Adelsheim

Konzert in Adelsheim Pauline Heck überzeugte mit zahlreichen Solo-Gesangseinlagen / Tropische Temperaturen und breitgefächertes Repertoire

Fetter Bigband-Sound und heiße Rhythmen

Archivartikel

Heiße Rhythmen und fetten Bigband-Sound gab es am Dienstagabend mit nahezu tropischen Temperaturen beim Konzert der EBG-Big-Band im Schlossgraben.

Adelsheim. Traditionell bildet das Schlossgrabenkonzert der jungen Musiktalente alljährlich den Höhepunkt und gleichzeitig den krönenden Abschluss des Schuljahres, bevor sich Schüler und Lehrer in die Sommerferien verabschieden. Auf dem Programm standen wie immer Jazz, Swing, R&B und Funk. Bernd Landwehr, ein Allroundtalent als Sänger und Moderator, führte wieder mit viel Witz und Humor durchs zweistündige Programm.

Brillanter Auftakt

Einen brillanten Auftakt bildete das „Muppetshow-Thema“ in einem Arrangement von Jerry Nowak. Hier ließen Bandleader Norbert Schinacher und die Bigband nicht nur die Puppen tanzen, sondern drehten an ihren Instrumenten gleich richtig auf. Mit „Groove Merchant“ präsentierte die Band ein „Rock-Groove-Gospel“ des Komponisten Jerome Richardson, einem begnadeten Jazzmusiker, der mit vielen Musikgrößen zusammen arbeitete. Die Soli übernahmen Christoph Bohn (Posaune) und Johannes Häussler (Trompete).

Weiter ging es mit „Burritos to Go“ von Victor López, einem originalen Latin-Rock, der in mittlerem Tempo gespielt wurde, wobei Janine Baumgartner und Evelyn Weiß die Solos am Saxophon übernahmen, begleitet von Dominik Läpple (E-Gitarre) und Jonas Matter (Drums).

Mit „I’m so excited“ gelang nicht nur den Pointer Sisters mit diesem Welthit im Jahr 1982 der Durchbruch, sondern auch der EBG-Big-Band mit ihrer brillanten Sängerin Pauline Heck sowie Dominik Schneider am Piano und Dominik Läpple an der E-Gitarre. Dann folgte ein Jazzstandard mit „Cantaloupe Island“. Das Stück ist eine Standardübung für jeden Jazzmusiker, 1964 von Herbie Hancock erdacht, wobei der Funk unverkennbar und nicht zu überhören war. Solisten waren Dirk Ernst (Trompete), Dominik Schneider (Piano) und Frederic Patka (Tenorsax).

Als nächstes spielte die Bigband „Wonderwall“, ein Stück von Paul Anka, aber hier war etwas anders, denn normalerweise ist es Anka, der Sachen erfindet. Das folgende „Wonderwall“ hat er 2005 von Oasis gecovert. Noel Gallagher sagte einmal, es gehe dabei um einen imaginären Freund, der kommt, und einen vor sich selbst rettet. Später kam dann heraus, dass es sich wohl eher um seine Jugendliebe gehandelt hat. Dennoch: „Wonderwall“ darf man nicht einfach so übersetzen, denn die Bedeutung entspricht eher so etwas wie „Zauberwesen“, „Rückhalt“. Den Sologesang übernahm Bernd Landwehr, begleitet von Evelyn Weiß am Altsax.

Dem folgte mit dem „Worksong“ von Nathaniel Adderley ein weiterer großer Jazz-Standard mit den Solisten Celistine Kranixfeld (Flöte), Johannes Häussler (Trompete) und Evelyn Weis (Altsax). Besonders lobenswert war hier die Leichtigkeit quer durch alle Register, mit der die Musiktalente diesen schwierigen Standard ablieferten, der in der Regel bei Schülerbands aufgrund der extrem hohen Anforderungen nicht zu hören ist.

Bei „Ain’t no Sunshine“ sang Pauline Heck die Bigband-Version eines Stücks von Bill Withers. Inspiriert war er von einem Film, bei dem zwei Alkoholiker zwischen starken und schwachen Momenten hin und her wechseln. Es gab diese großartige einprägsame Stelle mit ganz vielen „I know, I know, I know“ – bei der Studioaufnahme wollte er eigentlich einen anderen Text an der Stelle haben, aber alle Anwesenden sagten im Prinzip „leave it, leave it, leave it“ und so blieb es. Das Lied war auf der B-Seite der damaligen Schallplatte, wurde aber deutlich erfolgreicher als das Lied auf der A-Seite.

Das Arrangement stammte von einem Kollegen von Norbert Schinacher und weil dieser immer auf der Suche nach neuen Stücken ist, hat er mit seiner Bigband die Coverversion von Stefan Merkl einstudiert.

Der Keyboarder von „Toto“, David Paich, schrieb „Africa“, dessen instrumentale Version die Bigband spielte. Anfang der 1980er sah er eine Late-Night-Doku und war so sehr entsetzt, von all dem, was er da sah. So bewegt schrieb er ein Lied über die Geschichte eines Mannes, der sich zwischen einem Mädchen und dem wundervollen Land entscheiden muss, verliebt hat er sich aber in beide. Bei diesem Stück wirkten zahlreiche Solisten in den verschiedenen Registern mit. Vor der Pause zeigte sich die Bigband mit ihrer Sängerin Pauline Heck noch einmal von der Schokoladenseite beim Ohrwurm und Evergreen „Ich will keine Schokolade“ von Trude Herr im unverkennbaren Bigband-Sound.

Inoffizielle Hymne

Mit „Everybody Needs Somebody“, dem Rhythm-and-Blues-Song aus dem Film „Blues Brothers“, und einem Saxofon-Solo von Evelyn Weiß eröffnete die Bigband den zweiten Konzertteil, gefolgt von der Swing-Nummer aus den 1970ern, die eigentlich durch Liza Minelli bekannt geworden ist, es aber durch den unvergesslichen Frank Sinatra zur inoffiziellen Hymne der New York Yankees geworden ist, nämlich „New York, New York“ mit einer Gesangseinlage von Bernd Landwehr.

Der nächste Song „Locked out of Heaven“ war von Bruno Mars. Die Band hat ja bereits einige seiner Stücke im Repertoire. Er erzählte einmal, dass er es gemacht hat wie immer: er nahm die Gitarre, summte vor sich hin und ein paar Minuten später kam diese Melodie heraus. Ein wenig Text dazu und schon hat man einen Hit.

Bei „Smooth Operator“ sang Pauline Heck über die Geschichte vom Leben eines modischen Mannes, der seinen Jetset-Lebensstil voll auskostete, bei den Damen sehr beliebt war und sie ausnutzte und sich an deren Reichtum bediente. Die Soli am Saxofon übernahmen Etienne Zinkel und Frederic Patka. Ein gänsehauterzeugendes Solo lieferte Simon Stewner bei „The Chicken“ ab. Nicht weniger beeindruckend war das groovende Rhythmusverständnis von Jonas Ams am Bass und Philipp Hess am Schlagzeug. Dem folgte der Mambo „Sway“ des mexikanischen Komponisten Pablo Beltran Ruiz mit einer gefühlvollen Gesangseinlage von Pauline Heck. Dann ging es mit „Welcome to the Jungle“ zurück ins Jahr 1987. Axl Rose kam auf die Idee, dass der Großstadt-Jungle von Los Angeles und insbesondere seine dunklen Seiten große Ähnlichkeiten mit einem echten Jungle haben. In der Adaption von Paul Murtha spielten die Musiker eine Version für Bigband mit großartiger Lautmalerei und Solos von Janine Baumgartner (Sax) und Dominik Läpple (E-Gitarre). In der folgenden Soft-Rock-Ballade von Billy Joel „Just the way you are“ machte dieser seiner Angebeteten eine Liebeserklärung: Er liebe sie genauso wie sie sei, mit all ihren Fehlern. Er sagt ihr, sie solle „nicht versuchen, sich zu verändern, um mir zu gefallen, da du mich bislang noch nie enttäuscht hast“. Sie brauche keine neue Mode und keine neue Haarfarbe, bleib einfach wie du bist…

Zum Abschluss des Bigband-Konzertes sangen Pauline Heck und Bernd Landwehr in einem beeindruckenden Duett den Welthit „Uptown Funk“ von Bruno Mars und Mark Ronson. Langanhaltender Beifall forderte von der Bigband noch mehrere Zugaben wie „Y.M.C.A“, „Birdland“ und natürlich den Selbstläufer „Wrap it Up“, der alljährlich das traditionelle Ende des Bigband-Konzertes bildet. Ein Dank galt Baron Louis von Adelsheim für die Überlassung des Schlossgrabens, Bandleader Norbert Schinacher, allen Musikern, den Ehemaligen, die die Band regelmäßig unterstützen, Technikern vor und hinter den Kulissen und natürlich der SMV für die Bewirtung im Schlosshof. jüh