Adelsheim

Besuch in der Jugendvollzugsanstalt Fraktionsvorsitzender Andreas Schwarz und Jürgen Filius machten sich vor Ort ein Bild

„Sanierungsbedarf ist offensichtlich“

Archivartikel

Vertreter der Landes-Grünen machten sich vor Ort ein Bild vom Stand der Sanierungsarbeiten an der Justizvollzugsanstalt Adelsheim.

Adelsheim. In der Jugendvollzugsanstalt Adelsheim (JVA) wird moderner Strafvollzug mit schulischer, beruflicher, ausbildungsbegleitender und kultureller Integration von jungen Strafgefangenen mit großem Engagement praktiziert. Um dies alles in die Tat umsetzen zu können, sind neben Justizvollzugsbeamten, Psychologen, Pädagogen und Sozialarbeitern auch Gebäude in einer angemessenen baulichen Substanz erforderlich. Das sei im Moment nicht mehr gegeben, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, Andreas Schwarz (MdL), und der Strafvollzugsbeauftragte der grünen Landtagsfraktion, Jürgen Filius, die der JVA einen Besuch abstatteten.

Probleme mit Rost und Undichte

Beide Politiker verschafften sich vor Ort einen persönlichen Einblick über die bereits getätigten Baumaßnahmen und davon, welche Notwendigkeiten Anstaltsleitung und Personalrat noch sehen. Bausachbearbeiter Dietmar Stern erklärte im Gespräch mit der FN, dass die Gebäude der JVA von 1972 bis 1974 zum Großteil in Betonbauweise errichtet wurden. Die Werkbetriebe entstanden von 1974 bis 1976.

Die Bausubstanz sei in die Jahre gekommen. Die schlechte Isolation habe zu Undichtigkeitsproblemen bei den Flachdächern geführt, Versorgungsleitungen seien verrostet. Die erste Phase der Sanierung begann Ende 2014, so Stern. Nach einem „Masterplan“, der in Zusammenarbeit mit dem Hochbauamt und der JVA erstellt wurde, sei geplant, die Haftgebäude nacheinander abzureißen und diese nach dem Konzept des Wohngruppenvollzugs zu ersetzen. Das Küchengebäude weise die meisten Schäden auf. Mitte nächstens Jahres sei geplant, eine Interimsküche mit Containern zu errichten, erklärte Stern.

Interimsküche im Container

Nach dem Rundgang der beiden Politiker, unter anderem mit der Anstaltsleiterin, Leitende Regierungsdirektorin Katja Fritsche, ihrem Stellvertreter, Oberregierungsrat Niklas Blanke, Staatsanwältin Dr. Natalia Sterz, Amtsrat Klaus Brauch-Dylla, Bürgermeister Klaus Gramlich (Adelsheim), Vorsitzender des Anstaltsbeirates fand ein Abschlussgespräch statt. „Ich wollte mir einen hautnahen Einblick in die Arbeit des Jugendvollzugs machen“, erklärte Andreas Schwarz dabei. „Gerade als Fraktionsvorsitzender ist es mir wichtig, alle Themenfelder der Landespolitik zu bearbeiten“.

Sozialpolitik als Prävention

Schwarz ging danach auf das Projekt „ReSo“ ein und erläuterte es. Bildung sei in der JVA sehr wichtig. Die Digitalisierungsthemen würden unterstützt. Es gebe mehr schwerwiegende Fälle der Jugendkriminalität, obwohl diese insgesamt zurück gehe. Aktive Familien- und Bildungspolitik sei die beste Prävention, stellte Schwarz fest. „Sie wollen hier den Jugendlichen ein besseres Leben geben und ihnen etwas für ihr späteres Leben mitgeben. Dabei ist die schulische Ausbildung wichtig“.

Die Grünen hätten Wertschätzung für die Arbeit, die in der JVA geleistet werde. Wir wissen, dass bei der Justiz weitere Stellen benötigt werden und wir unterstützen dies“, betonte der Fraktionsvorsitzende.

Jürgen Filius stellte fest: „Sie machen hier einen guten Job.“ Doch der Sanierungsbedarf sei offensichtlich. Katja Fritsche bedanke sich bei den beiden Politikern, den Mitarbeitern und den Mitgliedern des Anstaltsbeirates für ihre Unterstützung. „Wir müssen dran bleiben, dass die JVA weiter saniert wird, insbesondere im Bereich der Gefangenenunterbringung, damit wir unseren gesetzlichen Erziehungsauftrag noch besser umsetzen können, insbesondere durch die Errichtung von Wohngruppen für Gefangene.“

Sie begrüße es sehr, dass sich die beiden Landtagspolitiker ein Bild vor Ort gemacht hätten und gezeigt haben, dass sie sich auch um die kümmern, die keine „Lobby“ haben, nämlich „um die jungen Menschen, die aufgrund ihrer Defizite zu einer Haftstrafe verurteilt wurden“ so Fritsche. Jeder Euro, der in einen jungen Menschen, ob vor oder hinter der Mauer, investiert werde, rechne sich, „insbesondere wenn es gelingt, diese jungen Menschen auf den richtigen Weg zu bringen und so der Gesellschaft zu nutzen, statt dem Sozialsystem weiter zur Last zu fallen“, resümierte Katja Fritsche.

Auf den richtigen Weg bringen

„Ich find es gut, dass Sie hier ihre Eindrücke vor Ort gesammelt haben“, sagte Bürgermeister Gramlich. „Die Rahmenbedingungen sind jetzt besser, bringen Sie das weiter nach Stuttgart“. Das Stadtoberhaupt dankte allen Bediensteten, die trotz widriger Umstände ihre Arbeit leisteten. Man habe in Adelsheim noch nie Probleme mit der JVA gehabt. Sie sei eine wichtige Einrichtung und auch eine Chance für die Menschen, einen Arbeitsplatz zu finden, so Gramlich. jüh