Adelsheim

Vortrag im Kulturzentrum Heimatforscher Albert Rückert referierte und zeigte Fotos / Landfrauen kredenzten Grünkern

Detailgetreuer Blick in die Geschichte des Baulandes

Adelsheim.Die gute Stube der Stadt Adelsheim, das Kulturzentrum, platzte am Freitagabend aus allen Nähten. Die städtische Bücherei, unter der Leitung von Petra Berger, lud ein zum Vortrag von Heimatforscher Albert Rückert: „Das Bauland, unsere Heimat.“

Wie Menschen früher gelebt haben

Durch den Grünkern, das Korn des Dinkels, das halbreif geerntet und unmittelbar darauf künstlich getrocknet wird, wurde das Bauland bekannt. Der Landfrauenverein Bauland mit seiner Vorsitzenden Inge Schneider kredenzte Köstlichkeiten aus Grünkern. Günter Wörner und Albert Rückert zeigten mit Fotos aus dem Stadtarchiv, wie die Menschen früher hier gelebt haben.

Petra Berger begrüßte die Besucher und zeigte sich erfreut darüber, dass so viele mit ihrem Kommen ihr Interesse an der Geschichte des Baulands bekunden.

Albert Rückert zitierte zu Beginn Eduard Fontaine mit den Worten: „Seine Heimat kann nur derjenige wahrhaft lieben, der sie kennt.“ Das Bauland sei eine Landschaft im Nordosten von Baden-Württemberg und liege zwischen Odenwald, Tauber, Jagst und Neckar und erstrecke sich über Teile des Main-Tauber-Kreises, des Neckar-Odenwald-Kreises und tangiere den Hohenlohekreis, sowie den Landkreis Heilbronn.

Das Gelände des Baulands sei flach und nur leicht hügelig, mit weiten Ackerflächen, die man gut bewirtschaften könne. Die früher fast nur von der Landwirtschaft lebende Bevölkerung musste ein dürftiges und bescheidenes Leben führen. Das Essen bestand im Sommer meist aus Sauermilch mit Brot oder Kartoffeln, sowie aus Mehlspeisen und Salat.

Im Winter gab es meist Hülsenfrüchte, geräuchertes Fleisch, Kohlrabi, und alle Sorten von Kraut. Mit Wasser oder Most löschte man seinen Durst. Bier gab es äußerst selten, höchstens an Sonn- oder Festtagen. Was heute von Gourmets geschätzt werde und einen guten Ruf für naturbelassene Lebensmittel genieße, sei der Grünkern, dessen Ursprung eindeutig hier im Bauland liege. Dessen Entstehung könne man bis ins Jahr 1660 zurückverfolgen.

Der Grünkern sei eigentlich durch Zufall, aufgrund von Missernten, entdeckt worden. Durch verregnete, stürmische und nasskalte Sommer sei das halbreife Getreide zu Boden gedrückt worden und das Korn verdarb. Da oft große Hungersnot herrschte, kamen die Bauern notgedrungen, um die Ernte nicht zu verlieren, auf die Idee, den grünen Spelz bereits während der Milchreife, das heißt, 14 Tage vor der Vollreife, zu ernten, wobei der Spelz, zunächst am Korn blieb.

Vom Spelz befreit wurde das Korn gedörrt und nach dem Trocknen oder Dörren in den Handel gebracht. Sehr gut erhaltene Grünkerndarren finde man heute noch im Herzen des Baulandes, in Altheim und Sindolsheim. Selbst Hildegard von Bingen fand vor rund 850 Jahren nur lobende Worte für den Dinkel: „Er ist kräftig und milder als alle anderen Arten.“

Die ersten Besiedler des Baulandes seien die Kelten gewesen, die jedoch 400 vor Christus den Germanen weichen mussten. Die Germanen mussten danach Platz machen, denn am Rhein und an der Donau schoben die Römer ihr Imperium immer weiter vor. Vieles im Bauland weise auf die 200- jährige Herrschaft der Römer hin.

„Seligental“ entstand 1236

260 Jahre nach Christus mussten die Römer den „Alemannen“ weichen. Diese wurden 497 nach Christus in der Schlacht bei „Zülpich“ von den Franken besiegt. Die Franken, unsere Vorfahren, leiteten eine beachtliche Kolonisation ein und es entstanden Dörfer mit den Endungen „ingen“ und „heim“. Mit den Franken sei auch das Christentum in die Region gekommen. So könne man als Vorboten zur Christianisierung im siebten und achten Jahrhundert die Entstehung der Klöster Amorbach und Mosbach bewerten.

Im Jahr 1236 entstand das Frauenkloster „Seligental“, von Konrad und Mathilde von Dürn erbaut. Das Christentum sei nun endgültig im hiesigen Raum angekommen. Im Dreißigjährigen Krieg hatte das Bauland, ganz besonders die an den bedeutenden Durchgangsstraßen liegenden Orte wie zum Beispiel Adelsheim, vielfach unter Belagerungen und Plünderungen von durchziehenden Truppen zu leiden. Im Zuge dieses Krieges habe es viele Opfer, Seuchen und Hungersnöte gegeben. Das Frauenkloster „Seligental“ habe unter diesem Krieg so gelitten, dass es aufgelöst werden musste. Beim „Augsburger Religionsfrieden“ im Jahr 1555 wurde den Anhängern Luthers die Gleichberechtigung zugestanden. Es zeigte sich im hiesigen fränkischen Raum eine oft krasse Abgrenzung katholischer und reformierter Ortschaften. So wurden reformiert: Adelsheim, Sennfeld, Bödigheim, Sindolsheim, Eberstadt und Bofsheim, katholisch blieben: Schlierstadt, Götzingen, Rinschheim, Hettingen und Buchen.

1803 kam es zur Bildung des Fürstentums Leiningen, zu dem auch Adelsheim gehörte. Am 12. Juli 1806, infolge der Konförderaktionsakte des Rheinbundes, ging das Gebiet an Baden. Die Abdankung von Kaiser Franz II., der seit 1792 regierte, erfolgte am 6. August 1806 und besiegelte das Ende des „Alten Reiches“.

Das Bezirksamt wurde im Jahre 1828 nach Adelsheim verlegt, zuvor war es in Osterburken. Aus der wirtschaftlichen Notlage entstand der „Bauernkrieg“ 1525. Georg Metzler, Ochsenwirt aus Ballenberg, wurde zum Anführer der aufständischen Bauern. Götz von Berlichingen übernahm die Führung des „hellen Odenwälder Haufens“. Die Bauern zogen über Walldürn, Plünderung des Amtshauses, Plünderung des Klosters Amorbach und brannten die „Wildenburg“ nieder. Das Heer des schwäbischen Bundes besiegte am 2. Juni 1525 bei Königshofen in einem furchtbaren Blutbad die aufständischen Bauern. Die Zahl der Toten habe zwischen 4000 und 6000 gelegen. Die Situation der Bauern sei nicht besser geworden, weshalb es im Jahr 1848 zur einer Bauernerhebung im hiesigen Raum kam, wobei Schlösser und Zehntämter erstürmt wurden.

Im Jahre 1863 gab es eine neue Gebietseinteilung, wobei das badische Staatsgebiet in elf Kreise eingeteilt wurde, die wiederum mehrere Bezirksämter umfasste.

Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Heidelberg-Mosbach-Osterburken-Würzburg sei ein neues Zeitalter eingeleitet worden. Im Jahr 1824 kam es zu einer weiteren Verwaltungsreform, von welcher der Baulandkreis Adelsheim mit seinen 34 Gemeinden und rund 14 000 Einwohnern profitierte.

Im Zuge der Kreisreform wurde Mosbach der Sitz des am 1. Januar 1973 neu geschaffenen Neckar-Odenwald-Kreis, der bis heute, auch durch die Autobahn 81 Heilbronn-Würzburg, einen Aufschwung in allen Lebensbereichen zu verzeichnen habe. Im Jahr 1983 entstand auf der Gemarkung Osterburken das erste interkommunale Gewerbegebiet (RIO) in Baden-Württemberg. Heute verdienen im RIO rund 800 Menschen ihr tägliches Brot. jüh