Adelsheim

Musikerlebnis der Spitzenklasse Landesjugendorchesters Baden-Württemberg gastierte in der Adelsheimer Eckenberg-Halle

Glanzvolle Leistung der jungen Solisten

"Standing Ovations" gab es für ein hervorragend gelungenes Herbstkonzert des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg in Adelsheim.

Adelsheim. Wer am Freitag, den 3. November, zum Besuch des Konzerts des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg in die Eckenberg-Halle gekommen war, dem stand ein Musikerlebnis der Spitzenklasse bevor. Die jungen Musiker und Musikerinnen des Landesjugendorchesters unter der Leitung von Christoph Altstaedt boten bei ihrem ersten Auftritt nach einer gut einwöchigen Arbeitsphase auf Schloss Kapfenburg ein meisterliches Konzert der Extraklasse.

Bürgermeister Klaus Gramlich begrüßte im Namen von "Kultur in Adelsheim - Konzertgemeinde" die zahlreichen Gäste und brachte seine Freude zum Ausdruck, dass dieses jugendliche Sinfonieorchester mit seinem Konzert das Highlight im musikalischen Jahresprogramm der Stadt bilde.

Roberts Schumanns "Ouvertüre, Scherzo und Finale op. 52" stand am Anfang eines außergewöhnlichen Konzertprogramms. Das Orchester beeindruckte bereits im ersten Satz mit einer klaren Melodieführung, die abwechselnd durch Streicher und Holzbläser übernommen wurde. Mit sicherem Dirigat lenkte Christoph Altstaedt seine Musiker auch durch den zweiten Satz, dessen rhythmisch bewegte Muster vom Orchester gut auslegt wurden, ehe ein majestätisch volltönendes Finale das leicht zu hörende Werk gekonnt zum Abschluss brachte.

Und weiter ging es mit "Nobody knows de trouble I see". Das Konzert für Trompete und Orchester von Bernd Alois Zimmermann mag den einen oder anderen Zuhörer befremdet haben, denn die ungewohnte Stilmischung aus Jazz, Zwölftonmusik und Choral, mit der Zimmermann seine Solidarität mit den unterdrückten Afroamerikanern während der Rassenunruhen zum Ausdruck brachte, war keine gefällige Mixtur. Elegisch klagend, impulsiv und rhythmisch akzentuiert steigerte sich sein Unbehagen bis hin zur schrillen Gewalt-Apokalypse einer aus den Fugen geratenen Jam-Session, bevor das Thema des originalen Spirituals choralartig endete. Simon Höfele spielte auf der Trompete die hochvirtuose Herausforderung beeindruckend souverän.

Atonale Frage bleibt offen

Das Auftaktstück nach der Pause war Charles Ives' mystisches Orchesterwerk "The Unanswered Question". Die Streicher - als "schweigende Druiden" - spinnen zarteste Sphärenharmonien, im Hintergrund stellte die Solotrompete ihre hartnäckige atonale Frage.

Diese beantworteten die im Besuchermittelgang stehende Holzbläser zunächst gelassen, dann immer unbefriedigender und letztendlich in ihrer an Verzweiflung grenzenden Dringlichkeit stets chaotischer und schriller. Schließlich wurde die Frage ein letztes Mal wiederholt, blieb aber ohne Antwort und das Schweigen der Druiden klang leise aus. Das war es schon. Runde sechs Minuten für eine unbeantwortete Kernfrage, bei der man sich bis hin zu der Frage nach dem Sinn des Lebens, wie Ives selbst anregte, denken kann. Dieser vieldeutige Dialog wurde entsprechend geheimnisvoll und dabei äußerst klangschön umgesetzt.

Nach der radikalen Einfachheit von Ives folgte Robert Schumann mit der Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97. Im Herbst 1850 übersiedelte Schumann als neuer Musikdirektor nach Düsseldorf. Von der Begeisterung getragen, schrieb er in nur zwei Monaten seine 3. Sinfonie, die den Beinamen "Rheinische" erhielt.

Das 1851 uraufgeführte Werk fasziniert mit archaischem Tonfall und verschiedenen Wechseln, denn vom Volkslied bis zum Choral sind alle musikalischen Ausdrucksformen zu entdecken. Schon mit dem wie aus dem Nichts hervorbrechenden 1. Satz gestalteten die Musiker Lebensfreude pur. Das Orchester betonte die vorantreibenden Aufschwünge als lebendigen Fluss mit Tiefe ohne Schwere. Zwischen Idylle und unbeschwertem Ländler wurde das Scherzo angelegt.

Überwältigendes Erlebnis

Buchstäblich ernst wurde es mit dem "feierlichen" Satz. Mit einem Tuttischlag beginnend ließ der Bläserchoral den Kölner Dom vor dem inneren Auge entstehen. Meisterlich und fröhlich dahintreibend führten die Musiker mit dem Finale wieder in die unbeschwerte Welt des 1. Satzes zurück. Wow - was für ein überwältigendes und unvergessliches Resonanzerlebnis!

Und wenn man glaubte, das war schon alles, wurde man mit einem weiteren Klangerlebnis überrascht. Die über 80 Musiker machten deutlich, dass sie nicht nur ihre Instrumente meisterhaft beherrschen, sondern zeigten mit dem Lied "Der Mond ist aufgegangen" nach dem Gedicht von Matthias Claudius ihr gesangliches Talent. Ein gebührender Abschluss im Reformationsjahr 2017, denn das Lied, das Abraham Peter Schulz 1790 mit einer einfachen Melodie versah, gilt als ein Inbegriff protestantischer Glaubenserfahrung. Über den gesamten Konzertabends wurden die Freunde klassischer Musik mitgerissen von einem professionell dargebotenen Programm. Spielfreude und ein hervorragendes Zusammenspiel zeichnete die Darbietung aus. Das Orchester zeigte unter der einfühlsamen Stabführung von Christoph Altstaedt ein Niveau, das den Vergleich mit großen Profi-Orchestern nicht zu scheuen braucht.

Und das Publikum, das mit wachsender Spannung dem musikalischen Geschehen gefolgt war und bereits nach jedem Stück reichlich Beifall gespendet hatte, war am Ende nicht mehr zu halten. Die ganze Spannung entlud sich in schier nicht enden wollenden Standing Ovations. Es war ein wahrlich verdienter Beifall für eine exzellente Spitzenleistung.