Adelsheim

Lesung in Möckmühl Der deutsch-kanadische Schriftsteller Ulrich Schaffer stellte „Herzens-Werte“ vor

Verletzlich bleiben und ein Leben ohne „Warum“

Archivartikel

Möckmühl.Viele interessierte Zuhörer kamen zur Lesung von Ulrich Schaffer nach Möckmühl.

„Die Lesung habe ich sehr genossen“, meinte ein 63-jähriger Besucher. „Ulrich Schaffer kann mit seinen Texten genau das ausdrücken, was ich in meinem Inneren spüre“ sagte daraufhin Karl Jäger.

Er kennt den deutsch-kanadischen Künstler schon lange und hat ihn 2014 bis 2016 auf seinen Lesereisen unterstützt.

Dadurch sind auch in Möckmühl Freundschaften entstanden und so kam er wieder in die Evangelische Freikirche, bei der Schaffer nun zum siebten Mal zu Gast ist.

Seit über 40 Jahren unterwegs

Seit über 40 Jahren reist der preisgekrönte Lyriker von der malerischen Steilküste bei Vancouver jährlich nach Europa und hat die 1500. Lesung bereits hinter sich. Es ist eindrücklich, mit welcher Leichtigkeit und sanfter Poesie die Worte zu seinen Zuhörern fließen. Im persönlichen Gespräch ist der leidenschaftliche Fotograf ganz seinem Gegenüber zugewandt. Und er liebt den Gedankenaustausch im Anschluss an die Lesung. Die Rahmenbedingungen an diesem Sonntag passten: Der Himmel beschenkte alle Angereisten mit bestem Sonnenwetter. So stand dem Genuss von Buffet-Häppchen im Gemeindehaus-Gartens nichts im Wege.

„Entdecken, was wirklich zählt“

„Herzens-Werte – Entdecken was wirklich zählt“ lautete das diesjährige Thema, so wie auch Schaffers neues Buch. Besitz, Ansehen, Titel und viel „Kohle“ – den wichtigen, aber ebenso zweifelhaften Werten der Gesellschaft in der heutigen Zeit setzt der deutsch-kanadische Schriftsteller schließlich insgesamt neun alternative Herzens-Werte entgegen. Allen voran die beiden grundsätzlichen Erkenntnisse, dass jeder einzelne Mensch ein einzigartiges Wunder ist, sowie die Notwendigkeit des „gegenwärtig sein“. Mit Verletzbarkeit setzte Ulrich Schaffer ein Gegengewicht zum „Starken und Frechen“, hinter dem sich oft Unsicherheit verbirgt. „Als verwundete Heiler können wir das Herz unserer Mitmenschen öffnen“, sagte er. Weitere erstrebenswerte Werte sind für ihn die Bereitschaft, als Suchende in einem ständigen Prozess zu bleiben anstatt abgeklärt zu sein; sowie Fierceness, die brennende Leidenschaft in einer Null-Bock-Welt, in der Begeisterung uncool geworden ist. Die HerzensWerte sechs bis neun illustriert Schaffer mit anschaulichen Beispielen: Sterblichkeit integrieren, die Gelassenheit üben und ein Leben ohne Warum. Dies bedeute kein Aufgeben, sondern das „Ausstrecken nach einer anderen Wirklichkeit“.

Geschenk der Schöpfung

Es könnte sein, dass 2018 nicht seine letzte Lesereise sein wird. Das kirchliche Team der Bundesgartenschau 2019 hat den großen Naturliebhaber für nächstes Jahr nach Heilbronn eingeladen, um auf der BUGA über dasGeschenk der Schöpfung und die damit verbundene Verantwortung zu sprechen.