warf den Gewerkschaften eine massive Schädigung der Volkswirtschaft vor. dpa