Adelsheim

Weihnachtsbasar in der JVA Erzeugnisse des „Vollzuglichen Arbeitswesens“ stießen auf lebhaftes Interesse / Holzarbeiten aus der Kreativwerkstatt

Weihnachtsdorf mit viel Handgefertigtem

Archivartikel

Adelsheim.Beim 39. Weihnachtsbasar der Jugendvollzugsanstalt Adelsheim (JVA) am Wochenende wurde den zahlreichen Besuchern aus Nah- und Fern ein großes Weihnachtsdorf geboten.

Das Weihnachtsdorf in der JVA lud mit liebevoll geschmückten Weihnachtsbuden, festlichen Dekorationsideen und handgefertigten Gebrauchsgegenständen zum Träumen und Verweilen ein. Mittlerweile ist der Basar nicht nur fester Bestandteil im Leben des Vollzugs, sondern auch ein Besuchermagnet. Weiterhin dient er aber auch als Treffpunkt für ehemalige Insassen, Pensionäre und Bedienstete der Vollzugsanstalt.

Aktionsstände für Kinder

Für das leibliche Wohl der Besucher sorgten die Ausbildungsbetriebe der Küche, Metzgerei und Bäckerei. Neben einem leckeren Mittagessen konnten die Besucher auch frisch gebackene Krapfen und verschiedene Kuchen probieren und mit nach Hause nehmen. Kinder unterhielten sich mit verschiedenen Spielen oder an den Aktionsständen. Nicht fehlen durfte am Sonntagnachmittag der Nikolaus in Begleitung eines Weihnachtsengels.

Im Eingangsbereich des Basars wartete das „Vollzugliche Arbeitswesen“ (VAW) mit zahlreichen Attraktionen für Kinder auf, wobei das in der Schreinerei produzierte übergroße Geduldsspiel, eine Wurfbude und der Sandspielkasten, welcher von jungen Gefangenen im Rahmen der Ausbildung hergestellt wird, die Kinder magisch anzogen.

Die von Häftlingen hergestellten Skulpturen aus der Schlosserei waren ebenfalls ein echter Blickfang. Zahlreiche Werkstücke aus den verschiedenen Betrieben waren zum Verkauf ausgestellt. Die in der Schreinerei gefertigten Vogelhäuser, Hocker und Vesperbretter waren bei den Besuchern ebenso beliebt wie die Gläserbeschriftungen, Holzschilder und Bilder aus der Malerei, die verschiedenen Dekorationsartikel aus den Metallbetrieben und die vielfältigen Blechschilder aus der Schlosserei für den heimischen Garten.

Die Mitarbeiter des VAW führten den Besuchern das Leistungsspektrum der Ausbildungsbetriebe hinter den Mauern vor. Der Geschäftsführer des VAW, Tobias Kniel, erklärte, dass Arbeit, berufliche und schulische Bildung in erster Linie der beruflichen und sozialen Integration der Inhaftierten dienen. Durch diese Behandlungsmaßnahmen soll die Persönlichkeitsentwicklung, insbesondere das Selbstwertgefühl und das Sozialverhalten der Gefangenen, nachhaltig beeinflusst werden.

Eine sinnvolle Beschäftigung der Gefangenen, mit entsprechenden Aufträgen der Wirtschaft, der öffentlichen Hand und von Privatkunden ist daher für eine erfolgreiche Resozialisierung von zentraler Bedeutung. Die Arbeitspädagogischen Gruppen (APG), als weitere Betriebe des VAW, stellen ebenfalls ihre Arbeiten vor. Es gebe zwei arbeitspädagogische Gruppen, so deren Leiter Oliver Pysik und Dirk Henninger. In einer Gruppe werde fast ausschließlich mit Holz gearbeitet, wie zum Beispiel Produkte für den weihnachtlichen Gabentisch. Durch diese Arbeit sollen die Insassen an die Arbeit herangeführt werden, weil sie fast noch nie in einem Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis standen.

Spezielle Fachkenntnisse

In der zweiten Gruppe, auch Kreativwerkstatt bezeichnet, werden leichtere Holzarbeiten, Tonarbeiten, sowie Bastel- und Gestaltungstechnik vermittelt, so Oliver Pysik im Gespräch. Ebenso konnten wiederum Weihnachtssterne aus der Gärtnerei erworben werden. In der JVA werden außerdem verschiedene „Freizeitgruppen“ angeboten, die von Ehrenamtlichen geleitet werden und spezielle Fachkenntnisse vermitteln.

Die Teilnahme in diesen Freizeitgruppen bietet einerseits Spaß und Entspannung, fordert andererseits auch eine hohe Konzentration und Durchhaltevermögen bei der Ausführung kreativer Arbeit, erklärte Freizeitpädagogin Irmtraud Friedlein im Gespräch. Das gemeinsame Miteinander an der Gestaltung und Entwicklung neuer Ideen vermittle dem Gefangenen eine neue Erfahrung, die ihm Anerkennung und Wertschätzung einbringe.

Der Jugendliche entdecke möglicherweise neue Talente, neue Interessen und könne sich so in seiner Entwicklung neu orientieren. Viele Gefangene seien auch deshalb straffällig geworden, weil sie mit der Gestaltung ihrer freien Zeit nicht umgehen konnten. Deshalb versuche man in einem vielfältigen Angebot neue Möglichkeiten und Wege aufzuzeigen.

Neben sportlichen und musischen Aktivitäten sei die kreative, handwerkliche und künstlerische Tätigkeit ein besonderer bedeutsamer Bereich, so die Freizeitpädagogin weiter. Weihnachtliche Dekorationen wurden wieder in großer Auswahl unter der bewährten Leitung von Hilde Kilian angefertigt.

Weiterhin stellten noch die Freizeitgruppen „Wollstube“ (Annemarie Neufert) und „Nähatelier“ (Hanna Himpel) ihre gefertigten Produkte aus. Da im vergangenen Jahr das Recyceln von Jeans großen Anklang fand, wurde dies noch einmal aufgegriffen und mit Kaffeesäcken ergänzt.

In der Projektgruppe unter der Leitung von Linda Ullrich, Anna Porrmann und Jeanine Mühlbeyer wurden viele Ideen mit ganz unterschiedlichen Materialien für das Adelsheimer Herbstfest umgesetzt.

Eigene Ideen entwickeln

Für den Basar entstanden wieder einige schriftliche Erzeugnisse wie der Sprüchekalender sowie ein weiteres Kochbuch.

Die Insassen können hier eigene Ideen entwickeln und diese gemeinsam unter fachlicher Anleitung verwirklichen, erklärte Linda Ullrich im Gespräch. Bärbel Bernlöhr leitet die Freizeitgruppe „Papierkram“. Aus Druckpapier und Papier von alten Büchern wurden neue Notizbücher, Visitenkarten, Engel und Dekorationsartikel gefertigt.

Die JVA-Schule war ebenfalls mit einem Stand vertreten und bot Gewürzbücher, Gewürzöle und Gewürzsalze sowie Weihnachtskarten, Wachsmalstifte und Schmuckanhänger an. Neu in diesem Jahr war die Mitwirkung des Projekt PPC im Haus E1, welche den Erlös ihrer Erzeugnisse dem Tierheim in Dallau spenden. jüh