Ahorn

„Refugium“ Gemeinsame Aktion mit dem Rotary-Club Bad Mergentheim / Die Gärten in Schillingstadt nehmen Form an

Bäume pflanzen für soziale Integration und Nachhaltigkeit

Archivartikel

Schillingstadt.Am Ortsrand der Gemeinde gehen die Arbeiten zur Entstehung einer Begegnungsstätte mit Café und verschiedenen Gärten voran. In 2500 Arbeitsstunden, die Flüchtlinge mit einheimischen Ehrenamtlichen im Integrationsprojekt des Vereins „Refugium“ leisteten, wurde die ehemalige Hausmülldeponie für die geplanten Gärten vorbereitet: Das zugewachsene 1,5 Hektar große Gelände wurde zum Teil gerodet und durchforstet. Die verbliebenen Bäume werden in den neu entstehenden Garten integriert; Wege wurden mit dem Bagger abgelegt und geschottert. Die entstehenden „Weltgärten“ sollen später der Öffentlichkeit für Feste und Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Jetzt informierten sich die Rotarier aus Bad Mergentheim über dieses besondere Projekt.

Die Rotarier stifteten 58 Bäume. „Die Zahl 58 steht für die Zahl unserer Mitglieder“, erklärte Präsident Johannes Ulrich. Der Gedanke für dieses Hands-on-Projekt wurde nach einem Aufruf des Weltpräsidenten der Rotarier, Ian Riseley, gefasst, der jeden Rotarier aufgefordert hatte, während seiner Präsidentschaft einen Baum zu pflanzen. So solle der Gedanke der Nachhaltigkeit und die Schaffung des Bewusstseins für ökologische Belange weiter gestärkt werden. Nun war Riseley trotz persönlicher Einladung nicht in Schillingstadt dabei, aber man stand in Kontakt und der Weltpräsident zeigte sich erfreut über die besondere Idee mit dieser Aktion.

Die Bäume wurden dem Verein nicht nur zur Verfügung gestellt, die Rotarier wollten sie selbst mit den Flüchtlingen pflanzen.

„Etwa 20 Flüchtlinge aus sieben Nationen haben hier bereits mitgewirkt“, berichtete Dr. Steffen Schürle, Vorsitzender von „Refugium“. „Der Verein und das Projekt sind für die Flüchtlinge oft der einzige Berührungspunkt zur deutschen Bevölkerung – gemeinsam zu arbeiten, deutsch zu sprechen und sich auszutauschen schafft Bereicherung für beide Seiten. Und mit unserer Übungsfirma geben wir ihnen die Chance zur besseren beruflichen und gesellschaftlichen Integration“, so Schürle weiter. Die Flüchtlinge seien froh, für ein paar Tage in der Woche aus ihren Unterkünften kommen. Die Aufwandsentschädigung von 80 Cent/Stunde sei zwar gering, jedoch schöpften viele durch die gemeinschaftliche Arbeit in der Natur wieder Kraft, Hoffnung und Selbstbewusstsein.

„Mit der Zusammenarbeit der Neuankömmlinge haben wir überwiegend positive Erfahrungen gesammelt. Doch jeder Einzelne bringt seine Geschichte mit, das darf man nicht vergessen“, erläuterte Dr. Schürle den Rotariern. Es gab neben vielen motivierten Mitarbeitern auch einzelne Migranten, die das Projekt wieder verlassen mussten. Exemplarisch berichtete er über die Flucht des aus Kamerun stammenden Emmanuel: „Er ist Christ und Prediger einer baptistischen Kirche. Aus religiösen Gründen musste er fliehen. Während seiner Flucht verbrachte er allein in Libyen sechs Wochen in einem Käfig. Dort musste er Vergewaltigungen der Miliz zuschauen und sah Menschen sterben. So schlimm die Vergangenheit vieler Flüchtlinge oft auch ist, umso bewundernswerter ist die oft herzensoffene und anpackende Art dieser Menschen. Viele können zu wertvollen Mitgliedern unserer Gesellschaft werden, dabei brauchen sie Unterstützung“, so Dr. Schürle weiter.

Bei der Begehung der Baustelle wurde auch über Pläne und Visionen von „Refugium“ diskutiert. „Es soll nicht nur ein orientalischer Garten entstehen, sondern Gärten aus aller Welt“. Die Vision sei, mit den Themengärten an einem Nachmittag in verschiedene Welten eintauchen zu können. Ein japanischer Garten, ein germanischer Garten mit mystischen Elementen und ein Waldgarten seien geplant. Konkret solle es aber auch Beschäftigungsmöglichkeiten für die Einheimische und Flüchtlinge geben: Nach der Fertigstellung der Gärten und des Cafés, sollen Flüchtlinge und Einheimische bei der Gartenarbeit und dem Betrieb der Begegnungsstätte zusammenarbeiten. Und das wird sicher auch eine gastronomische Bereicherung für die Region.

„Die Frauen der Flüchtlinge sind Meisterköche“, schwärmt jetzt schon Vorstandsmitglied Susanne Nakajima. Die Location solle aber auch für Veranstaltungen aller Art genutzt werden können. „Damit soll das Projekt sich auch ökonomisch tragen“, so Dr. Schürle. Auch für Kooperationen mit Schulen oder für andere Veranstaltungen und Seminare sei der Verein offen. „Hier soll ein schöner Ort der Begegnung mit viel unterschiedlichen Ideen für die ganze Bevölkerung entstehen.“

Mit Spaten und Pickel gewappnet, machten sich nach einem Essen alle auf, die gestifteten Bäume zu pflanzen. Ob Flüchtling, Rotarier oder Vereinsmitglied – alle packten kräftig mit an. Die ursprüngliche Vision des Projekts, „Integration pflanzen und wachsen lassen“, ist mit der Baumpflanzaktion ein gutes Stück weitergekommen.

Die Bevölkerung hat im Juni die Möglichkeit, beim landesweiten „Tag der offenen Gartentüre“ sich über Garten und Projekt zu informieren. Im Sommer soll der Startschuss für den von „Leader“ bezuschussten Bau des Gartens mit Begegnungs- und Dokumentationszentrum und Integrationscafés erfolgen. Für den Herbst ist eine große Steinsetzaktion im japanischen Garten geplant. Möglichst große und ausdrucksstarke Felsblöcke werden hierfür von den Verantwortlichen gesucht.