Adelsheim

„Gäässwärmerzunft Alleze“ Am Schmutzigen Donnerstag übernahm der bunte Gaudiwurm die Macht

„Der Narr ist Spezialist vor Ort“

Archivartikel

Adelsheim.Mit der Machtübernahme im Rathaus ging die Fastnacht am Schmutzigen Donnerstag bei der „Gäässwärmerzunft Alleze“ in die heiße Phase. Zuvor zog der bunte Gaudiwurm mit Gäässen, Hexen, Trachten, Elferrat und närrischem Gefolge unter den Klängen der Feuerwehr- und Stadtkapelle vom „Roten Platz“ in den Rathausinnenhof, um den Schultes samt hohem Rat aus dem Rathaus zu verbannen.

Zeremoniemeister Michael Sauter verlas die Kapitulationsurkunde, in der er den Stadtschulz und den Ratsherren aufforderte, sich dem närrischen Volk zu zeigen. Weiter gab er dem Oberbürgermeister und den Räten „der geliebten Stadt Alleze kund und zu wissen, dass das letzt’ Stündlein des selbstherrlichen Regimes geschlagen hat. Bis Aschermittwoch werden nun die Narren die Stadt regieren und die Rathausmannschaft solle fortan Gefangene des Humors und der Lebensfreude sein.“

Dass es sich bei den Narren um Spezialisten handelt, die künftig die Geschicke der Stadt leiten, wusste Michael Nied: „Im Wahljahr sollt’ man eins bedenken, auch Narren können bestens lenken, bearbeiten die Stadtgeschicht’. Wir stehen in der Bürgerpflicht – beim Narren gilt das Narrenwort. Der Narr ist Spezialist vor Ort!“

Sebastian Fuchs legt auf gute Straßen wert: „Un ob die Straßen sicher sin, schauen wir als Spezialisten hin.“ Robin Arns macht den Brückentest: „Do stelle dann die Elfer fest, ob d’ Brücke übers Seckachtal is gut gebaut und funktional, denn sie ist dann belastet sehr, vom Schraube-Würth seim Werksverkehr.“

Gabriel Kaminski sah Potenzial im Freizeit-Bereich: „Wenn d’ Sonne heiß wie Feuer brennt, die Gääss dann gern ins Schwimmbad rennt. So ist das Motto dieses Jahr, nur nimmt man momentan so wahr, dass man in unsren Tälern, Auen – bestrebt ist Hochwasser zu stauen. Wir Elfer ergreifen dann sofort, als Spezialisten hier das Wort – un schaun, weil wir des noch nie hatte, auf die nordbad’sche Seen-Platte.“

Gabriel Kaminski meinte zur neuen Allzweck-Sport- und Wettkampf-Zone auf dem Eckenberg: „Ja, wir sind fit, wir treiben Sport! Der Elferrat ist Spezialist vor Ort: mir losse dort die Gäässe grase, dann is doch scho mol weg de Rase.“ Dann forderten die Narren Bürgermeister Klaus Gramlich auf: „Rück ihn raus, den Tür-Schlüssel für das Rathaus, damit wir, die Zeit tut verrinne, schnellstens mit unsrem Job beginne!“

Nach der unblutigen Machtübernahme durch Elferrat, Gäässen und Hexen kapitulierte die Verwaltung und übergab den Narren Schlüssel und Schuldensack. Bürgermeister Klaus Gramlich konterte: „Mit Fleiß, mit Standhaftigkeit, mit Energie und Kraft, wurde in unserem Städtle gar manches geschafft. Und wenn ab jetzt die im Rathaus die Narren regieren, werden die Alleze sicherlich auch in eine gute Zukunft führen.“

Narrenbaum aufgestellt

Dann fieberte das närrische Volk ungeduldig der Aufstellung des Narrenbaums auf dem Marktplatz entgegen. Schließlich zog die illustre Schar zur Jakobskirche um dort den fastnachtlich geschmückten Narrenbaum abzuholen. Der närrische Zug führte unter den Klängen der Stadtkapelle durch die Marktstraße in die Seestadt, wo der Narrenbaum von den Bauhofmitarbeitern aufgestellt wurde und Ralf Ulrich verkündete: „Der Narreboom wurd’ uffgestellt, und närrisch ist die ganze Welt – am närrischste im ganze Land, ist Alleze am Seckachstrand“. Der alten Tradition entsprechend, tanzten die Fastnachter unter dem Narrenbaum zu den Klängen des Allezer Fastnachtsschlagers „Hopp-Karline“ und den Besuchern bot sich ein farbenprächtiges Bild.

Nachdem Frau Balzele (Cristina Hoarca) dem Schattenkabinett der Stadt und den kommunalen Räten, den Aktiven und Elferräten grobgünstig den Schnaps eingeschenkt hatte, verlas Michael Sauter die Urkunde zum „Gäässwärmer“, die an den schrecklichen Seestadtbrand im Jahr 1864 erinnert und den Gäässwärmern ihren Namen gab: „In alten Zeiten meldet der Chronist, ein harter Winter gewesen ist. Damit die Gääss nicht leidet große Pein, machte der Balzele ein Feuerlein – dies aber wär auserkommen, und Stall und Gääss sind elend verbronnen“.

Symbolisch wurde die „Allezer Gääss“ entfacht: „Die Seestadt brennt, un a die Gääss, jetzt wird es alle Narre heeß, die Stimmung steigt, der Jolly lacht, in Alleze is Fasenacht!“ Im hellen Glanz des Gäässefeuers zog es die Fastnachter in die Tiefgarage des neuen Rathauses und der Abend nahm im „Gäässekeller“ seinen Lauf.

Noch bis in die Morgenstunden erklang der Fastnachtsschlager: „Mir gehen heut nacht noch lang net heem.“