Ahorn

Leserbrief Zu „Anwohner lehnen Autohof klar ab“ (FN 1. Juni)

Die Doppelmoral der Gesellschaft

Archivartikel

Die Aussagen der Anwohner, dass sie den Autohof bei Berolzheim ablehnen, zeigen eine Doppelmoral, die in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Wer hier in dieser ländlichen Idylle, wie Sie schreiben, Tiere hält wie Hühner, Gänse und Schafe, bekommt Besuche von Ämtern und Behörden. Anlass sind Schreiben, unterzeichnet von „Die Nachbarschaft“, in denen Beschwerde geführt wird über krähende Hähne, schnatternde Gänse und schreiende Schafe. Diese kleinen Betriebe sterben aus, weil es sich für sie nicht mehr lohnt, oder sie die Auflagen nicht erfüllen können. Stattdessen setzt man auf große Mastbetriebe irgendwo in Osteuropa, die billig Fleisch, Wurst und Eier produzieren. Schweine fährt man zum Schlachten, zum Zerlegen und zum Weiterverarbeiten. Die Bevölkerung geht dann einkaufen und findet alle Lebensmittel bequem in einem Laden. Das Tier habe ich nie gesehen und nie gehört. Es wurde in Massen zur Schlachtreife getrieben und noch mit Medikamenten vollgepumpt. Am besten noch Tomaten und Erdbeeren im Winter und Rosenkohl im Sommer. Wie kommt alles dahin? Mit Lkw.

Auch die Belieferung der Firma ts-systemfilter erfolgt durch Lkw, desgleichen der Transport der Produkte zum Kunden. Die Lkw werden als Ärgernis gesehen, wenn Stau ist, sie wiedermal lange brauchen, um zu überholen, oder sie langsam am Berg vor einem sind. So funktioniert das einfach nicht. Die Lkw-Fahrer sind Menschen, die Bedürfnisse haben wie schlafen, essen, duschen usw. Ohne Lkw geht es in unserer globalisierten Welt einfach nicht.

Hier sind wir bei dem Kernproblem: Lkw-Parkplätze ja, aber nur nicht bei uns in der Nachbarschaft, denn dann sind die Fahrer Kriminelle, Umweltverschmutzer usw.

Man kann die Liste weiter fortsetzen: Windräder, Funkmasten, Kleintierhaltung usw. Ja super, aber – Sie ahnen es – nur nicht in meiner Nachbarschaft.