Adelsheim

Lieben heißt dienen

Archivartikel

Dies Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“

Wochenspruch aus 1. Johannes 4,21

Von der Liebe spricht dieser Vers. Es ist dieses inflationär gebrauchte Wort, das oft mit Gefühl oder Gemeinschaft verwechselt wird. Liebe aber ist im tiefsten Sinne Dienst. Dienst an Gott und Dienst am Menschen.

Liebe ist immer eine Wechselbeziehung. Worin die Liebe zu Gott, also Gottesdienst besteht, sagen uns die ersten drei Gebote. Aber bevor wir Gott lieben, geht uns immer die göttliche Liebe voraus. Unsere Liebe zu Gott ist deshalb dankbare Antwort oder Echo auf das, was Gott uns längst geschenkt hat. Und weil Gott uns bedingungslos bejaht hat in seiner Liebe, uns nicht nur das Leben, sondern auch die Möglichkeit der Versöhnung immer wieder neu schenkt, wollen wir Gott über alles stellen, um nichts anderes zum Götzen werden zu lassen, weder einen Menschen noch eine Idee noch irgendwelchen Besitz. Das andere ist die Ehrfurcht vor Gottes Namen und den Sonntag so zu heiligen, dass wir Gott und sein Wort und Sakrament an uns dienen bzw. wirken lassen.

Dies alles ist nicht unabhängig von Gefühl und Lust, sondern dies schulden wir Gott aus Dankbarkeit, dass er uns in Christus erlöst hat. Wer das mit Freude praktiziert wird darin keine Last empfinden, sondern wird davon wie von einer Kraftquelle getragen werden.

Das andere ist dann die Liebe zum Menschen, dem Dienst zum Menschen. Dazu kann zum Beispiel gehören einen Kranken oder Sterbenden zu pflegen, eigene oder fremde Kinder zu erziehen, ihnen Werte mit hinein ins Leben zu geben oder bei dem Menschen, dem man für dieses Leben die Treue versprochen hat, auszuharren, auch wenn die Rahmenbedingungen sich ändern.

Dienst am Menschen – darauf weisen die Gebote 4 bis 10: Nicht nur das Böse zu unterlassen, sondern das Gute zu suchen; das heißt, dem Nächsten nicht nur keinen Schaden zufügen, sondern ihm so zu helfen, dass sich seine Lebenssituation verbessert. Das alles macht Mühe. Lieben heißt deshalb: Dienen. Und das macht Mühe. Das ist dann auch ein Gegenprogramm zu dem, was landläufig als Liebe bezeichnet wird. Es ist kein verordnetes Gemeinschaftsgefühl, kein unverbindliches „Seid nett zueinander!“, sondern manchmal eben auch ein Ertragen, Erdulden, Erleiden.

Dienst am Menschen muss nichts Außergewöhnliches sein, sondern geschieht häufig im alltäglichen Erfüllen der Pflicht gegenüber den Menschen, die einem beruflich oder privat anvertraut sind. Ganz so wie es in dem Hauptlied für den Sonntag heißt „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr…“ EG 397,2 „Damit ich’s brauch zum Lobe dein, zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, wollst mir dein Gnade geben.“