Adelsheim

In Adelsheim Christel Woelke feiert am Sonntag ihren 90. Geburtstag im Kreis ihrer Familie, mit Freunden und Weggefährten

Jubilarin nimmt rege am öffentlichen Leben teil

Archivartikel

Adelsheim.Bei bester Gesundheit feiert Christel Woelke am Sonntag ihren 90. Geburtstag. Sie erblickte am 26. Mai 1929 in Sommerau/Westpreußen als drittes von vier Kindern auf einem Bauernhof das Licht der Welt. Dort wuchs sie in behüteten Verhältnissen auf, bis sie im Alter von 13 Jahren ihren Vater verlor.

In ihrem Heimatort besuchte sie die Volksschule und wurde in der dortigen Kirche konfirmiert. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges mussten die beiden älteren Brüder in den Krieg und Christel Woelke der Mutter bei der Bewirtschaftung des Bauernhofes helfen. Ihr jüngster Bruder Manfred wuchs während dieser Zeit in der Obhut der Familie auf.

Im Januar 1945 wurde die Familie bei eisiger Kälte vertrieben. Es waren ausschließlich Frauen und Kinder, die sich mit Pferd und Wagen auf den Weg in Richtung Westen begaben. Als Flüchtlinge sind sie im Frühjahr nur bis Stolp in Pommern gekommen, weil die russische Armee dort war und die Familie am Weiterreisen hinderte. Unter Zwangsarbeit mussten sie dort zwei Jahre bleiben.

„Es war eine sehr schwierige Zeit“, so Christel Woelke im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf einem Gutshof mussten alle Frauen und Kinder, die dort waren, barfuß die Felder bewirtschaften und die Ernte einholen, da alle Männer im Krieg waren. Es gab keine Nahrungsmittel, und jeder war auf sich selbst gestellt und musste schauen, wo er etwas zum essen bekam. Während der gesamten Zeit gab es Übergriffe auf die Frauen.

1947 gingen Transporte, die durch Polen organisiert wurden, in den Westen. In Viehwagen wurden die Familien von Stolp aus nach Görlitz transportiert. Bruder Horst weilte derzeit schon als Kriegsversehrter in Delmenhorst und konnte der Familie eine Nachricht zukommen lassen, dass er auf sie wartet.

In Görlitz saß die Familie dann erneut fest und musste ein Jahr warten, bis sie über die Zonengrenze kam. Nach vielen Umwegen und unter großen Strapazen erreichte sie schließlich Delmenhorst.

Es dauerte einige Jahre, bis sich der Alltag wieder einstellte. Auf der Flucht lernte Christel Woelke ihren späteren Mann Ekkehard kennen, hat ihn aber kurz darauf wieder aus den Augen verloren. Durchs Rote Kreuz hat sie ihn 1948 wiedergefunden. Er war zwischenzeitlich in Essen in einer Zeche und arbeitete dort, um Geld zu verdienen, damit er nach der Heirat am 9. Juli 1954 eine Familie gründen konnte.

Ekkehard Woelke war zwölf Jahre stolzer Bergmann, bevor die Kinder Freddy und Petra geboren wurden. 1963 zog die junge Familie nach Adelsheim, wo der Vater in der Agria Arbeit bekam, bevor Sohn Klaus das Licht der Welt erblickte. Schon kurz darauf errichtete man ein schönes Eigenheim in der Ostpreußenstraße.

Nach einigen Jahren zog der jüngste Bruder von Christel Woelke ebenfalls nach Adelsheim. Dort erlebte die Familie viele schönen Jahre, aber auch einen schweren Schicksalsschlag.

Das Ehepaar Woelke engagierte sich über Jahrzehnte beim Sportfischerverein und beide waren die treibende Kraft bei Fischerball und Fischerfest.

2012 fuhr die gesamte Familie mit Kindern und Enkelkindern in die Heimat von Christel und Ekkehard Woelke nach Ostpreußen, wobei die Erzählungen der Großeltern lebendig wurden. Ein weiterer Schicksalsschlag war für Christel Woelke der Tod ihres Ehemannes Ekkehard im Jahr 2013. Seit 2017 bewohnt sie eine geräumige Wohnung in einer Wohnanlage in der Unteren Austraße, wo sie sich sehr wohl fühlt und täglich selbst versorgt.

Sie genießt die Gemeinschaft mit den Mitbewohnern, besucht regelmäßig Veranstaltungen und nimmt rege am öffentlichen Leben teil.

Ihren heutigen Ehrentag begeht sie im Kreis ihrer Familie, Freunde und Weggefährten. Zu den Gratulanten zählen drei Kinder, vier Enkelkinder, und auch die FN schließen sich der großen Schar der Gratulanten an. jüh