Bruhrainer Zeitung

Im Interview Bürgermeister Martin Büchner kritisiert massiv die Einlagerung der fünf Castoren in Philippsburg / Größtmöglicher Schutz der Bevölkerung muss das Ziel sein

Zusagen der Politiker werden damit gebrochen

Oberhausen-Rheinhausen.Sollten die fünf Castoren mit wiederaufbereiteten, radioaktiven Abfällen aus deutschen Kernkraftwerken 2019 in Philippsburg zwischen gelagert werden, dann bekommt auch Oberhausen-Rheinhausen eine neue Nachbarschaft. Die Bruhrainer Zeitung hat deshalb beim Bürgermeister von Oberhausen-Rheinhausen, Martin Büchner (kleines Bild), nachgefragt, wie er zur Einlagerung weiterer Castoren in Sichtweite seiner Gemeinde steht.

Fünf Castoren mit hoch radioaktivem Abfall aus deutschen Kernkraftwerken aus der Wiederaufbereitung sollen nach Philippsburg kommen. Was sagt die Nachbargemeinde dazu?

Martin Büchner: Es ist sicherlich kein Freudentag zu erfahren, dass die EnBW Kernkraft GmbH einen Antrag zur Einleitung des Verfahrens zur Aufnahme der Brennstäbe aus La Hague beziehungsweise Sellafield in Philippsburg gestellt hat. Zwar haben die Verantwortlichen des Unternehmens immer betont, dass für die Rücklieferung der Brennstäbe Verträge mit dem Lager in Gorleben bestehen und man nicht danach dränge, die Behälter in Philippsburg aufzunehmen. Es wurde aber regelmäßig auf Nachfrage ein klares Bekenntnis dazu vermieden, dass man auf gar keinen Fall, die Behälter nach Philippsburg holen wird. Wieder einmal war und ist unsere Region ein Spielball der Absprachen zwischen Politik und Unternehmen. Dies trägt bei allem Wohlwollen, das die Beteiligten im Sachen Ultranet und Konverter gezeigt haben, nicht dazu bei, das Vertrauen zwischen EnBW, Politik auf der einen Seite und Kommune und Bevölkerung auf der anderen Seite zu verbessern. Erstaunlich ist auch, dass aus ursprünglich drei Castoren nun fünf Castoren wurden, die nach Philippsburg kommen sollen.

Wie wird Oberhausen-Rheinhausen reagieren?

Büchner: Wir gehen davon aus, dass die Gemeinden im Rahmen des Antragsverfahrens beteiligt werden und eine Stellungnahme abgeben können. Der Gemeinderat hat auch für eine anwaltliche Beratung im Verfahren Mittel bereitgestellt. Unser Ziel muss es sein, den größtmöglichen Schutz für die Bürgerinnen und Bürger unserer Region zu erreichen. Ob dafür ein zweiter Deckel auf den Castoren ausreichend ist oder ob in Philippsburg eine Anlage zur Reparatur der Behälter während der Einlagerung gebaut werden muss, wie sie heute bereits in Gorleben vorhanden ist, ist nur eine der Fragen, die im Zweifel vor Gericht geklärt werden müssen. An erster Stelle steht jedoch, dass mit der Antragstellung gleich zwei Zusagen von Politik und Antragsteller gebrochen werden.

Welche beiden Zusagen sind das denn?

Büchner: Erstens: Die Lagerung der aus La Hague und Sellafield zurückzunehmenden radioaktiven Abfälle findet nicht an den Kraftwerksstandorten statt. Zweitens: Das Zwischenlager am Standort Philippsburg dient einzig und allein der Unterbringung der Brennstäbe aus den dortigen Kraftwerksbetrieb.

Zwischenlager, Standort-Abfall-lager, nachträglich genehmigte Einlagerung der fünf Castoren und die Erweiterung des Gefahrstofflagers bei Germersheim - steigt die Gefahrenlage für ihre Gemeinde dadurch?

Büchner: Wenn wir die Aussage von Umweltminister Franz Untersteller nehmen, die dieser bei einer Beiratssitzung in Philippburg mehrfach geäußert hat, dann ist die Gefahr der Castoren aus der Wiederaufbereitung geringfügig im Vergleich zu den bereits vorhandenen Gefahren. Das mag physikalisch richtig sein, beruhigt jedoch keineswegs. Natürlich nimmt das Risiko eines Schadensereignisses mathematisch zu, wenn in der Region immer mehr Lager mit problematischen Stoffen entstehen. Wir müssen daher darauf Vertrauen, dass bei Schadensfällen entsprechende Notfallplanungen greifen, die eine Gefährdung der Bevölkerung ausschließen.

Wie sollte verantwortlich mit den Hinterlassenschaften der Kernenergie umgegangen werden?

Büchner: Auf diese Frage gibt es eigentlich keine Antwort. Am besten wäre es gewesen, wenn diese Abfälle überhaupt nicht entstanden wären. Nachdem sie aber nunmehr vorhanden sind, halte ich es persönlich für sinnvoller das Material so zu lagern, dass jederzeit ein Zugriff darauf besteht, wenn ein Castor undicht wird. Ein "Vergraben" wird sicherlich nie die maximale Sicherheit bieten. Die Kosten der Endlagerung werden damit den Gewinn, den die Unternehmen mit der Produktion von Strom aus Kernkraft erzielt haben, bei weitem überschreiten.